Schienennetz wird saniert

Verkehr 2007:

Anfang des Jahres legt die Deutsche Bahn ein milliardenschweres Sanierungsprogramm für ihr Streckennetz auf. Weil Züge teilweise umgeleitet werden müssen oder Strecken zeitweilig nur noch eingleisig zu befahren sind, kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Insgesamt werden 5500 km Schienen gewechselt und über 2000 Weichen ausgetauscht. Grund für die umfangreichen Sanierungen und 3000 Großbaustellen sei u.a. der gestiegene Güterverkehr, der zu einem stärkeren Verschleiß der Gleise geführt habe. Weil 2006 beispielsweise der Güterverkehr auf der Schiene um 11% zugenommen habe, führen auf einigen Strecken schwerere Züge in höherem Tempo, erläutert Stefan Garber, Infrastruktur-Vorstand der Bahn. Kurz zuvor hat der Bundesrechnungshof der Bahn in einem Berichtsentwurf an den Bundestag massive Mängel vorgeworfen. Der Konzern habe 2001 bis 2005 insgesamt 1,5 Mrd. € weniger in die Instandhaltung des Netzes investiert, als notwendig gewesen wäre. Auch für die Erneuerung von Brücken seien in diesem Zeitraum 924 Mio. € zu wenig aufgewendet worden. Zudem kritisieren die Rechnungsprüfer die hohe Zahl von über 2300 sog. Langsamfahrstellen im Schienennetz. Das Netzwerk Privatbahnen, ein Zusammenschluss europäischer Güterbahnunternehmen, nennt den Zustand des Netzes sogar »katastrophal« und mutmaßt, die Deutsche Bahn habe im Zuge der geplanten Privatisierung die Instandhaltung vorsätzlich vernachlässigt, um ihre Bilanz zu schönen.

Weitere Brisanz erhält das Thema, weil sich Bund und Bahn die Ausgaben für das Schienennetz teilen. Für die Instandhaltung muss nämlich die Bahn selbst aufkommen, geht es aber um den Erhalt der Strecken, übernimmt der Bund 80% der Kosten. Die Bahn weist alle Vorwürfe zurück und teilt mit, dass sie jährlich mehr als 1,3 Mrd. € in Wartung und Inspektion der Schienenwege investiere. Hinzu kommen pro Jahr über 4 Mrd. €, die in den Ausbau des Netzes fließen. Diese Kosten trage größtenteils der Bund, da er durch das Grundgesetz zum Ausbau der Infrastruktur verpflichtet sei. Bahnreisende haben 2006 im Fernverkehr 2,5% mehr Fahrten unternommen als im Vorjahr (insgesamt 122 Mio. mit einer Durchschnittslänge von 287 km) und im Nahverkehr 2,0% (insgesamt 10,2 Mrd. von im Schnitt 9 km). Sie können nun darauf hoffen, dass auf längere Sicht die Züge wieder schneller und pünktlicher werden.