Spiel mit Innen und Aussen

Spiel mit Innen und Aussen
Dornier-Museum bei Nacht. By Stefan-Xp (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Architektur 2009:

Auch bei öffentlichen Bauten ist Transparenz gefragt. Das Dornier-Museum am Bodensee der Münchner Architekten Allmann Sattler Wappler z.B. erinnert im Grundriss an einen Hangar und gestaltet den Übergang zwischen innen und außen durch vom Boden bis zum Dach reichende Glaswände so unaufdringlich, dass sich die Assoziation an die scheinbare Leichtigkeit und Immaterialität des Fliegens unmittelbar aufdrängt – der Bau hebt förmlich ab.

Das Emil-Schumacher-Museum in Hagen, mit dem die Geburtsstadt des Künstlers eine Heimstatt für sein Werk schafft, besitzt eine frei stehende Glashülle. Doch der Ersteindruck der Transparenz täuscht hier, denn bei diesem Entwurf des Mannheimer Architekturbüros Lindemann prallt der Blick einen Meter hinter dem Glas auf Betongrau. Was im Innern des Gebäudes zu sehen ist, lässt sich von außen jedenfalls nicht erahnen. Für die Präsentation der Arbeiten von Emil Schumacher, einem bedeutenden Vertreter der informellen Malerei, erweist sich die Tageslichtdecke allerdings als ganz großes Plus.

Der preisgekrönte Entwurf des deutschen Architekten Chris­toph Ingenhoven für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, der voraussichtlich 2011 verwirklicht werden soll, sieht unter einem gemeinsamen schmalen, recht­eckigen Dach drei mehrgeschossige, linsenförmige Gerichtssäle vor, deren gläserne Fassaden hinter einer Lamellenkonstruktion verborgen sind. So wirkt der Komplex von außen einladend und offen, obwohl in den – tatsächlich vollständig abgeschirmten – Gerichtssälen die schrecklichsten Verbrechen verhandelt werden sollen. Der Architekt Ingenhoven gehört übrigens zu denjenigen, die in aller Öffentlichkeit ein »Bauen für Despoten« – sei es am Persischen Golf, in China oder Afrika – ablehnen.

Das neue Mariinsky-Theater in Sankt Petersburg, geplant von den kanadischen Architekten Diamond and Schmitt als zweites Haus für die berühmte Opernbühne an der Newa, will nicht auftrumpfen, sondern sich in das Petersburger Stadtbild, ein harmonisches Ensemble, einfügen. Es gibt sich eher traditionell als avantgardistisch und öffnet sich zum bestehenden Bau mit gläsernen Fassaden.