Gurke von London – Käfer von New York

Gurke von London – Käfer von New York
30 St Mary Axe, London, häufig The Gherkin (englisch für Gurke) genannt . © Foto Josef Höckner, München

Architektur 2004:

30 St Mary Axe, London, häufig The Gherkin (englisch für Gurke) genannt . © Foto Josef Höckner, München

30 St Mary Axe, London, häufig The Gherkin (englisch für Gurke) genannt . © Foto Josef Höckner, München

»The Gherkin«, die Gurke, nennen die Londoner liebevoll das Hochhaus, das ihnen Lord Norman Foster für die Schweizer Versicherungsgesellschaft Swiss Re mitten in die Innenstadt gestellt hat. Der 180 m hoch aufragende Büroturm in unmittelbarer Nähe von St. Paul’s gibt der Skyline der britischen Hauptstadt, von der Themse aus betrachtet, einen unübersehbaren Akzent. Architekturexperten fühlen sich bei dem über rundem Grundriss errichteten, zur Schaftmitte hin anschwellenden und sich nach oben wieder verjüngenden Gebäude mit der schuppenähnlichen Hülle an einen Tannenzapfen oder eine schlanke Ananas erinnert, sie schwärmen von der einprägsamen Verbindung von Geometrie und organischer Naturform und von der Wabenstruktur der mehrschichtigen Außenhaut aus Glas, die alle Räume mit Sonnenlicht versorgt. Was nicht nur Ökologen, sondern auch die Mitarbeiter in den Büros erfreut: Die Fenster lassen sich öffnen, die Klimaanlage des Gebäudes wird nur angeschaltet, wenn die Witterungsbedingungen es erfordern.

Der in Deutschland bekannteste Foster-Bau ist die Überbauung des Reichstags in Berlin, doch der britische Stararchitekt ist nicht der wirkliche Schöpfer dieser charakteristischen Kuppel, er hat sie nach dem Gewinn des Architekturwettbewerbs nur ausgeführt, »erfunden« hat sie der Spanier Santiago Calatrava, ebenfalls ein Freund großer Zeichen. Calatrava erntet viel Zustimmung für seine Olympiabauten in Athen, u. a. für die Überdachung des Olympiastadions mit zwei schwingenden Großbalken und für das an ein Insekt erinnernde Velodrom, bestehend aus zwei flach gewölbten Schalen, die an zwei Stahlrohrböden aufgehängt sind. Diese »Käferflügel« sind das Markenzeichen Calatravas. Der von ihm entworfene neue Bahnhof für Ground Zero in New York besteht aus zwei solchen Flügeln: 50 m hoch, aus Glas und von beiden Seiten ineinandergreifend. Sie umschließen die 120 m lange Halle, von der aus es zu den U- und Vorortbahnlinien geht; im Sommer lassen sie sich öffnen.