Keine Zeit zum Kochen

Ernährung, Essen und Trinken 2001:

Zu Beginn des Jahres 2001 wirkt der BSE-Schock aus dem Vorjahr noch nach. Nach Bekanntwerden der ersten Fälle der Rinderseuche in Deutschland reagieren die Verbraucher geradezu panisch. Rindfleisch verschwindet weitgehend von den Speisezetteln (es sei denn, es ist argentinischer Herkunft), stattdessen erleben neben Schwein und Geflügel bislang wenig verwendete Sorten wie z. B. Straußenfleisch einen Aufschwung. Am Ende des Jahres hat sich die Lage allerdings beruhigt, der Fleischkonsum, auch der von Rindfleisch, stabilisiert sich.

Weit stärkere Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten der Bundesbürger hat dagegen die Tatsache, dass für viele Essen im Alltag nur noch eine Nebensache ist, wie die Gesellschaft für Konsumforschung in einer Studie feststellt. Jeder Fünfte ist demnach ein Kochmuffel und nutzt »nahezu jede Erleichterung, die Nahrungsmittelindustrie und Schnellgastronomie bieten«, für 43% spielen Fertigprodukte in der Küche eine »sehr wichtige Rolle«, gegenüber einer Umfrage von 1998 bedeutet das eine Steigerung um acht Prozentpunkte.

Gedeckt wird dieser Bedarf u. a. durch immer mehr Tiefkühlprodukte. Der Pro-Kopf-Verbrauch in diesem Bereich ist von 20,4 kg im Jahr 1990 innerhalb von zehn Jahren auf 32,8 kg angestiegen. Die Lebensmittelindustrie bringt zudem immer mehr Produkte auf den Markt, die sich durch Wasserzusatz und/oder Erwärmen in der Mikrowelle binnen Minuten in eine mehr oder weniger komplette Mahlzeit verwandeln. 80% der in Deutschland erzeugten Lebensmittel werden mittlerweile in be- oder verarbeiteter Form angeboten. Wer auch in hektischen Zeiten nicht auf frische Zutaten verzichten will, kann in einer wachsenden Zahl von Supermärkten an der »Frischetheke« vorbereitete Waren bekommen, z. B. geschälten Spargel, geputzten Salat oder in Scheiben geschnittene Ananas.

Geht es allerdings um mehr als die alltäglichen Mahlzeiten, so wird in mancher deutschen Küche erheblicher Aufwand betrieben. Da Restaurantbesuche teuer sind und das Geld für solche Gelegenheiten knapper geworden ist, werden exotische Köstlichkeiten am heimischen Herd zubereitet, z. B. japanisches Sushi oder eine im eigenen Wok gebrutzelte chinesische Spezialität.