Prügel für die Bahn

Verkehr 2003:

Bei ihren inländischen Fahrgästen steht die Bahn unterdessen in keinem guten Ruf. Die Einführung des neuen Preissystems, das frühzeitige Buchungen besonders belohnt, lässt die Bahnkunden scharenweise zu anderen Verkehrsmitteln überlaufen, so dass das Management im Sommer die Notbremse ziehen muss. Zum 1. August wird das Tarifsystem erneut verändert; vor allem kommt die beliebte Bahncard 50 zurück, mit der man unabhängig vom Buchungszeitpunkt Fahrkarten mit 50% Rabatt erhält.

Jedoch gibt es noch weitere Schwachpunkte bei der Bahn, insbesondere die häufigen Verspätungen. Im August kommen beispielsweise weniger als 85% der Züge pünktlich an, und dies liegt nicht allein an den von Bahnchef Hartmut Mehdorn gern angeführten äußeren Einflüssen wie Selbstmorde, Unfälle an Bahnübergängen oder Brände. Hauptursache, so zeigt eine interne Untersuchung, sind vielmehr technische Probleme an Strecken und Zügen; hinzu kommen u. a. Trassen-Baustellen, die im Fahrplan nicht berücksichtigt werden, ein schleppender Betriebsablauf etwa bei der Abfertigung oder die Tatsache, dass der Fahrplan kaum Puffer enthält, mit denen Störungen abgefangen werden können. Die Bahn gelobt Besserung; im neuen Fahrplan, der ab Mitte Dezember gilt, sollen die Untersuchungsergebnisse berücksichtigt werden.

Unterdessen wächst die Konkurrenz des einstigen Staatsmonopolisten Deutsche Bahn. Der französische Bahn- und Transportkonzern Connex, der 2003 als erstes ausländisches Unternehmen den Zuschlag für Pendlerzüge in den USA (im Raum Boston) erhält, will in Deutschland weiter expandieren.

Im April startet die Connex-Tochter Nord-Ostsee-Bahn die erste ganzjährige Taktverbindung ins Ausland (von Niebüll ins dänisch Tonder), ab Juni verkehrt Connex auf der Strecke Rostock-Nordhausen-Köln, Ab 2005 will das Unternehmen dann auch Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen.

Die Deutsche Bahn tut sich schwer mit der Konkurrenz. So muss Connex per Gerichtsurteil durchsetzen, dass die Bahn die Verbindungen der Privatanbieter ins Kursbuch aufnimmt und bei der Zugauskunft nennt. Zudem klagen die Franzosen über die schwierige Kooperation und legen bei der EU Beschwerde ein, weil die DB ohne Ausschreibung den Zuschlag für den regionalen Zugverkehr in Brandenburg erhalten habe.