Landwirtschaft »zurück zur Natur«

Ernährung, Essen und Trinken 2001:

Aufgeschreckt durch das Auftreten der Rinderseuche BSE setzen sich viele Bundesbürger 2001 kritischer als bisher mit der Herkunft und den Produktionsmethoden von Lebensmitteln auseinander. Bundeskanzler Gerhard Schröder reagiert auf die Zeichen der Zeit, indem er die Grüne Renate Künast zur Ministerin beruft und den Schwerpunkt ihres Ressorts von der Landwirtschaft auf den Verbraucherschutz verschiebt. Ihrem Ziel, den Anteil ökologisch erzeugter Nahrungsmittel von derzeit 2,5 auf 20% zu steigern, will Künast u. a. durch die Einführung eines neuen, einheitlichen Öko-Siegels näher kommen. Das Anfang September präsentierte Siegel, eine grün umrandete Wabe mit der Aufschrift »Bio nach EG-Öko-Verordnung«, garantiert – entsprechend den 1991 verabschiedeten Normen der Europäischen Gemeinschaft – eine artgerechte Tierhaltung, den Verzicht auf Stickstoffdünger im Landbau und dass die Produkte nicht gentechnisch verändert sind.

Obwohl nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) 80% der Öko-Lebensmittel in Deutschland schärferen Kriterien genügten, wird die Einführung des Kennzeichens von Verbraucher- und Umweltverbänden sowie vom Bundesverband Bioland einhellig begrüßt. Einen weiteren Erfolg kann die Ministerin im Oktober verbuchen. Der Bundesrat folgt in der Frage der Legehennenverordnung ihrem Vorschlag, zum Jahresbeginn 2007 die herkömmliche Käfighaltung von Legehennen zu verbieten. Danach dürfen die Tiere nur noch in Boden- oder Freilandhaltung ihre Eier legen. Statt mindestens 450 cm2 pro Henne sind es dann 1100 cm2, die jedem Tier zur Verfügung stehen.

Auch hier erntet Künast viel Lob von den Naturschutzverbänden, aber auch von Kleinbauern. Bayern und Baden-Württemberg hatten ein Verbot der herkömmlichen Käfighaltung erst ab 2010 angestrebt und das Schreckgespenst einer Abwanderung von Großbetrieben ins Ausland beschworen. Derzeit werden 36 Mio. Hennen oder 88% des Gesamtbestandes in Legebatterien gehalten.