Tendenz zum Heimaturlaub

Urlaub und Freizeit 2003:

Nach einer Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) steigt der Anteil der Deutschen, die ihre Ferien im eigenen Land verbringen, stetig an. 2002 waren es 30,5% der Urlauber, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von einem Prozentpunkt. Vor dem Hintergrund des Irak-Krieges bremst die Angst vor Terroranschlägen zusätzlich die Lust auf eine Auslandsreise. Nach einer Umfrage von Anfang März haben 43% der Bundesbürger selbst im europäischen Ausland (ohne Türkei) Terrorangst. 90% äußern Angst vor Terror in Ländern wie Ägypten, Tunesien und Marokko; für die in den vergangenen Jahren stark boomende Türkei sind es 87%, für die USA 85%. Doch gibt es auch andere Gründe dafür, dass die Deutschen lieber im eigenen Land bleiben. Zunehmende Reiseerfahrung, so FUR-Chef Peter Aderhold, führe zu »einer gewissen Übersättigung«. Hinzu komme die Furcht vor Überfüllung und stressiger Anreise sowie der Eindruck, dass Urlaubsgebiete einander häufig ähneln. Gleichförmige, von den Wohngebieten der Einheimischen abgegrenzte Hotels sowie ein einheitliches Speisenangebot, Sport- und Unterhaltungsprogramm lassen kaum noch erkennen, in welchem Land man sich befindet.

Besonders die ostdeutschen Bundesländer sind dagegen zu einem Markenzeichen für naturnahen Urlaub geworden, in dem es viel Raum für eigene Aktivitäten gibt. Sie profitieren davon, dass es in der früheren DDR viele militärische Sperrgebiete gab, die weitgehend unberührt blieben und sich so zu Naturidyllen entwickeln konnten. Mecklenburg-Vorpommern hat diesen Trend besonders gut genutzt. Hier gibt es viele attraktive Naturräume, die touristische Erschließung ist behutsam vorgenommen worden, so dass die Region sich nun von den teilweise verbauten Badeorten z. B. an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste positiv absetzt. Entsprechend konnte das Bundesland 2002 mit 10,7 Mio. Besuchern bei den Übernachtungen einen Zuwachs von 6,5% verbuchen. Das eher flache Land mit seinen vielen Seen eignet sich außerdem besonders gut für Fahrradtouren und -reisen, die zu beliebten Urlaubsaktivitäten der Deutschen geworden sind. Nach Ermittlungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs haben über 2 Mio. Deutsche im Jahr 2002 eine mehrtägige Fahrradreise unternommen, die meisten in Mecklenburg-Vorpommern. Besondere Anziehungspunkte sind außerdem die Nationalparks, wobei mit dem Park Vorpommersche Boddenlandschaft mit 2,5 Mio. Besuchern pro Jahr wiederum der Nordosten Deutschlands ganz oben in der Beliebtheitsskala steht. Es folgen die Nationalparke Sächsische Schweiz, Bayerischer Wald, Niedersächsisches Wattenmeer und Jasmund/Insel Rügen mit jeweils rd. 2 Mio. Gästen.

Ein Wermutstropfen für die deutschen Urlaubsregionen und ihre Gäste ist die ungünstige Schulferienordnung, durch die die Kernurlaubszeit um acht Tage zusammenschrumpft. Zudem haben die bevölkerungsreichen Bundesländer fast gleichzeitig Ferien. Wer nicht frühzeitig gebucht hat, geht unter Umständen leer aus. Die Reisebranche klagt gar, die gedrängten Sommerferien hätten ihr einen Umsatzausfall von 1 Mrd. € beschert. Zum Glück haben die Kultusminister der Länder bereits beschlossen, die Ferien wieder zu entzerren.