Museum oder Erlebnispark?

Architektur 2002:

Wie bei dem 2001 in Berlin eröffneten Jüdischen Museum wagt der polnisch-amerikanische Architekt Daniel Libeskind auch in seinem Imperial War Museum North in Manchester die große Metapher. War es damals der zu einem Blitz zerborstene Davidstern, so ist es diesmal nach der Selbstdeutung des Architekten die in drei Teile zersprungene Erdkugel, die dem Bau die Gestalt verliehen hat – Symbol für eine auseinandergefallene Welt im Zeichen des Krieges. Die »Erdscherbe« (»Krieg zu Lande«) ist eine konvex gewölbte Ausstellungshalle, die »Wasserscherbe« (»Krieg zu Wasser«) das Restaurant mit einem konkaven Dach, die »Luftscherbe« (»Luftkrieg«) ein 55 m hoher, leicht schief gestellter Turm. Alle Teile des mit Aluminium verkleideten Gebäudekomplexes sind bewusst grob nebeneinandergestellt. Auch im neuen Libeskind-Bau finden sich wieder gekippte Böden, ins Nichts laufende Korridore und gezackte Ausstellungsräume. Doch diesmal erscheint manchem das Bauwerk trivial: »Auch dieses Museum hat Libeskind aufgeladen mit Bedeutung. Es soll >KonflikteHoffnungWanken< und somit zum Nachdenken kommen. Das alles kann man – je nach Temperament – beeindruckend oder kitschig finden. Es ist aber architektonisch bei weitem nicht so eindringlich wie beim … Jüdischen Museum in Berlin«, resümiert Rainer Haubrich.