Länder wollen es nicht zu zentral

Bildung 2007:

Monatelang hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan für ein bundesweites Zentralabitur getrommelt und dabei u.a. Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) erhalten, doch dann entscheiden sich die Kultusminister der Bundesländer, die allein dafür zuständig sind, auf ihrer Konferenz am 17. Oktober einstimmig gegen einheitliche Prüfungen. Stattdessen wollen sie bis 2010 bundesweite Bildungsstandards für die Oberstufe in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen einführen.

Solche Bildungsstandards gibt es bereits für das Ende der Grundschule, für den Hauptschul- und den mittleren Schulabschluss nach der zehnten Klasse. Sie geben vor, was die Schüler am Ende eines Lernabschnitts können, nicht, was sie wissen müssen. Der Unterrichtsstoff wird weiterhin in den – unterschiedlichen – Lehrplänen der Bundesländer festgelegt. Mit der Entwicklung der Standards beauftragen die Kultusminister das Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB), das der renommierte Bildungsforscher Olaf Köller leitet. Das IQB entwickelt auch Tests für die Schulen, mit denen überprüft werden soll, ob die Standards eingehalten werden. Die Länder verpflichten sich, länderübergreifende Vergleichsarbeiten in ihren Schulen schreiben zu lassen.

Allein schon durch die Einführung bundesweit getesteter Standards erhöht sich die Vergleichbarkeit des Abiturs, das meint zumindest die Mehrheit der Bildungsexperten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in der Arbeit an Bildungsstandards hingegen eine Zeit- und Geldverschwendung, da es bei der Vergleichbarkeit der Abschlüsse kein Problem gebe. Die Sorgen der Gymnasien resultierten vielmehr vor allem aus der überstürzten Verkürzung der Durchlaufzeit auf acht Jahre.

Ob in einem zweiten Schritt bundesweit zentrale Prüfungen eingeführt werden, steht in den Sternen. Ein solches Zentralabitur gibt es in den Hauptfächern mittlerweile in fast allen Bundesländern, allein Rheinland-Pfalz will auch landesintern an dezentralen Prüfungen festhalten. Die dortige Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) hat sich daher auch am vehementesten gegen ein bundesweites Zentralabitur ausgesprochen.