Zur Person

Architektur 2002:

Pritzker-Preisträger Glenn Murcutt

Die weltweit bedeutendste Auszeichnung für Architektur, der mit 100 000 US-Dollar dotierte Pritzker-Preis, geht 2002 an den 65-jährigen Australier Glenn Murcutt, der international kaum bekannt ist. Ein Grund dafür ist seine Weigerung, Bauten außerhalb seines Heimatlandes zu entwerfen. Die den Preis vergebende Hyatt-Stiftung erklärt, sie ehre Murcutts Gesamtwerk, das in besonderer Weise eine architektonische Erwiderung auf die Landschaft und das Klima darstelle. Vielleicht will sich die Stiftung mit ihrer Wahl vom Medienrummel um die sog. Stararchitekten distanzieren, die ohne Rücksicht auf historische und soziale Gegebenheiten mit Museen, Verwaltungsgebäuden, Theatern, Flughäfen oder Finanzzentren die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ein ganzes Heer von Angestellten für sich arbeiten lassen. Murcutt hingegen unterhält ein Ein-Mann-Büro in Sydney und baut in der Regel Mehrfamilienhäuser.

Der Pritzker-Preis wird seit 1979 verliehen. Unter den 26 Preisträgern – in zwei Jahren fiel die Wahl auf zwei Architekten – stellen die US-Amerikaner mit sieben die größte Gruppe; in den letzten zehn Jahren war allerdings kein Architekt aus den USA dabei. Einmal, 1986, erhielt mit Gottfried Böhm ein Deutscher den »Nobelpreis für Architektur« – eine Frau ist mit der Auszeichnung noch nie bedacht worden.