Gebäude zum reinbeissen

Architektur 2007:

Wenn es die Bezeichnung »Die Gurke« nicht schon für den Swiss-Re-Hochhausturm Fosters in London gäbe – Thom Maynes Gebäude für Paris könnte man ebenfalls so nennen. Auch die Bauten des deutschen Architekten Jürgen Mayer H., der in den letzten Jahren international Beachtung fand, wecken Assoziationen an Essbares. So erscheint dem Rezensenten Till Briegleb Mayers 2007 eröffnete Mensa der Universität Karlsruhe wie ein aufgeklappter Sandwich, bei dem sich zwischen den Brotscheiben die Honigfäden ziehen. Mayers Ausstellungshallen für den Wissenschaftspark der dänischen Firma Danfoss in Nordborg wirken in ihren Umrissen wie angebissen, sein Bürgerhaus in Ostfildern lässt in seiner beige-braunen Verkleidung an Schoko-Sahne-Torte denken, und in Sevilla überdacht Mayer einen Platz mit einer riesigen Skulptur aus Pilzen.

Angesichts solcher eher an Design gemahnenden Gebilde scheinen Fragen nach dem rechten Maßstab und der Zweckmäßigkeit von vornherein verfehlt. Ihr Schöpfer möchte allerdings nicht als Pop-Architekt missverstanden werden. Er sieht sich dem skulpturalen Bauen in seiner expressionistischen Variante verpflichtet und verweist darauf, dass er bei seinen Entwürfen neben ästhetischen auch ökologische und soziale Aspekte im Auge hat.