Terrorschock für Reisende

Urlaub und Freizeit 2001:

Nicht die schwächelnde Wirtschaft, sondern die Terroranschläge in New York und Washington am 11. September versetzen der Tourismusbranche 2001 einen empfindlichen Schlag. In den Wochen nach den Attentaten werden mindestens 25% der in Deutschland gebuchten USA-Reisen storniert; viele Veranstalter zeigen sich angesichts der Ausnahmesituation kulant und erledigen Umbuchungen kostenlos.

Umgekehrt erleiden auch deutsche Anbieter – und dabei insbesondere Hotels der oberen Preisklasse, die sich in den letzten Jahren als Tagungsorte internationaler Unternehmen etablieren konnten – empfindliche Einbußen, weil die Besucher aus den Vereinigten Staaten ausbleiben. Generell sind ab Herbst eher Orte und Gegenden gefragt, die auch mit anderen Verkehrsmitteln als dem Flugzeug zu erreichen sind und die nicht als potenzielle Terrorziele gelten. In vielen Urlaubsorten rund ums Mittelmeer wird die Saison wegen der stärkeren Nachfrage verlängert. Fernreisende weichen nach Südafrika aus. Die USA, normalerweise eines der Traumreiseländer der Deutschen, werden eher gemieden, wobei die Ostküste als besonders gefährlich gilt. Am schlimmsten betroffen ist das Hotelgewerbe in New York. Selbst Maßnahmen wie die Halbierung der Übernachtungspreise kann die Lage der auf internationale Gäste angewiesenen Spitzenhotels kaum verbessern. Mit einer 7 Mio. US-Dollar teuren Werbekampagne und der Einführung weitreichender Rabatte versucht die Vereinigung der Reiseveranstalter gegenzusteuern. Bis zu den Terrorakten in den USA zeigt sich die deutsche Reisebranche sehr zufrieden. Trotz der Konjunkturflaute bleiben die Deutschen »Reiseweltmeister«. Die höchsten Zuwachsraten werden bei Kreuzfahrten und anderen Schiffsreisen, z. B. auf Flüssen und Kanälen von Moskau nach St. Petersburg, registriert.

Unter den Zielgebieten liegen Spanien und Italien vorn; besonders trendy ist aber die Türkei. Beliebtestes Einzelziel der Deutschen bleibt Mallorca, auch wenn dort 2002 eine Ökosteuer von 0,25 bis 2 € pro Tag eingeführt wird. Die Einnahmen von rd. 70 Mio. € pro Jahr sollen dem Umweltschutz und der Verbesserung bestehender Ferienanlagen zugutekommen. Insgesamt setzt die Regierung der Baleareninsel künftig auf einen Ausbau des Kongress-, Kultur- und Sporttourismus. Sonnenhungrige und Badeurlauber sollen aber weiterhin willkommen sein. Für Deutschland rufen die Reisemanager 2001 ein »Jahr des Tourismus« aus. »Nix wie hin« empfiehlt das Logo mit dem schwarz-rot-goldenen Umriss des Landes. Bei jeder zweiten Reise bleiben die Bundesbürger im Inland, allerdings sind sie dann meist nur einige Tage unterwegs, z. B. um eine Stadt kennenzulernen. Ein längerer Urlaub in Deutschland findet vor allem dann Interesse, wenn er pauschal gebucht werden kann. Die wichtigsten Gründe für Ferien im eigenen Land sind nach den Erkenntnissen der Reisebranche regionaltypisches Essen und Trinken, Sehenswürdigkeiten und das Ausspannen in schöner Natur. Preislich ergibt sich gegenüber einer Auslandsreise zumeist kein Vorteil, und auch die Entfernung spielt angesichts guter Flugverbindungen kaum eine Rolle. Die vor Jahren mit großer Euphorie gestarteten Reiseanbieter im Internet bleiben – so zeigt sich 2001 – deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zwar informieren sich viele Reiselustige online über ihre Zielgebiete und Pauschalangebote; bei der Buchung sitzen sie aber lieber einem menschlichen Berater gegenüber. Eine Befragung unter 70 000 Internetnutzern ergibt, dass nur knapp 6% eine Pauschalreise per Mausklick geordert haben, 10% einen Mietwagen und 17,8% ein Hotelzimmer. Experten rechnen deshalb mit einer Pleitewelle unter Anbietern, die nur im Internet präsent sind. Dagegen steigt die Zahl der Reisebüros.