Werbung am Pranger

Werbung 2008:

Suchtexperten fordern seit längerem, die Alkoholwerbung im Fernsehen und Kino einzuschränken und im Umfeld von Sportsendungen ganz zu verbieten. Doch der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) weist dieses Ansinnen zurück: Zum einen würde sich am Gebrauchsverhalten kaum etwas ändern, zum anderen würden die Medien bei einem Werbeverbot für alkoholhaltige Angebote 557 Mio. € weniger einnehmen (Stand: 2007). Davon entfallen 64 % auf das Werbefernsehen, 27 % auf Printwerbung und 9 % auf Hörfunkwerbung. Demgegenüber beliefen sich 2007 die Werbeinvestitionen für alkoholfreie Getränke auf nur 298 Mio. €.

In Großbritannien gilt ab Jahresbeginn ein Werbeverbot für Produkte mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt im Kinderfernsehen. Mit diesem Verdikt soll die Fettleibigkeit von Jugendlichen bekämpft werden. Das Europäische Parlament fordert im September verbindliche Regeln für Reklamesendungen, um geschlechtsspezifische Diskriminierung zu unterbinden.

Die seit Jahren mit zweideutigen Slogans in die Kritik geratene Centrale Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA), die durch eine Zwangsabgabe aller Bauern finanziert wird, will sich künftig zügeln. Statt mit provokanten Aussagen (»Ich liebe schöne Schenkel«, »Ich steh auf Milch, Bubis«) zu werben, sollen künftige Kampagnen darauf abzielen, den Verbrauchern die Kompetenz der Erzeuger und Verarbeiter von Agrarprodukten deutlich zu machen.

Der Deutsche Werberat beanstandete 2007 82 Kampagnen, die aus Sicht des Selbstkontrollgremiums die Grenzen des guten Geschmacks überschritten hatten. In drei Fällen wurden Firmen öffentlich gerügt, weil in ihren Werbemotiven Frauen zu Sexualobjekten degradiert waren. Anlass zur Kritik gab auch die übermäßige Verwendung des Begriffs »Öko«. Dazu die Meinung des Gremiums: »Umweltargumente in der kommerziellen Werbung müssen nachvollziehbar sein, damit sie nicht als manipulative Trickserei missverstanden werden.« Im ersten Halbjahr 2008 nimmt der Werberat an 30 Werbemotiven Anstoß.

Provokativ, aber für einen guten Zweck präsentiert sich eine von Scholz & Friends gestaltete Kampagne des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). Die Anzeigen konfrontieren die Autofahrer mit fiktiven Todesanzeigen und fordern dann »Runter vom Gas!« Die meisten tödlichen Unfälle in Deutschland passieren bei überhöhter Geschwindigkeit.