Fassade aus Fernsehbildern

Architektur 2007:

Das neue Medienzentrum in der niederländischen Rundfunkstadt Hilversum, das Willem Jan Neutelings und Michiel Riedijk entworfen haben, beeindruckt vor allem durch Farbe. Von außen wirkt das Gebäude für die »Stichting Beeld en Geluid«, der das modernste Bild- und Tonarchiv Europas gehört, wie ein schlichter Quader, bei dem ein paar schräg gesetzte Säulen und kleine Vorbauten im Parterre für zarte Akzente sorgen. Der Innenhof enthüllt ein raffinierteres Raumgefüge, denn er reicht fünf Stockwerke weit unter die Erde. Dort lagern auf Ton- und Bildträgern die Schätze der Stiftung, während die Angestellten oberirdisch untergebracht sind. Der in ein geheimnisvolles Mischlicht getauchte Schacht mit Schichtungen, Vorsprüngen und Kaskaden lässt an eine Kathedrale denken. Der eigentliche Clou des Gebäudes liegt jedoch in der quietschbunten Außenhaut: Der Grafikdesigner Jaap Drupsteen hat 374 Fernseh-Standbilder, die die Höhepunkte der niederländischen TV-Geschichte zeigen, in drei Druckfarben übersetzen und diese in einem komplizierten Verfahren in Glas einbrennen lassen. So entsteht der Eindruck einer verwischten Bewegung, doch die Bilder auf der Fassade geraten eben nicht ins Laufen.