Für 29 € quer durch Deutschland

Verkehr 2004:

Unterdessen bemüht sich die Bahn, vor allem im weiter defizitären Bereich Fernverkehr Boden gutzumachen. Sonderaktionen wie der Sommer-Spezial-Preis, der in vielerlei Hinsicht an die Angebote der Billigfluggesellschaften erinnert, sollen vor allem solche Kunden auf die Schiene locken, die sonst nie mit der Bahn fahren. Das Angebot: Zwischen dem 1. Juli und dem 31. August kostet die einfache Fahrt innerhalb Deutschlands 29 €, allerdings nur für ein begrenztes Kontingent von 30 000 Plätzen pro Tag bei mindestens drei Tagen Vorausbuchung und mit Zugbindung. Wer nicht übers Internet bucht, sondern am Fahrkartenschalter oder im Reisebüro sein Ticket kauft, muss 34 € berappen. Der Ansturm auf den Sonderpreis ist so groß, dass die Buchungszentrale im Internet zeitweilig zusammenbricht. Im Herbst gibt es weitere Aktionspreise auf ausgewählten Strecken. Für 19 und 29 € kann man aus zehn Städten eine Auslandsreise antreten, z. B. von Hamburg nach Kopenhagen.

Auch in der allgemeinen Preisgestaltung macht sich die neue Konkurrenz bemerkbar. Während zum 1. April die Preise auf Konkurrenzstrecken zu Billigfliegern gesenkt werden, steigen sie auf stark nachgefragten ICE-und IC-Strecken, im Durchschnitt um 3,4%. Im Nahverkehr sind die Fahrpreise bereits Ende 2003 um durchschnittlich 4,1% angehoben worden. Schon zum 12. Dezember 2004 wird die nächste Fahrpreiserhöhung angekündigt: Dann möchte die Bahn trotz heftigen Einspruchs der Bundesländer die Tickets im Fernverkehr noch einmal um rd. 3,1 % verteuern – wegen gestiegener Energiepreise, wie sie mitteilt.

Eine weitere versteckte Preiserhöhung besteht in der Einschränkung der Mitfahrertarife, die ebenfalls zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember wirksam wird. Die Bahn beschränkt diese Möglichkeit, zu mehreren günstiger zu reisen, auf die Inhaber einer Bahncard und plant für Ende 2005 die gänzliche Abschaffung. Weitere Einsparungen sollen durch die Schließung von Verkaufsstellen vor allem im ländlichen Raum erzielt werden. Die Kunden sollen ihre Tickets vermehrt an Automaten erwerben oder via Internet buchen, dafür gibt es Extras wie die kostenlose Sitzplatzreservierung.

Ab 1. Oktober gilt bei der Bahn eine »Kundencharta«, die u. a. Reisenden im Fernverkehr, die ihren Zielbahnhof mit mehr als 60 Minuten Verspätung erreichen, eine Entschädigung in Höhe von 20% des Fahrkartenwerts verspricht – in Form eines Gutscheins.