Das ganz normale Wohnen

Wohnen und Design 2007:

Selbst in einer Zeit, in der Kinder in gestyltem Outfit auf Markenmöbeln herumtollen, in der Designer-Bettwäsche so selbstverständlich ist wie eine Designer-Tasche, in der Modehäuser wie Armani, Ralph Lauren oder Joop von der Kleidung über das Parfüm und die Sonnenbrille bis zur Wohnungseinrichtung dem Einzelnen ein Design-Ensemble anbieten, in der die Moden bei Möbeln – die unseren Großeltern noch als Anschaffungen fürs Leben galten – bald so schnelllebig sind wie bei Klamotten, gibt es natürlich immer noch eine ganz große schweigende Mehrheit, der alle Trends egal sind. Diese Menschen verstehen ihre Wohnung weder als Bühne zur Selbstdarstellung noch als ideologisches Bekenntnis, sondern umgeben sich einfach mit den Dingen, die ihnen gefallen und mit denen sie sich wohlfühlen. Oder um sie herum ist nach und nach ein vielleicht nicht ganz so ansehnliches Ambiente herangewachsen, und es fehlen ihnen das Geld oder der Schwung, sich davon zu trennen. Einige leisten bewusst Widerstand gegen die Trendsklaverei, wie der britische Publizist Trevor Naylor, der für sein Buch »living normally – where life comes before style« (Normal leben: Wo das Leben vor dem Stil kommt) »15 normale Wohnungen netter Leute« fotografiert hat, mit allen unaufgeräumten und unschönen Winkeln. Doch auch das ist offenbar schon wieder trendy: Mit der neuerdings ausgerufenen »Collage der Wohnstile«, deren Suchraster in der »eigenen Lebenswelt« zu finden sei, meinen die Design- und Trendforscher in geschraubtem Deutsch offenbar genau diese ohne erkennbaren Stilwillen gewachsene Wohnumgebung. Alles sei miteinander kombinierbar, heißt es nun, sofern sich in der Zusammenstellung nur eine persönliche Haltung ausdrücke.