Neu- und Wiederentdeckungen

Neu- und Wiederentdeckungen
paul goyette / Foter / CC BY-NC-SA

Ernährung, Essen und Trinken 2009:

Es gibt Essgewohnheiten, die sich im Laufe der Jahre allmählich ändern – z.B. dass in Deutschland immer mehr Fisch gegessen und immer weniger Bier getrunken wird –, aber es gibt auch kurzfristige Trends und echte Neuheiten bei der Ernährung. Mit ein wenig Verspätung haben z.B. die aus der US-amerikanischen TV-Serie »Sex and the City« bekannten Cupcakes Eingang ins Sortiment mancher deutscher Konditoreien und Cafés gefunden. Diese »Tassenkuchen« gleichen einem Muffin, haben aber dazu ein Topping aus Fruchtpüree und Frischkäse sowie eine bunte Fantasiedekoration. Um den deutschen Gaumengewohnheiten entgegenzukommen, werden sie hierzulande mit weniger Fett und Zucker gebacken als in den USA.

Nicht wirklich neu sind die kleinen, runden, flachen Weinbergpfirsiche, die 2009 die Regale der Supermärkte im Sturm erobern. In Großbritannien werden sie wegen ihrer Form »Donut peach« genannt, der deutsche Name für diese kleine, fruchtige Pfirsichsorte spielt darauf an, dass sie früher in Weinanbaugebieten als Schattenspender und zur Ausbalancierung des Ökosystems gepflanzt wurde. Die nun überall erhältlichen Pfirsiche sind eine markttaugliche, in großem Stil in Frankreich und Italien angebaute Züchtung des alten Gewächses. Wenn sie nicht zu früh geerntet und nicht zu lange gelagert werden, sind Weinbergpfirsiche saftig und aromatischer als die gewöhnlichen Pfirsiche, zu früh gepflückt schmecken sie hingegen fade und wässrig.

Pfingstveilchen, Tellerkraut, Zwerg-Sauerampfer, Wiesenmargerite, Löwenzahn und Rübsen – diese im Überfluss in der Natur vorhandenen, kostenlosen, geschmacklich vielfältigen und, in Maßen genossen, sehr gesunden Wildkräuter erleben dank entsprechender Kochbücher und Zeitschriftenrezepte ein großes Comeback. Der moderne Mensch braucht Anleitung, um sie richtig genießen zu können. Das Wissen unserer Altvorderen über geschmackliche Eigenschaften und den richtigen Erntezeitpunkt ist in Vergessenheit geraten. Dass Sauerampfer säuerlich schmeckt, liegt auf der Hand, aber wer weiß schon um die scharfe Note von Rübsen und die süßliche der Wiesenmargerite? Bei Verwechslung mit einer Giftpflanze drohen sogar tödliche Gefahren.