Lehrermangel und -Überschuss

Bildung 2005:

Lehrer, Schüler und Eltern aus Sachsen machen im Frühjahr Front gegen Schulschließungspläne der CDU/SPD-Landesregierung. Nach dem Willen von Kultusminister Steffen Flath sollen etwa 100 der 456 Mittelschulen des Landes sowie einige Gymnasien und Grundschulen geschlossen werden. Der CDU-Politiker verweist auf dramatisch sinkende Schülerzahlen: Gingen 1996 in Sachsen noch 700 000 Jungen und Mädchen zur Schule, werden es aufgrund der demographischen Entwicklung 2011 weniger als 400 000 sein.

Daher müssten auch Lehrerstellen wegfallen. Flath möchte Entlassungen vermeiden und setzt stattdessen auf eine Zwangsteilzeit für Lehrkräfte. Auf seine Pläne, Lehrer an weiterführenden Schulen künftig nur noch 72%, ab 2007 sogar nur 62% ihrer bisherigen Dienstzeit arbeiten zu lassen und entsprechend schlechter zu bezahlen, reagieren die sächsischen Lehrer mit Warnstreiks. Da sie keine Beamten, sondern Angestellte sind, verfügen sie über das Streikrecht. Ende Mai einigen sich Landesregierung und Gewerkschaften nach zweimonatigen Verhandlungen auf einen Tarifvertrag. Danach wird die Arbeitszeit von Lehrern an weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2005/06 auf 85%, für die Schuljahre 2006/07 bis 2008/09 auf 77% abgesenkt und danach wieder leicht auf 79% des derzeitigen Niveaus angehoben.

Während in ostdeutschen Bundesländern ein Lehrerüberschuss besteht, sieht es im Westen nach Angaben der Lehrergewerkschaften schon jetzt anders aus: Der Deutsche Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, spricht von 10 000 bundesweit fehlenden Lehrerstellen zum Schuljahresbeginn 2005/06 und prognostiziert, dass bis 2015 wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle bis zu 80 000 Pädagogen fehlen werden. Der Verband empfiehlt, einst abgewiesene Bewerber erneut anzusprechen, insbesondere Frauen, die in die Hausfrauenrolle gedrängt worden seien, weil sie keine Anstellung in ihrem Beruf gefunden hätten.

Chroniknet