Hamburg erprobt neues Modell zur Lehrerarbeitszeit

Bildung 2003:

Hamburg ist das erste Bundesland, das zum Schuljahr 2003/04 ein neues Arbeitszeitmodell (AZM) für seine Lehrer einführt. Dahinter steht der Grundgedanke, dass z. B. eine Deutschstunde in der gymnasialen Oberstufe, die eine intensive Vorbereitung erfordert und viel Korrekturarbeit bei den Klassenarbeiten mit sich bringt, stärker zu Buche schlagen soll als etwa eine Sportstunde. Bisher war es in Hamburg und ist es in anderen Bundesländern so, dass alle Lehrer einer Schulform, gleichgültig welche Fächer sie unterrichten, ein gleich hohes Stundendeputat haben. Nun müssen in Hamburg die Sportlehrer mehr Unterrichtsstunden pro Woche geben als der Durchschnitt, die Deutschlehrer mit Oberstufenklassen weniger.

Was auf den ersten Blick wie eine Maßnahme erscheint, die Gerechtigkeit innerhalb der Lehrerkollegien herstellt, ruft bei der konkreten Umsetzung Empörung nicht nur bei Lehrern hervor, sondern führt auch zu Protesten der Landeselternkammer. Ein Grund liegt darin, dass die Einführung des AZM in Hamburg mit einer Erhöhung des durchschnittlichen Stundendeputats verbunden ist, mit der Folge, dass nun fast alle Lehrer mehr arbeiten müssen als zuvor. Ferner führt die kleinteilige Erfassung und Bewertung aller Tätigkeiten jedes einzelnen Lehrers – Unterricht, Vorbereitung, Korrekturen, Konzeptionelles, Verwaltungsarbeit, Fortbildung – zu einer aufgeblähten Bürokratie und lähmt die Motivation, spontan neue Aufgaben zu übernehmen. Für zusätzlichen Unmut sorgt, dass nach dem AZM die Zeit für bestimmte Tätigkeiten sehr gering angesetzt wird (15 Minuten für die Korrektur einer dreistündigen Englischarbeit in der gymnasialen Oberstufe), um das vorgegebene Zeitbudget nicht zu sprengen. An einer Reihe von Schulen machen Lehrer aus Protest nur noch »Dienst nach Vorschrift«.