Kritik an Schulbüchern

Bildung 2007:

Damit der Umzug von Schülern von einem Bundesland ins andere erleichtert wird, fordert Schavan außerdem bundesweit einheitliche Schulbücher. In den meisten Fächern sei eine so große Vielfalt wie derzeit nicht nötig, erklärt die Bundesbildungsministerin im Juli und löst damit einen Sturm der Entrüstung unter ihren – für diese Fragen zuständigen – Länderkolleginnen und -kollegen aus. Lediglich aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland kommt uneingeschränkte Zustimmung, Hamburg und Bremen beurteilen Schavans Vorstoß immerhin als bedenkenswert; anderswo heißt es, die Ministerin wolle offenbar einen »Einheitsbrei«, einige fühlen sich durch gemeinsame Schulbücher »an die DDR erinnert«. Das hessische Kultusministerium argumentiert, eine Monopolisierung der Schulbücher schade dem Wettbewerb der Verlage, der gerade zu einer Qualitätssteigerung bei Schulbüchern führe.

Dass es mit der Qualität nicht so weit her ist, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Sie hat sich 17 Biologie- und Geschichtsbücher vorgenommen, mit denen aktuell Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Klassenstufen sieben bis zehn in den Bundesländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen lernen. Ihr ernüchterndes Ergebnis: Drei der untersuchten Bücher erhalten im Punkt Fehlerfreiheit das Urteil »mangelhaft«, die Tester finden auf etlichen geprüften Seiten der Biologiebücher einen gravierenden Fehler. In einem Geschichtsbuch wurde z.B. der Rücktritt Erich Honeckers als DDR-Staats- und Parteichef um einen Monat vorverlegt. Die Tester konstatieren außerdem didaktische Mängel – vielfach sei der Stoff unnötig kompliziert dargestellt – und verzerrte bzw. veraltete Darstellungen. Die Schulbuchverlage weisen die pauschale Kritik zurück. Sie räumen einzelne Fehler ein, halten aber in anderen Punkten an ihren Darstellungen fest und erklären die Auffassung der Verbraucherschützer für irrig.

Auch die Stiftung Warentest fordert bundesweit einheitliche Unterrichtsmaterialien. Das Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung sieht darin jedoch den letzten Schritt: Erst nach der umfassenden Einführung von Bildungsstandards und der Angleichung von Lehrplänen zwischen den Ländern könne es weniger Schulbücher geben. Es hält eine solche Reduzierung – auf etwa ein Achtel – jedoch für sinnvoll. Allein für die drei Fächer Geschichte, Geografie und Sozialkunde/Politik gibt es 1500 aktuell zugelassene Buchausgaben. 80 Verlage sind derzeit mit der Konzeption und Produktion von Schulbüchern befasst.