Tōhoku-Erdbeben

Politik und Gesellschaft 2011:

Der Tsunami richtete verheerende Verwüstungen in küstennahen Bereichen an (hier in Ōfunato in der Präfektur Iwate auf Honshū). By U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 1st Class Matthew M. Bradley [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Tsunami richtete verheerende Verwüstungen in küstennahen Bereichen an (hier in Ōfunato in der Präfektur Iwate auf Honshū). By U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 1st Class Matthew M. Bradley [Public domain], via Wikimedia Commons

Am 11. März 2011 um 14:16 Uhr Ortszeit ereignet sich einer der größten, gemessenen Katastrophen in der Geschichte Japans. Ein Erdbeben mit Epizentrum in der Tōhoku-Region nahe der japanischen Ostküste löst Katastrophenalarm aus. In den aufeinanderfolgenden Ereignissen verursachen die Erdbewegungen schwere Schäden an Infrastruktur und Gebäuden. Der Wert 9.0 auf der Momenten-Magnituden-Skala gilt als neuer Rekord seit Anbeginn der Aufzeichnungen. Trotz der Gewohnheit vieler Japaner gegenüber regelmäßig vorkommenden Erdbeben, trifft die Zerstörungskraft dieses Naturereignisses das Land mit völlig unerwarteter Wucht. Selbst in der mit 370 km deutlich weiter entfernten, japanischen Hauptstadt Tokyo vernehmen Menschen einzelne Bebenstöße. Die kurze Distanz zum Festland von nur 70 km legt das Fundament für eine der schlimmsten Nuklearkatastrophen auf der Welt. Ein über 10 Meter hoher Tsunami überrollt als Folge des Ursprungs auf hoher See die Küstenregion auf einer Fläche von 470 km². Im südlicheren Teil der Krisenregion überschwemmen die Wassermassen teile der Präfektur von Fukushima. Elektrische Versorgungssysteme brechen zusammen und örtliche
Satellitenfoto der Reaktorblöcke 1 bis 4 (von rechts nach links) am 16. März 2011 nach mehreren Explosionen und Bränden. By Digital Globe [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Satellitenfoto der Reaktorblöcke 1 bis 4 (von rechts nach links) am 16. März 2011 nach mehreren Explosionen und Bränden. By Digital Globe [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Atomkraftwerke erleiden schwere Schäden. Trotz verzweifelter Rettungsaktionen kommt es schließlich in mehreren Reaktoren zur gefürchteten Kernschmelze. Die freigesetzte Radioaktivität verseucht große Wassermengen und wird aufgrund mehrerer Explosionen in die umgebenden Landesstriche verteilt. Wegen der dramatischen Kombination von Erdbeben, dem daraus resultierendem Tsunami sowie dem Super-GAU bezeichnen Japaner das Ereignis als Dreifachkatastrophe.

Wirtschaftliche und humanitäre Folgen mit kolossalen Ausmaßen

Zwar funktionieren entsprechende Warnsysteme vor der sich anbahnenden Flutwelle, die tatsächliche Gefahr der Katastrophe wird jedoch von den zuständigen Behörden unterschätzt. Diese geht irrtümlich von einer maximal 6 Meter hohen Welle in wenigen Ausnahmefällen aus. Durch diese Fehleinschätzung werden nicht nur große Teile des Landes verwüstet. Auch knapp 30 km unter der Wasseroberfläche entstehen zahlreiche Schäden an verlegten Datenkabeln für die digitale Vernetzung mit der restlichen Welt. Durch unbrauchbare Industrieanlagen und die mangelnde Energieversorgung verzeichnet Japan einen starken Rückgang seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Allen voran leidet die Autoindustrie unter enormen Absatzverlusten. Gleichzeitig gelten Waren und Bauteile jeder erdenklichen Art als potenziell radioaktiv belastet und lassen sich deshalb nicht mehr in Umlauf bringen. Über 400000 Bauten stürzen bis zum Ende des Bebens teilweise oder vollständig ein, ganze 670000 Konstruktionen sind im Anschluss sanierungsbedürftig. Auf ganze 220 Milliarden Euro wird der wirtschaftliche Gesamtschaden beziffert. Gleichzeitig gibt es 16000 Todesopfer zu beklagen. Eine halbe Million Menschen verlieren dauerhaft ihre Heimat und befinden sich auf der Flucht. Auf der politischen Bühne liefert die fatale Kettenreaktion des Bebens bald Anstoß für kontroverse Diskussionen über die Sicherheit der Atomenergie. Deutschland nimmt die Nuklearkatastrophe zum Anlass, die Abschaltung von Kernkraftwerken vorzuverlegen und eine Energiewende hinzu erneuerbaren Energieträgern zu vollziehen.