Retro und Hightech

Mode 2007:

Die Kollektionen der Pop-Ikonen haben Einfluss auf die Mode der Straße, vor allem aber orientieren sich die jungen Frauen daran, was ihre Stars selbst tragen. So gehören zu den »Must-Haves« Leggings, blickdicht, höchstens wadenlang und ausschließlich in Schwarz: Sie peppen weite Röcke, egal welcher Saumlänge, auf. Mit Ballerina-Schuhen ergibt das einen sehr jugendlichen Look. Und die Jugend trägt Mini und Shorts im Sommer.

Insgesamt ist die Mode auf dem Weg zu einem neuen Minimalismus. Üppiges Dekor und Ethno-Look sind Vergangenheit, doch es gibt auch keine Rückkehr zur puristischen Strenge der 1990er Jahre.

Der Rock hat Godets oder Volants um den Saum, oder er lehnt sich an die Tulpenform der frühen 1960er an. Die Jacke ist kurz und neuerdings weit à la Balenciagas Capejäckchen, mit Fledermausärmeln oder einfallsreichen Kragenlösungen, etwa einem doppelten Revers. Die Hose kommt entweder klassisch mit geraden Beinen oder eng mit Korkenzieherfalten daher. Vieles erinnert an den Modestil der frühen 1960er Jahre und wirkt entsprechend spießig oder unnatürlich damenhaft. Wickelkleider aus Jersey in psychedelischen Pucci-Mustern sind absolute Favoriten neben Wickeloberteilen aus Strick und weiten Strickjacken in O-Silhouette mit überschnittenen Schultern. Ärmel bleiben überlang – einzige Alternative: Dreiviertellänge. Das praktische Hemdblusenkleid, der funktionelle Trenchcoat gelten als Favoriten im Alltag.

Dem Retro-Look steht ein Trend zu Hightech im Modedesign gegenüber. Der Wahlbrite Hussein Chalayan meint, dass wahre Innovationen von der Technik kommen. Für die Herbst-/Winterkollektion ließ er in manche Kleider Minimotoren mit Fernsteuerung einbauen, die einem historischen Morphing dienen. Ein bodenlanges, hochgeschlossenes Kleid im Stil der Belle Epoque öffnet sich per Motor vorne wie von Geisterhand, der Saum des unteren Kleides hebt sich und das Modell mutiert zu einem kniekurzen Hängerkleidchen der 1920er Jahre. Bei einem Kleid aus Metallblättchen spreizt sich der Rock auseinander. Sehr beeindruckend ist ein breiter Hut, der mittels LED beleuchtet ist und vor Winterdepression schützen soll.

Um weniger technische Raffinesse geht es bei der Herbst-/ Winterkollektion des niederländischen Designerduos Viktor & Rolf. Die Models tragen ihre eigenen Spotlights auf übermächtigen Gestellen mit sich herum. Die durchaus tragbaren Kleider sind als Referenz an Holland gedacht, einschließlich der Muster, die an Delfter Porzellan erinnern.