Unerwünschte Beigaben

Ernährung, Essen und Trinken 2000:

Was kann man denn überhaupt noch essen – so lautet die bange Frage vieler Verbraucher am Ende des Jahres 2000, das durch immer neue Schreckensmeldungen über gefährliche Nahrungsbestandteile, aber auch durch einen für viele Händler an die Substanz gehenden Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel geprägt war.

Die ersten BSE-Fälle in Deutschland sorgen für eine drastische Änderung in den Essgewohnheiten der Bundesbürger: Der Markt für Rindfleisch bricht praktisch zusammen, stattdessen ist insbesondere Geflügel gefragt, und manch einer entscheidet sich, künftig weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen. Auch die Wurst kommt in Verruf, nachdem Untersuchungen ergeben haben, dass Spuren von Rind auch in Sorten zu finden sind, die als »garantiert ohne Rindfleisch« deklariert wurden.

Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichen eine Fülle von Ratschlägen, wie das Rindfleisch, das im Verdacht steht, die tödlich verlaufende Creutzfeldt-Jacob-Krankheit auszulösen, zu ersetzen sei. Empfohlen wird u. a. das Ausweichen auf Rindfleisch amerikanischer Herkunft, auf Geflügel, Wild oder Fisch.

Doch ist BSE keineswegs der einzige unerwünschte Nahrungsbestandteil, der 2000 in die Schlagzeilen gerät. Untersuchungen der Stiftung Warentest und des Hamburger Hygiene Instituts zeigen, dass viele Lebensmittel – z. B. Cornflakes, Pflanzenöl, Tomatenmark, Schokoriegel oder Chips – gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, ohne dass dies auf der Verpackung vermerkt ist. Das entspricht zwar den EU-Richtlinien, die verschiedene Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht vorsehen (z. B. bei Zusätzen, die weniger als 1% des Inhalts ausmachen, oder wenn Fleisch von mit Gentech-Futter ernährten Tieren stammt), doch die Verbraucher fühlen sich hintergangen. Die meisten lehnen genmanipulierte Nahrung grundsätzlich ab – ein als Gentech-Produkt gekennzeichneter Schokoriegel wurde mangels Nachfrage bereits wieder vom Markt genommen. Ob Lebensmittel mit verändertem Erbgut gesundheitliche Schäden herbeiführen können, ist unter Wissenschaftlern und Politikern umstritten, zumal es in diesem Bereich noch keine längerfristigen Untersuchungen gibt.

Ebenfalls erhebliche gesundheitliche Folgen könnte ein Lebensmittelzusatz haben, der sich oft in Süßwaren und Fertiggerichten findet – hochprozentiger Alkohol. Eine generelle Kennzeichnungspflicht besteht hier nicht, allerdings ist oft ein Hinweis auf den Alkohol in der Zutatenliste zu finden. Ausdrücklich keinen Alkohol mehr enthalten einige typische »Kinderlebensmittel« wie »Milchschnitte« oder »Kinder Pingui«. Nach massiven Elternprotesten stellt der Hersteller Ferrero die Produktion Anfang 2000 um und vermerkt dies auch auf den Verpackungen.