Kein Platz zum flanieren

Verkehr 2007:

Stiefkinder der Verkehrsplanung sind nach Ansicht von Experten derzeit vor allem die Fußgänger. Sie dürfen »in der Regel so viel Platz haben, wie ihnen die anderen Nutzungen noch lassen«, urteilt z.B. Andreas Schmidt von der Planungsgruppe Nord. Nach den Richtlinien für Anlagen des Fußgängerverkehrs von 1972 sollen Gehwege mindestens 1,50 m breit sein, doch auf dieser Breite können gerade einmal zwei Menschen einander passieren, ohne sich gegenseitig anzurempeln – und das auch nur dann, wenn sie keine Einkaufstaschen tragen. Vor einem Schaufenster oder zu einem Gespräch stehen zu bleiben, ist da fast unmöglich. Fußgängerfreundliche Konzeptionen gibt es z.B. in der Schweiz, wo seit 2002 in Wohn- und Geschäftsbereichen großflächige »Begegnungszonen« eingerichtet werden können. Hier dürfen Fußgänger den ganzen Verkehrsraum nutzen und sind in jedem Fall »vortrittsberechtigt«. Fahrzeuge müssen ein Höchsttempo von 20 km/h einhalten. Die niederländische Stadt Houten hat schon 1979 ein Konzept entworfen, das Fußgänger und Radler gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern bevorzugt. Die Stadt ist in Sektoren aufgeteilt, die nur für Fußgänger und Radfahrer durchlässig sind. Autofahrer müssen dagegen den Sektor verlassen, um auf einer Umgehungsstraße den nächsten zu erreichen. In Houten ist seither der Autoverkehr deutlich zurückgegangen.