Ausgeklügelte Bühnentechnik

Ausgeklügelte Bühnentechnik
Das Foto zeigt das am 1. März 2009 eröffnete Haus für Musik und Musiktheater (MUMUTH) der Kunstuniversität Graz in Veranstaltungsbeleuchtung. By KUG/Alexander Wenzel (Kunstuniversität Graz) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Architektur 2009:

Beim Haus für Musik und Musiktheater (MUMUTH) im österreichischen Graz hat der niederländische Architekt Ben van Berkel die Glasfassaden mit einem metallischen, von Lichterketten durchsetzten Netzwerk umgeben. Erst bei Nacht erstrahlt diese Außenhaut in vielerlei Farben und gibt zugleich den Blick auf die raffinierte Innenkonstruktion frei: Treppen und Gänge im Foyerbereich fügen sich zu einer gewaltigen liegenden Spirale – Anklänge an einen Violinschlüssel liegen auf der Hand. Der Konzertsaal mit 450 Plätzen erweist sich als erstaunlich variabel: Computergesteuerte Hubpodien, die beinahe den gesamten Raum füllen, erlauben es, ihn im Handumdrehen mal als Arena, mal mit einer konventionellen Bühne, mal als völlig ebenen Raum zu gestalten. Auch die Akustik des Saals ist einstellbar. Die bis zu 15 cm dicke Mehrschicht-Plattenkonstruktion vor den Betonwänden schafft eine Grundakustik mit wenig Nachhall, die aber mit einem raffinierten Soundsystem ohne große Umbauten auf die unterschiedlichen Anforderungen von Kammermusik und sinfonischen Konzerten angepasst werden kann.

Beim Koncerthus, das der Franzose Jean Nouvel in Kopenhagen für den Dänischen Rundfunk entworfen hat, hängt ein gewaltiger Akustikschirm über der Bühne, der eine ähnliche Klangregulierung erlaubt. Mit den ansteigenden Rängen rund um das Orchesterpodium und den asymmetrisch angeordneten Terrassen zitiert der Architekt Hans Scharouns Berliner Philharmonie. Auch hier lässt sich die Betonkonstruktion des Saales bei Dunkelheit von außen erahnen: Das würfelförmige Außengerüst ist von einer blauen Glasfiberplane umhüllt, auf der dann als Lichtprojektion das Innere des Baus erscheint.

Eine leere, quadratische, von Glaswänden umgebene Halle, das ist in seiner Grundkonfiguration das Wily Theater in Dallas (Texas), das Rem Koolhaas entworfen hat. Doch welche Verwandlungsmöglichkeiten bietet es den Nutzern: Die Verdunklungen lassen sich nach Bedarf öffnen und schließen, Balkone und Ränge lassen sich schwenken oder mittels Hydraulik unter die Decke heben. Auch bei diesem Theater lässt sich eine konventionelle Situation mit der Bühne an der Stirnseite schaffen, diese kann aber auch, wie bei einer Modenschau, in den Raum hineinragen oder in die Mitte verlagert werden.