Museum und Landschaft

Architektur 2006:

Wieder einmal ist es Paris, das mit einem spektakulären Museumsneubau die Blicke der Welt auf sich lenkt. Das Musée du Quai Branly beeindruckt in vielerlei Hinsicht. Da ist zum einen die Lage inmitten der Stadt direkt an der Seine vis-à-vis den ehrwürdigen Museumskomplexen des Palais de Chaillot und des Palais du Tokyo und mit Blick auf den Eiffelturm. Da sind zum anderen die von Jean Nouvel entworfenen insgesamt fünf Bauten, drei davon für Verwaltung, Lesesaal und Museumsshop. Das auf Stelzen gesetzte eigentliche Museumsgebäude, aus dessen leicht gekurvter Fassade die Ausstellungsboxen in unterschiedlichen Höhen, Breiten und Tiefen herauswachsen, beeindruckt ebenso wie der Rundbau für Wechselausstellungen, auf den sich weiße Sichtlamellen wie Lider herabzusenken scheinen. Da ist zum Dritten die aus verschiedenen Museen und aus Privatbesitz zusammengetragene exzellente Sammlung ethnographischer Objekte dieses »Museums der Künste und Zivilisationen«, wie es im Untertitel heißt; der Architekt hüllt die Exponate großenteils in mystisches Halbdunkel, damit einzelne, im strahlenden Licht präsentierte Skulpturen umso stärker wirken. Damit das Gesamtkunstwerk komplett ist, hat Nouvel auch die Landschaft in die Gestaltung einbezogen; heute lässt es sich nur erahnen, doch einst werden seine Bauten auf dem Museumsgelände inmitten von Regenwäldern und Savannen stehen. Einen Vorgeschmack gibt das Verwaltungsgebäude, dessen Fassade zum Quai schon jetzt von oben bis unten üppig begrünt ist.

Angesichts solcher Weltstadt-Ansprüche nehmen sich die Museumsneubauten in Deutschland eher bescheiden aus, ob das Mercedes-Museum in Untertürkheim, das Literaturmuseum der Moderne in Marbach oder das Kelten Römer Museum in Manching, eine Beton-Stahl-Glas-Schachtel mit raffiniertem Innenleben.

Chroniknet