1

Freitag, 1.11.1918

Aufstand der Matrosen und Heizer

Deutsches Reich, Wilhelmshaven: In Wilhelmshaven bricht eine Meuterei der Soldaten der deutschen Hochseeflotte aus. Vor wenigen Tagen war in Zusammenhang mit der Aufgabe des unbeschränkten U-Boot-Krieges der Befehl zu einer Großoffensive der deutschen Flotte ergangen, nach dem diese über zwei Jahre nicht in den Krieg involviert war.


Der Parteitag der Sozialdemokraten in Wien fordert die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie.


Karl I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, entbindet die ungarische Regierung ihres Treueeids.


Während einer Massenversammlung vor dem Deutschmeisterdenkmal in Wien gründen der Journalist Egon Erwin Kisch und der Linksradikale Leo Rothziegel die Rote Garde. Auch der Dichter Franz Werfel bekennt sich in einer Rede zu den Rotgardisten.


Im Kriegshafen Pula gelingt italienischen Offizieren die Versenkung des k.u.k. Schlachtschiffes "Viribus Unitis". Die ehemalige k.u.k. Flotte wird daraufhin nach Korfu verlegt und unter den Alliierten aufgeteilt.


Provinz Brandenburg, Preußen, Briesen (Mark): Beim Eisenbahnunfall von Briesen fährt ein Militärurlauberzug östlich des Bahnhofs Briesen auf Güterwagen, die nach einer Zugtrennung auf der Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Berlin stehen geblieben sind. Mindestens 19 Menschen sterben.


2

Samstag, 2.11.1918

Der linke Flügel der unabhängigen Sozialdemokraten, die "Revolutionären Obleute", beschließt die Vorbereitung eines Generalstreiks, der am 11. November beginnen soll.


Der österreichisch-ungarische Außenminister, Julius Graf Andrassy d. Jüngere, tritt zurück.


3

Sonntag, 3.11.1918

Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und den Alliierten

Italien, Padua: In der Villa Giusti bei Padua wird der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und der Entente unterzeichnet.


Der polnische Nationalrat proklamiert in Warschau die unabhängige Republik Polen.


Die Kommunistische Partei Deutsch-Österreichs wird in Wien gegründet.


4

Montag, 4.11.1918

Matrosenaufstand

In Kiel übernimmt der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht. Gustav Noske, von der Regierung entsandt, wird zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates gewählt. Die Soldaten strömen daraufhin in die deutschen Großstädte und weiten den Aufstand aus.


Der Vorstand der SPD fordert die Arbeiter auf, keinesfalls den anonymen Streikaufrufen Folge zu leisten, die zur Zeit massenhaft in den Betrieben kursieren.


Drei Tage nach Erscheinen ist das Buch des Publizisten Maximilian Harden "Das Recht soll siegen" mit 20 000 Exemplaren vergriffen.


Rheinprovinz, Preußen, Bous (Saar): Beim Eisenbahnunfall von Bous (Saar) kommt es in einem Reisezug zwischen Völklingen und Bous zu einer Explosion und einem Brand. Dabei sterben 14 Menschen, 13 weitere werden verletzt.


5

Dienstag, 5.11.1918

Das Deutsche Reich bricht Beziehungen zu Sowjetrussland ab

Das Deutsche Reich bricht die diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrussland ab. Alle russischen Diplomaten werden ausgewiesen. Anlaß ist der Fund von antideutschem Propagandamaterial beim Berliner Kurier der sowjetrussischen Botschaft.


In seiner letzten Antwortnote an die Regierung des Deutschen Reiches stimmt US-Präsident Thomas Woodrow Wilson Gesprächen zwischen einer deutschen Waffenstillstandskommission und General Ferdinand Foch zu.


Hamburger Soldaten und Arbeiter rufen auf einer gemeinsamen Veranstaltung den Generalstreik aus.


6

Mittwoch, 6.11.1918

Rumänische Truppen rücken in die Bukowina ein, die bislang von russischen Verbänden besetzt gehalten wurde.


Die Bremer Bürgerschaft beschließt, das allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht einzuführen. Frauen dürfen nach wie vor allerdings nicht wählen.


7

Donnerstag, 7.11.1918

Eisner ruft die bayerische Volksrepublik aus

In München wird die Wittelsbacher Monarchie gestürzt. Kurt Eisner ruft die bayerische Volksrepublik aus. König Ludwig III. von Bayern flieht aus der Stadt.


Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands stellt ein Ultimatum an Reichskanzler Prinz Max von Baden. Es wird mit Austritt der SPD-Fraktion aus der Regierung gedroht, falls nicht Kaiser Wilhelm II. bis zum 8. November abdankt, sein Nachfolger auf den Thron verzichtet und die preußische Regierung im Sinne der Reichstagsmehrheit umgestaltet wird.


Die Arbeiter- und Soldatenräte bilden in Kiel paritätisch je zur Hälfte mit Arbeitern und Unternehmern besetzte Demobilisierungsausschüsse, die eine wirtschaftliche Umgestaltung für die Zeit nach dem Friedensschluß vorbereiten sollen.


Im musikdramatischen Theater von Petrograd (Leningrad) wird das Drama "Mysterium Buffo" von Wladimir W. Majakowski uraufgeführt.


8

Freitag, 8.11.1918

Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen in Compiègne

Die von dem Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger geführte deutsche Kommission nimmt in Compiègne Friedensverhandlungen mit dem Beauftragten der Entente, General Ferdinand Foch, auf.


Rumänien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg.


Der Freistaat Bayern wird ausgerufen

München: Kurt Eisner, Schriftsteller und Journalist, Gründungsmitglied der USPD, ruft Bayern als Volksstaat bzw. Freistaat aus, den Freien Volksstaat Bayern.


Die Regierung der Schweiz bricht die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetrepublik ab.


König Ludwig III. von Bayern erklärt seinen Thronverzicht.


Ernst August, Herzog von Braunschweig, erklärt seinen Thronverzicht.


In Berlin wird der Stummfilm "Jettchen Gebert" unter der Regie von Richard Oswald uraufgeführt.


Pola Negri spielt in dem Film "Mania" ihre erste Rolle bei der Union Berlin.


9

Samstag, 9.11.1918

Ausrufung der Republik - Beginn der Weimarer Republik

In Berlin wird vom Reichstag aus die deutsche Republik durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann proklamiert. Diese Epoche löste die konstitutionelle Monarchie der Kaiserzeit ab und begann mit der Ausrufung der Republik. Sie endete mit der Machtübernahme der NSDAP infolge der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Die Ausrufung der Republik in Deutschland

Philipp Scheidemann ruft am 9. November 1918 vom Reichstagsgebäude die Republik aus. Die Echtheit der Aufnahme ist umstritten.

Die Ausrufung der Republik in Deutschland©
Philipp Scheidemann ruft am 9. November 1918 vom Reichstagsgebäude die Republik aus. Die Echtheit der Aufnahme ist umstritten.

Karl Liebknecht ruft in Berlin vor dem königlichen Schloss die Räterepublik aus.


Generalstreik in Berlin

In Berlin wird der Generalstreik ausgerufen, dem sich rasch auch Truppenteile anschließen.

Beginn des Generalstreiks in Berlin

Demonstration auf der Straße Unter den Linden und Beginn des Generalstreiks

Beginn des Generalstreiks in Berlin©
Demonstration auf der Straße Unter den Linden und Beginn des Generalstreiks

Abdankung Wilhelms II.

Wilhelm II. erklärt seine Abdankung als deutscher Kaiser, nicht aber als König von Preußen.


Der ehemalige "Berliner Lokalanzeiger" erscheint erstmals unter dem Titel "Die Rote Fahne" als Zentralorgan des Spartakusbundes.


Das 450. Tausend erscheint von Johanna Spyris Kinderbüchern "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und "Heidi kann brauchen, was es gelernt hat".


10

Sonntag, 10.11.1918

Wilhelm II. geht ins Exil

Wilhelm II. verlässt das Deutsche Reich und geht ins Exil in die Niederlande.

Wilhelm II. geht ins Exil in die Niederlande

10. November 1918: Wilhelm II. verabschiedet sich am belgisch-niederländischen Grenzübergang Eysden von seinem Gefolge.

Wilhelm II. geht ins Exil in die Niederlande©
10. November 1918: Wilhelm II. verabschiedet sich am belgisch-niederländischen Grenzübergang Eysden von seinem Gefolge.

