Beifall in Salzburg und Potsdam

Architektur 2006:

Zum 250. Geburtstag seines größten Sohnes hat sich Salzburg ein »Haus für Mozart« gegönnt: Wilhelm Holzbauer, ein Schüler des Architekten Clemens Holzmeister, der dort das Große Festspielhaus errichtete, hat zusammen mit dem Luxemburger Francois Valentiny dem Kleinen Festspielhaus ein neues Gesicht gegeben. Der dunkle Schlauch des Zuschauerraums wurde kräftig gekürzt, durch Verschlankung der alten Außenwände ein wenig verbreitert, vorn um vier Meter abgesenkt, mit zwei Rängen ausgestattet, farblich dezent und gestalterisch weder zu traditionell noch modernistisch eingerichtet. Während dieser Raum – auch hinsichtlich der Akustik – viel Beifall erntet, reagiert die Kritik auf die Umgestaltung des Foyers zurückhaltender. Zwar wird die Öffnung zur Stadt durch stockwerkübergreifende Fenster begrüßt, doch das klotzige Treppenhaus erscheint vielen als Fremdkörper, und die Verkleidung der gerundeten Rückwand des Auditoriums mit riesigen goldenen Lamellen und einer Glitzerdekoration aus geschliffenen Kristallen ruft wegen des unverhohlenen Kitsches Reaktionen vom Schmunzeln bis zum blanken Entsetzen hervor.

Prächtig kommt das neue Hans-Otto-Theater in Potsdam daher, das der vor allem durch seine Kirchenbauten bekanntgewordene Kölner Architekt Gottfried Böhm entworfen hat. Über einen Kitschverdacht ist das Gebäude mit drei blutrot schimmernden Dachschalen in expressiven Formen erhaben; manch ein Kritiker fühlt sich durch diese Dachlösung und die Lage am Wasser – hier die Havel und der Tiefe See – sogar an das berühmte Opernhaus von Jörn Utzorn in Sydney erinnert, auch wenn Böhm eher Assoziationen an eine Blüte denn an geblähte Segel weckt.

Chroniknet