Zwischen Hightech und Retrolook

Wohnen und Design 2002:

Auf ständigen Wechsel, allerdings in der Farbgebung, setzt der deutsche Designer Wulf Schneider, der den Schrank »Eo« für Interlübke gestaltet hat. Er besteht aus einzelnen Würfeln aus mattiertem Glas und Aluminium, die man beliebig nebeneinanderreihen oder aufeinanderstapeln, mit Schubladen, Einlegeböden, CD-Fächern und vielem anderen ausstatten kann – typisch für die Firma aus Rheda-Wiedenbrück, die für ihre flexiblen Kastenmöbel bekannt ist.

Das Besondere an »Eo«: Mittels kleiner roter, blauer und grüner Leuchtdioden, die an der Rückwand der Würfel angebracht sind, leuchtet der Schrank von innen, das mattierte Glas fängt das Licht auf und reflektiert es. Mit einer Fernbedienung lassen sich die drei Grundfarben beliebig mischen. Seine fünf Lieblingskompositionen kann der Benutzer speichern, denn die Wahl unter 16,5 Mio. Farben des Rot-Grün-Blau-Spektrums fällt wahrlich schwer. »Eo« wird mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und könnte ein neues Zeitalter einläuten, in dem wir auf Lampen ganz verzichten, da unsere Möbel dank Leuchtdioden selbst genügend Licht abgeben. Sogar auf diese Weise von innen leuchtende Häuserfassaden wären denkbar.

Plastik allerorten: Neuartige feuerfeste und ultraharte Kunststoffe, wie sie beim Bau von Jachten, Autos oder Flugzeugen zum Einsatz kommen, halten Einzug auch ins Design von Möbeln für den Endverbraucher. Und wieder steht die Zellenidee Pate, wenn der US-Amerikaner Jerzy Seymour die Hohlformen aufgeblasener Ballons mit Polyurethanschaum umkleidet. Aus diesem Material – und einem Stahlgestell – besteht auch die Chaiselongue »Sigmund Freud«, die Todd Bracher für Zanotta entworfen hat. Die Original-Couch in der Wiener Praxis des Psychoanalyse-Erfinders wirkt im Vergleich dazu geradezu plüschig. Nostalgisch erscheint die mit Polystyrenkügelchen gefüllte Sitzgelegenheit »Superblob« von Karim Rashid, die an den guten alten »Partysack« denken lässt. Original-Retro bietet der Gartenstuhl in Pillenform mit Namen CEuf, den Peter Ghüczüs im Jahr 1968 gestaltet hat und der nun wieder lieferbar ist.