Die deutsche Oberste Heeresleitung nimmt Stellung zu den Auswirkungen der Revolution auf das deutsche Heer. Die OHL will den Reichskanzler Friedrich Ebert unterstützen, um "die Ausbreitung des terroristischen Bolschewismus in Deutschland" zu verhindern.


„Rat der Volksbeauftragten“ übernimmt die Regierungsgeschäfte

Die USPD gibt in ihrer Antwortnote an den Vorstand der SPD ihre Bedingungen für einen Eintritt in die neuzubildende Regierung bekannt. Sie werden noch am gleichen Tag vom SPD-Vorstand anerkannt. Ein sechsköpfiger "Rat der Volksbeauftragten" aus je drei SPD- und USPD-Mitgliedern übernimmt daraufhin die Regierung.


Unter Vorsitz von Emil Barth (Mitglied der Revolutionären Obleute) versammeln sich im Berliner Zirkus Busch die Berliner Arbeiter- und Soldatenräte. Als Kontrollorgan der revolutionären Regierung konstituiert sich ein Vollzugsrat aus Arbeitern, Soldaten, SPD- und USPD-Mitgliedern.


In Berlin bildet sich der Rat geistiger Arbeiter, der für die politischen Ideale der sozialistischen Republik eintreten will.


Rumänien: Rumänien tritt erneut in den Krieg auf Seiten der alliierten Streitkräfte ein, mit ähnlichen Zielen wie 1916. König Ferdinand fordert die Mobilisierung der rumänischen Armee und befiehlt ihr, über die Karpaten nach Siebenbürgen anzugreifen. Die in Moldawien stationierten 1. Vânători- und 7. und 8. Infanteriedivisionen sind die ersten Einheiten, die mobilisiert werden. Der 8. wird in die Bukowina geschickt, und die anderen beiden werden nach Siebenbürgen geschickt.


11

Montag, 11.11.1918

Ende des 1. Weltkriegs - Waffenstillstand von Compiègne

Frankreich, Compiègne: Zwischen den alliierten Mächten und dem Deutschen Reich wird der Waffenstillstandsvertrag im Wald von Compiègne von dem Franzosen Marschall Ferdinand Foch und dem Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger unterzeichnet. (Erster Weltkrieg: 28. Juli 1914 bis 11. November 1918)

Waffenstillstandsvertrag im Wald von Compiègne

11. November 1918: Das Waffenstillstandsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien beendete die Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg. Verabschiedung nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens in einem Eisenbahn-Salonwagen im Wald von Compiègne. Von links nach rechts sind folgende Personen zu sehen: Ernst Vanselow (Deutscher Admiral) Graf Alfred von Oberndorff (1870–1963) (Deutsches Auswärtiges Amt) Detlof von Winterfeldt (Deutscher General) Jack Marriott (Kapitän der britischen Royal Navy, Marineassistent des Ersten Seelords) Matthias Erzberger (1875–1921) (Leiter der deutschen Delegation, Staatssekretär, Zentrum, Mitglied des Reichstags) wurde später von rechten Freikorps-Rechten für seine Rolle im Waffenstillstand ermordet George Hope (Britische Rear-Admiral, Stellvertreter des Erster Seelords) Rosslyn Wemyss (Britischer Flottenadmiral, Erster Seelord) Ferdinand Foch (1851–1929) (Marschall von Frankreich) Maxime Weygand (1867–1965) (Französischer General).

Waffenstillstandsvertrag im Wald von Compiègne©
11. November 1918: Das Waffenstillstandsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien beendete die Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg. Verabschiedung nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens in einem Eisenbahn-Salonwagen im Wald von Compiègne. Von links nach rechts sind folgende Personen zu sehen: Ernst Vanselow (Deutscher Admiral) Graf Alfred von Oberndorff (1870–1963) (Deutsches Auswärtiges Amt) Detlof von Winterfeldt (Deutscher General) Jack Marriott (Kapitän der britischen Royal Navy, Marineassistent des Ersten Seelords) Matthias Erzberger (1875–1921) (Leiter der deutschen Delegation, Staatssekretär, Zentrum, Mitglied des Reichstags) wurde später von rechten Freikorps-Rechten für seine Rolle im Waffenstillstand ermordet George Hope (Britische Rear-Admiral, Stellvertreter des Erster Seelords) Rosslyn Wemyss (Britischer Flottenadmiral, Erster Seelord) Ferdinand Foch (1851–1929) (Marschall von Frankreich) Maxime Weygand (1867–1965) (Französischer General).

