Verspielt und Individuell

Mode 2002:

Die Ende der 90er Jahre so puristische Business-Mode der Frau wandelt sich zum »Romantic Business«. Klassische Hosenanzüge werden mit weißen Blusen getragen, deren üppige Rüschenkaskaden das Bügeln zum Albtraum werden lassen. Ebenso in, aber pflegeleicht sind Blusen aus gecrashtem Synthetik. Ob als Herrenhemd mit Krawatte oder bestickt à la Hippie lassen Blusen die so bequemen T-Shirts langweilig aussehen. Selbst klassische Modepuristen wie Prada, Louis Vuitton und Gucci präsentieren Kleider und Blusen mit romantischen Rüschen, zipfeligen Volants und nach außen gekehrten, ausgefransten Nähten, die eine gewisse »Zufälligkeit« vermitteln.

Die Logo-Manie der »global fashion players« weicht dem Streben nach Individualität. Dieses drückt sich in folkloristischen Details wie farbenfreudigen Stickmustern osteuropäischer Tradition, Fellpatchwork der Mongolen und indianischen Lederfransen aus.

Selbst Jeans zeigen das Verlangen nach Individualität. Kleine Läden spezialisieren sich auf die kundengerechte Bearbeitung der Hosen, die individuell ausgefranst, durchlöchert, ausgewaschen, mit Stahlbürsten behandelt, zertrennt und neu zusammengesetzt, mit Pelz verbrämt oder mit Pailletten bestickt werden. Design-Recycling heißt der neue Trend, bei dem das alte Outfit in einem neuen Design vollkommen verändert wird – im Gegensatz zur nur leichten modischen Anpassung in der Änderungsschneiderei.