Kampagne für Bio-Siegel

Ernährung, Essen und Trinken 2002:

Nach Angaben der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) sind infolge des BSE-Skandals viele Verbraucher beim Fleisch auf Ökoprodukte ausgewichen. Das Geschäft mit Nahrungsmitteln aus biologischem Anbau ist insgesamt 2001 um rd. 30% gestiegen. Allerdings sind Ökoprodukte vorerst nur mit 2,4% am Gesamtumsatz mit Nahrungsmitteln beteiligt.

Hier eine Wende herbeizuführen ist das Ziel von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), die auf der Grünen Woche im Januar 2002 eine 7,5 Mio. € teure Kampagne zur Information über das staatliche Bio-Siegel auf den Weg bringt. Das 2001 eingeführte Emblem – ein grünes Sechseck mit der Inschrift »Bio nach EG-Öko-Verordnung« -soll als Orientierungshilfe beim Lebensmittelkauf dienen. Bislang bedient sich der ökologische Landbau über 180 verschiedener Zeichen und Siegel zur Kennzeichnung seiner Produkte. Bis 2010, so bekräftigt Künast bei der Vorstellung der Kampagne, soll u. a. durch eine bessere Vermarktung naturnah erzeugter Produkte der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 20% ausgedehnt werden.

Einen herben Rückschlag erleidet die Öko-Branche, als im Mai bekannt wird, dass dort eingesetztes Futtergetreide mit dem verbotenen Pflanzenschutzmittel Nitrofen verseucht war. Auch wenn die Bio-Bauern keine direkte Schuld trifft – sie haben den Weizen von einem Futtermittelhersteller bezogen, der das Getreide in einer nitrofenbelasteten Halle in Mecklenburg-Vorpommern gelagert hat -, erleiden sie durch den Skandal erhebliche Verluste. Bis zu 400 Betriebe werden vorübergehend gesperrt, 24 000 Tiere getötet; der Einzelhandel stoppt den Verkauf zahlreicher Bioprodukte wie Eier und Geflügel. Vor allem aber ist das Vertrauen der Verbraucher in die ökologische Landwirtschaft erschüttert, deren Waren gegenüber konventionell erzeugten Produkten oft erheblich teurer sind. So kommt es, dass der gerade von der CMA konstatierte Trend sich schon wieder umkehrt. Laut einer im August veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach sind nur noch 32% der Bundesbürger bereit, für Bio-Erzeugnisse mehr Geld auszugeben. Anfang 2001 waren es noch 56%. Bei Nahrungsmitteln aus ökologischem Anbau könne man nicht sicher sein, dass sie besser seien als andere landwirtschaftliche Produkte, erklären 77% der Befragten gegenüber 54% anderthalb Jahre zuvor. 50% halten das Kennzeichen »Bio« oder »Öko« für Schwindel – Anfang 2001 glaubten dies nur 34%.