Kaiser Karl I. von Österreich verzichtet offiziell auf die Regierungsgewalt. Gleichzeitig tritt die letzte kaiserliche Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Lammasch zurück.


Der Staatsrat von Deutsch-Österreich erklärt die Republik Österreich zum Bestandteil der deutschen Republik.


12

Dienstag, 12.11.1918

In Wien wird die Errichtung der Republik "Deutsch-Österreich" durch Franz Dinghofer verkündet.

Ausrufung der Republik in Wien

Nach Beschluss der Provisorischen Nationalversammlung wird in Wien die Republik ausgerufen. (Bild: Blick auf die Parlamentsrampe in Wien)

Ausrufung der Republik in Wien©
Nach Beschluss der Provisorischen Nationalversammlung wird in Wien die Republik ausgerufen. (Bild: Blick auf die Parlamentsrampe in Wien)

In Berlin tritt erstmals die revolutionäre preußische Regierung unter der Kontrolle der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen. Einer der ersten Beschlüsse ist die Beschlagnahmung des gesamten Vermögens des Königshauses.


Die Volksbeauftragten der deutschen Republik verkünden ihr Regierungsprogramm. Erstmals sollen sich Frauen auch an Wahlen zur Nationalversammlung beteiligen können.


In allen Betrieben Groß-Berlins wird der Generalstreik beendet.


In Regensburg wird die Bayerische Volkspartei gegründet.


13

Mittwoch, 13.11.1918

Die Sowjetregierung annulliert den Vertrag von Brest-Litowsk und lässt die Rote Armee in von Deutschen besetzte Gebiete einmarschieren.


König Ludwig III. von Bayern legt die Regierung nieder und entbindet alle Offiziere und Beamte von ihrem Treueeid.


In Magdeburg entwirft der Fabrikant Franz Seldte den Organisationsplan des reaktionären Frontkämpferbundes "Der Stahlhelm".


In Preußen tritt die Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge in Kraft, die erstmals das Recht auf Arbeit festschreibt.


Rumänische Truppen marschieren mit der 7. Infanteriedivision am Fluss Prisăcani in den Ostkarpaten in Siebenbürgen ein. Mit der 1. Infanteriedivision marschieren die Truppen in Palanca, Bacău, in Siebenbürgen ein.


14

Donnerstag, 14.11.1918

In Prag wird die Tschechoslowakische Republik ausgerufen. Erster Präsident wird Tomá Garrigue Masaryk.


Der Anfang November aus deutscher Festungshaft entlassene Jósef Klemens Pilsudski übernimmt in Warschau aus den Händen des Regentschaftsrates die politische Macht.


Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland, London: Die britische Regierung in London beschließt die Anerkennung der antibolschewistischen Regierung des weißgardistischen Generals Alexandr W. Koltschak und die Unterstützung des ebenfalls gegen die sowjetische Regierung kämpfenden Generals Anton I. Denikin.


Die Berliner Theater eröffnen wieder. Gegeben werden "Nathan der Weise" von Gotthold E. Lessing und die "Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner.


15

Freitag, 15.11.1918

Britisch-französische Truppenverbände laufen im Schwarzen Meer ein, um die weißrussischen Garden gegen die Bolschewiki zu unterstützen.


Als Parteiorgan der USPD erscheint in Berlin erstmals "Die Freiheit". Leitender Redakteur ist Rudolf Hilferding.


Deutsche Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände beschließen die Gründung einer Zentralen Arbeitsgemeinschaft, in der sofort die Einführung des Achtstundentages beschlossen wird.


In einer Verordnung über die Neuordnung des Geschichtsunterrichtes schreibt die preußische Regierung vor, dass in Zukunft "keine abfälligen Bemerkungen über Entstehung und Folgen der Revolution gemacht werden dürfen".


16

Samstag, 16.11.1918

Der neue ungarische Ministerpräsident Mihály Graf Károlyi von Nágykarolyi ruft in Budapest die ungarische Republik aus.

Károlyi spricht am 16. November 1918

16. November 1918, Budapest, Ungarn: Ministerpräsident Károlyi spricht von der Parlamentstreppe aus zur Menge, kurz nach der Bildung der neuen Revolutionsregierung,. (Károlyi unter dem X auf dem Bild.)

