Nuklearkatastrophe von Fukushima

Wissenschaft und Technik 2011:

Am frühen Nachmittag des 9. März 2011 ereignet sich eines der stärksten Erdbeben in der Geschichte des Landes nahe der Küste der Provinz Fukushima. Die Katastrophe fordert Menschenleben und zerstört oder beschädigt unzählige Gebäude. Aufgrund einer massiven Flutwelle verliert Betreiber TEPCO die Kontrolle über das Kernkraftwerk Fukushima I. Es kommt zu einer Reihe von Explosionen. Der Ausfall der Kühlungssysteme leitet trotz rascher Rettungsbemühungen die Havarie in Reaktor 3 ein. Der erste Super-GAU nach Tschernobyl verseucht weite Landesteile mit Radioaktivität und zwingt Menschen zur Flucht in weniger verstrahltes Gelände.

Aufbau eines Reaktorgebäudes mit Mark-I-Sicherheits­behälter. By NRC (http://www.nrc.gov/reactors/generic-bwr.pdf) [Public domain], via Wikimedia Commons

Aufbau eines Reaktorgebäudes mit Mark-I-Sicherheits­behälter. By NRC (http://www.nrc.gov/reactors/generic-bwr.pdf) [Public domain], via Wikimedia Commons

Unerwartete Umweltkatastrophe überfordert Japaner

Nach anfänglichen Beschwichtigungsversuchen seitens der zuständigen Behörden eskaliert die Situation: Kühlaggregate und Wasserpumpen Versagen, die Einrichtungen für Notstromzufuhr fällt aus. Radioaktives Material wird durch den Druck mehrerer Explosionen in den Himmel geschleudert und von den eindringenden Wassermassen in die direkte Umgebung getragen. Aufgrund fehlender Pläne für die Bekämpfung einer simultanen Beschädigung von mehreren Reaktoren improvisieren die Behörden. Feuerwehreinheiten greifen zur Bändigung der aufgeheizten Reaktoren auf salziges Meereswasser zurück. Kontaminierte Wolken aus Wasserdampf schweben über dem Kernkraftwerk, zurückgebliebene Wassermengen versickern im Erdreich oder werden aufgrund begrenzter Auffangbehälter in das Meer umgeleitet. Wegen starker Sicherheitsbedenken folgen unmittelbar wirtschaftliche Konsequenzen. Nahrungsmittel aus der Region dürfen nicht mehr in Umlauf gebracht werden. Im April korrigiert die japanische Regierung ihre Einschätzung des Unfalls und ordnet die Nuklearkatastrophe der höchsten Stufe 7 zu. Die schwierige und kaum beherrschbare Situation veranlasst im Mai den Chef des Kraftwerkunternehmens TEPCO zum Rücktritt von all seinen Ämtern. Erst zwei Monate nach dem Vorfall setzt die Regierung medizinische Untersuchungen an den zurückgebliebenen Menschen der Katastrophenregion an. Die Unterbringung der zahlreichen Obdachlosen durch die Naturkatastrophe erweist sich als Mammutaufgabe. Aus der Evakuierungszone im Umkreis von 20 Km des Kraftwerkes befinden sich 130000 Menschen auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Messungen ergeben Strahlungswerte von teils 10 Sievert pro Stunde noch Monate nach dem Unglück. Bundespräsident Christian Wulff sagt auf einem Besuch der Krisenregion im Oktober 2011 zusätzliche Unterstützung von deutscher Seite zur Katastrophenbewältigung zu. Gegen Ende des Jahres leben immer noch tausende Menschen in Notunterkünften. Ein milliardenschweres Hilfsprogramm der japanischen Regierung soll den Wiederaufbau und die Entschädigung der Hinterbliebenen vorantreiben.

Nuklearkatastrophe bewegt deutsche Energiepolitik zum Richtungswechsel

Die erschreckenden Bilder aus Japan beschleunigt in Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie. Nur ein Jahr nach dem Beschluss zur Verlängerung von Atomkraftwerkslaufzeiten beschließt die Regierungskoalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Neuausrichtung der deutschen Energiewirtschaft. Unter der Bezeichnung als Energiewende stehen von nun an vermehrt regenerative Energielieferanten im Fokus. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl, Erdgas und der Atomenergie soll sich in den kommenden Jahrzehnten spürbar reduzieren. Sofortmaßnahmen beinhalten die Trennung der sieben ältesten Kraftwerksanlagen vom Netz während einer Generalüberprüfung aller Atomanlagen auf deutschem Boden und die Errichtung neuer Windräder zu Lande und in Offshore-Parks. Ökologische Konzepte zur Gewinnung von Sonnen und Bio-Energie sowie Wasserkraft erhalten seitdem verstärkt finanzielle Zuwendung. Eine erhöhte Energieeffizienz durch neue Umweltauflagen soll zusätzlich den Bedarf an atomarem Stromquellen herabsetzen. Als Folge der staatlichen Subventionierung von Ökostromproduzenten steigen die Strompreise. Eine feste Einspeisevergütung in Form der EEG-Umlage zum Jahresbeginn 2012 fördert dabei die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Bis zum Jahr 2050 sieht das Programm eine Abdeckung der benötigten Energie im deutschen Raum von 80 % durch regenerative Quellen vor.