Coole Romantik – modische Gegensätze ziehen sich an

Mode 2001:

In der Mode wird so Widersprüchliches wie Coolness und Romantik, Abgetragenes und Perfektes vereint. Unter dem neuerdings topmodischen Glocken- oder Faltenrock blitzt ein breiter Tüllsaum hervor, die streng geschnittene Kostümjacke fällt durch ein Revers aus Stoffrosen auf, die weiße Bluse ist mit üppigen Stoffrüschen asymmetrisch besetzt. Die Kanten all der Rüschen und Blüten bleiben unversäumt und dürfen ausfransen, denn das Perfekte soll willkürlich wirken.

Wichtigster Aufputz auf Blusen und Pullovern sind wirr aufgenähte Patches (Stoffflecken) in Kontrastfarben, aus Leder, Pelz oder Tüll. Manches sieht nach gekonntem Flickwerk aus, etwa wenn den schräg verarbeiteten Tweedrock von Louis Vuitton ein abgerissener Jeansbund belebt oder wenn die teuren Gucci- oder Dolce & Gabbana-Jeans durchlöchert oder ausgefranst sind. Man spricht von Punk-Couture. Abgesehen davon feiern Jeans-Hosen und -Jacken ein Comeback, vor allem wenn Letztere mit Nerz gefüttert sind. Denn Pelz ist wieder gefragt, allerdings weniger als Mantel oder Jacke, sondern als Accessoire – von Schal, Haube, Tasche, Muff bis zu Knopf oder Brosche. Auch Leder – schwarz und glänzend – wirkt cool und erfährt durch aufgesetzte Patches romantische Bewegtheit.

Die Designermode ist differenzierter denn je. Der Spaß-Faktor steht im Vordergrund bei John Galliano mit Umhängen und Röcken aus Häkelblumen oder bei Jean-Charles de Castelbajac und Custo mit Pop-Art-Comics. Die Mode von Prada, Helmut Lang und Jil Sander dagegen bleibt durchaus minimalistisch. Doch auch die ausgefallenste Designermode ist höchste Schneiderkunst; das gilt für Alexander McQueens Federnrock samt Oberteil in Form eines Puzzles wie für John Gallianos schräg verarbeitete Zeitungsdruckstoffe und Glamour-Hippies (Dior) oder Tom Fords ganz aus Bändern zusammengesetzte, schmale Shiftkleider (Gucci). In der Designer-Abendmode spielt neben Transparenz das Korsett als erotisches Oberteil eine dominante Rolle.

Manche Couture-Häuser erproben ihr Image durch rasch wechselnde Designer: Anstelle von Alexander McQueen wird der durch seine Häkelkünste bekanntgewordene Julien MacDonald an das Haus Givenchy berufen, Tom Ford von Gucci übernimmt auch das Design von Yves Saint Laurent Femme, und für Chloé ist nicht mehr Stella McCartney, sondern Phoebe Philo, für Louis Feraud Yves Mispelaere verantwortlich.

Die allgemein modische Silhouette bleibt schmal, wofür Hüfthosen und taillenkurze Pullover, die möglichst den Bauch freilassen, sprechen. Selbst Mäntel, vielfach im Trenchcoat-Stil, versprechen keine bequeme Weite. Die Sommermode setzt auf große, wirre Dessins, wobei Military-Tarnmuster und Animalprints besonders favorisiert werden, während im Herbst von einem Comeback von Schwarz die Rede ist.

In der Business-Mode bewährt sich das Tweed-Kostüm, ob im Stile des Klassikers von Coco Chanel – nun aber mit Handtasche aus demselben Stoff – oder mit auffälligem Hahnentritt- bis dezentem Fischgrätmuster.

Schuhe bleiben wichtigster Modefaktor, je spitzer und höher, desto modischer, selbst bei hochschaftigen Stiefeln. Dennoch gibt es den Bequemschuh, flach und mit dicker Sohle. Den Blickfang Bein nutzt die Strumpfmode mit groben Netzstrümpfen oder Hahnentrittmustern.

Bei der dominanten Modefrisur herrscht Ausgefranstes und wirr nach vorne Gekämmtes vor. Besonders die männliche Jugend gefällt sich in weißblond gefärbten, mit Wachs zu kurzen Stacheln gestyltem Haar. Piercings und Tattoos sind bei der Jugend noch immer sehr gefragt.