Zweimal Österreich museal

Zweimal Österreich museal
Kunsthaus Graz © Foto Josef Höckner, München

Architektur 2003:

Kunsthaus Graz © Foto Josef Höckner, München

Kunsthaus Graz © Foto Josef Höckner, München

Mit zwei Häusern für moderne Kunst, wie sie unterschiedlicher kaum ausfallen könnten, schreiben sich die österreichischen Städte Graz und Linz 2003 in den Architekturdiskurs ein. Das Kunsthaus Graz, entworfen von den Briten Peter Cook und Colin Fournier mit dem Grazer Büro Architektur Consult, kommt nach dem Willen der Schöpfer als »friendly alien« daher, als freundliches Wesen aus einer fremden Welt. Das biomorphe Gebilde – eine Qualle, eine Blase, die über einem gläsernen Sockel schwebt? – ist mit einer Haut aus mehr als 1300 unterschiedlich geschnittenen und gebogenen Plexiglasplatten überzogen. Auffällig sind die sog. Nozzels, kurze Fühler, die von oben Tageslicht ins Gebäude holen sollen, und die sog. BIX-Medienfassade der Berliner Designer realities:united. Mittels 925 ringförmigen und dimmbaren Leuchtstoffröhren, die an der zur Mur gerichteten Außenhaut in die Plexiglasplatten geschraubt sind, lassen sich Lichtbotschaften aussenden. In der Mehrheit zeigt sich das Feuilleton allerdings enttäuscht: Zwischen den Visionen des Entwurfs und dem in die Realität umgesetzten Gebäude klafften Welten, heißt es – worauf die Schöpfer mit dem Hinweis reagieren, der Bau sei ironisch gemeint.

Kunsthaus Graz © Foto Josef Höckner, München

Kunsthaus Graz © Foto Josef Höckner, München

Beim Kunsthaus »Lentos« in Linz überschlägt sich die Architekturkritik hingegen in Lobpreisungen. Der 130 m lange, flache Baukubus, geschaffen vom Schweizer Architektenduo Weber + Hofer, beeindruckt durch einen markanten, 60 m langen und 8 m hohen Durchblick zur Donau, der an ein gerahmtes Foto denken lässt, und durch ein intelligentes Spiel mit der Oberfläche. In eine den gesamten Bau umgebende Glashülle ist 35 000 -mal der Schriftzug »kunstmuseum lentos« eingelassen, der je nach Witterung und Sonnenstand den Eindruck von Flächigkeit oder Tiefenschärfe auf der Fassade dahinter erzeugt. Nachts aber erstrahlt das Museum in allen erdenklichen Farben.