Immer mehr Kinder übergewichtig

Ernährung, Essen und Trinken 2002:

Bei aller Diskussion um unerwünschte oder gefährliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln sind es auch die Ernährungsgewohnheiten der Wohlstandsbürger, die erhebliche Gesundheitsstörungen verursachen können. Der Trend zum Verzehr von immer mehr Fertiggerichten führt dazu, dass viele Menschen sich viel zu süß und zu fetthaltig ernähren. Ministerin Künast beklagt im Mai in diesem Zusammenhang eine verhängnisvolle Fehlernährung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. In den letzten 15 Jahren habe sich der Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen mehr als verdoppelt. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche sei inzwischen zu dick. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt sei die Lebensmittelindustrie, die ihre Produkte in der Werbung als besonders für Kinder geeignet darstelle, auch wenn es sich um Süßwaren oder stark fetthaltige Fertigkost handele. Die Verbraucherschutzministerin fordert die Lebensmittelindustrie auf, künftig gesündere Kindernahrung anzubieten.

In Frankreich warnt der Fastfood-Gigant McDonald’s sogar selbst vor dem übermäßigen Konsum seiner Produkte. Im Rahmen einer Kampagne gegen Übergewicht bei Kindern empfiehlt die Imbisskette im April den französischen Müttern, ihre Kinder nur einmal pro Woche mit Hamburgern zu ernähren. In Frankreich hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder in den vergangenen zehn Jahren auf 16% verdreifacht.

Vor dem Landgericht Mönchengladbach scheitert im April ein zuckerkranker Richter mit dem Versuch, einen Hersteller von Schokoriegeln für seine Erkrankung haftbar zu machen und ein Schmerzensgeld einzuklagen. Der hohe Zuckergehalt der Süßwaren hätte bei ihm Diabetes ausgelöst und der Zucker zudem zu seinem Übergewicht beigetragen, argumentiert der 46-Jährige. Somit seien die Produkte fehlerhaft, und außerdem fehlten auf ihren Verpackungen Warnhinweise. Das Gericht sieht die genauen Ursachen der Krankheit dagegen als nicht geklärt an und verweist darauf, dass neben Übergewicht und falscher Ernährung auch Stress, genetische Anfälligkeit und mangelnde Bewegung als Faktoren genannt würden, die einen Altersdiabetes begünstigten.