Bush sammelt Verbündete für den „Krieg gegen den Terror“

Bush sammelt Verbündete für den „Krieg gegen den Terror“
Collage aus Bildern des Krieges gegen den Terror. By Derivative work: PoxnarAll four pictures in the montage are taken by the US Army/Navy. [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 2001:

In das Entsetzen, die Hilflosigkeit, die Trauer mischt sich bald Wut auf die Urheber der grauenvollen Gewalttaten, aber auch die Frage nach den Ursachen und Hintergründen solcher Taten. Es ist der Wunsch, verstehen zu können, was da geschah, um auf diese Weise das Grauen zu bannen. US-Präsident George W. Bush, der erst im Januar sein Amt angetreten und noch kein rechtes Profil entwickelt hat, steht von einer Minute zur anderen vor einer ungeheuren Bewährungsprobe. Er lässt sich nicht zu einer Spontanreaktion hinreißen. Zunächst werden Ermittlungen über die Täter und ihre Hintermänner angestellt, wobei sich der erste Verdacht erhärtet: Der aus Saudi-Arabien stammende islamistische Fanatiker Osama bin Laden und seine Organisation El Kaida, die schon für die verheerenden Anschläge auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi 1998 verantwortlich gemacht wurden, haben offenbar die Attentate vom 11. September geplant und ausführen lassen. Bush kündigt einen Krieg gegen den Terror an, schmiedet zuvor aber eine umfassende internationale Allianz. Ihr gehören nicht nur die NATO-Staaten an – die die Terroranschläge als Angriff von außen werten und deshalb zum ersten Mal in der Geschichte der Militärallianz den Bündnisfall erklären –, sondern auch Russland, China und eine Reihe arabischer und anderer islamischer Staaten. Für sie, die durch ihre Zustimmung nicht zuletzt auf wirtschaftliche und politische Vorteile hoffen, ist das Ja eine zweischneidige Sache, denn die meisten haben im eigenen Land bereits mit radikalen Islamistengruppen zu tun, die weiteren Zulauf erhalten könnten, wenn die Führungsspitze allzu stark auf Westkurs geht.