Minimal oder gemütlich

Wohnen und Design 2001:

Minimalistische Schlichtheit in der Form, gepaart mit raffinierter Multifunktionalität, sind ein Trend in der von Vielfalt bestimmten Möbel- und Designwelt.

Klare, gerade Linienführung, spiegelglatte Oberflächen und scharfe Kanten geben Sitzmöbeln, vor allem aber Regalen, Schränken, Schubladenmöbeln und anderen Aufbewahrungssystemen etwas Virtuelles: In ihrer kargen Simplizität erscheinen sie eher als Skizzen denn als ausgeführte Modelle, und wenn dann noch Glas als Material hinzukommt, ist es nicht mehr weit bis zum optischen Verschwinden der Möbel. Solche transparenten Objekte finden sich zunehmend auch in Schlafräumen. Ein Beispiel ist der Schrank »Arioso« von Team by Wellis, der auch funktionell spektakulär wirkt: Die Winkeltüren verschieben sich nicht nur an der Frontseite, sie bilden auch mit der oberen Abdeckung eine Einheit, so dass sich der Schrank in seinem ganzen Volumen quasi aufklappen lässt. Da keine tragenden Trennwände erforderlich sind, kann der »Innenausbau« unendlich variabel vorgenommen werden.

Flexibilität und vielseitige Nutzbarkeit, wie sie deutsche Käufer besonders schätzen, finden sich mittlerweile auch bei italienischen Herstellern der anspruchsvollen Kategorie. So stellt Cassina das Polstermöbelprogramm »Reef« vor, bei dem sich Seitenteile und Rückenlehnen ausklappen und in verschiedenen Stufen verstellen lassen. Die deutsch-schweizerische Firma Interprofil bietet diverse Sitz- und Ruhemöbel, deren Rückenlehnen oder Kissen sich flexibel an den Körper des Benutzers anschmiegen und ihm nahezu überallhin folgen, wie auch immer er sich auf dem Möbel bewegen mag.

Doch es gibt auch den Gegenpol: Für Classicon hat Stardesigner Konstantin Grcic das Sitzobjekt »Chaos« entworfen, das breiter ist als tief. Es ist vertikal durch einen leichten Knick in zwei ungleich große Teile geschieden, am Übergang von der Sitzfläche zur Rückenlehne leicht abgeschrägt und ein wenig nach hinten geneigt: Ein zudem noch wippendes Möbel, das eher zu einem rastlosen als zu einem Bequemlichkeit suchenden Benutzer passt.

Wer auf Gemütlichkeit nicht verzichten möchte, der kann sich für Möbel aus Seegrasgeflecht oder Bananenblättern – eine Alternative zum Rattan – entscheiden und sich einen hochflorigen, mit Silberfäden durchzogenen Teppich auf den Fußboden legen: Auch mit diesen Gegentrends folgt er dem Zeitgeist.