Károlyi spricht am 16. November 1918©
16. November 1918, Budapest, Ungarn: Ministerpräsident Károlyi spricht von der Parlamentstreppe aus zur Menge, kurz nach der Bildung der neuen Revolutionsregierung,. (Károlyi unter dem X auf dem Bild.)

Ein Aufruf zur Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) als Sammelbecken für den deutschen Liberalismus erscheint.


Im Stadttheater Nürnberg wird das Drama "Der Brand im Opernhaus" von Georg Kaiser uraufgeführt.


Der naturalistische deutsche Schriftsteller Gerhart Hauptmann veröffentlicht ein politisches "Manifest der Künstler und Dichter", in dem er sich positiv zur demokratischen Revolution äußert.


17

Sonntag, 17.11.1918

Einen Skandal löst in Berlin der selbsternannte "Oberdada" Johannes Baader aus, als er während des Gottesdienstes im Dom auf die rhetorische Predigerfrage "Was ist uns Jesus Christus?" ruft: "Christus ist Euch wurscht!"


Lettland: Die erste gesetzgebende Institution Lettlands, der Volksrat (Tautas Padome) und die provisorische Regierung werden gegründet. Jānis Čakste wird Vorsitzender des Volksrates, während Kārlis Ulmanis Premierminister wird.


18

Montag, 18.11.1918

Der weißrussische Admiral Alexandr W. Koltschak stürzt die am 23. September gebildete antibolschewistische Regierung und erklärt sich in Omsk zum Oberkommandierenden und zum Reichsverweser für ganz Russland.


Ausrufung der Republik Lettland

Lettland: Der Lettische Volksrat ruft die unabhängige Republik Lettland unter Kārlis Ulmanis aus. Vorläufige Anerkennung durch Großbritannien.


Der Staatssekretär des Äußeren, Wilhelm Heinrich Solf, richtet einen Appell an den US-Staatssekretär des Äußeren, Robert Lansing, die Behinderung der Transportwege nach Deutschland wegen der bedrohlichen Lebensmittelknappheit zu beenden.


19

Dienstag, 19.11.1918

Französische Truppenverbände ziehen unter Führung von General Philippe Pétain in Metz ein.


Im Berliner Lessing-Theater findet die deutsche Erstaufführung des Schauspiels "Der Schöpfer" des österreichischen Autors Albert Bassermann statt.


20

Mittwoch, 20.11.1918

In Berlin und anderen deutschen Großstädten finden unter großer Volksbeteiligung Beisetzungsfeiern für die Opfer der Revolution statt.


Als politisches Gegengewicht zu den sog. freien (sozialistischen) Gewerkschaften bilden die christlichen Gewerkschaften, die liberalen Gewerkschaften (Hirsch-Duncker) und der Deutsch-Nationale Handlungsgehilfen-Verein gemeinsam den "Deutsch-Demokratischen Gewerkschaftsbund".


21

Donnerstag, 21.11.1918

Die letzten deutschen Truppen verlassen Elsaß-Lothringen, das von französischen Truppen besetzt wird.


Das Zentrum gibt ein neues Programm heraus, in dem es sich gegen jede Form von Klassenherrschaft ausspricht. Gleichzeitig wird die christlich-konservative Partei in "Christliche Volkspartei" umbenannt.


Per Dekret wird vom Rat der Volksbeauftragten in Berlin die Entschädigung für Arbeiter bei vorübergehendem Stilliegen des Betriebes verkündet.


In Berlin wird der erste Film des Regisseurs Viktor Janson "Der gelbe Schein" mit Pola Negri und Harry Liedtke in den Hauptrollen uraufgeführt.


22

Freitag, 22.11.1918

Französische Truppenverbände besetzen Straßburg.


Die "Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP)" wird gegründet. Sie faßt konservative, antisemitische und nationalistische Gruppierungen zusammen.


Die Gewalt gegen Juden in der galizischen Stadt Lwów (Lwiw, heute Ukraine) verschärft sich, als etwa 500 Geschäfte, Wohnungen und Synagogen geplündert, verwüstet und verbrannt werden. Der polnische Oberbefehlshaber der Zweiten Polnischen Republik, Czesław Mączyński, ordnete am Ende des Tages das Kriegsrecht in der Stadt an, obwohl viele Quellen behaupten, er habe dies absichtlich um einen Tag verzögert, während die Gewalttaten stattfanden.


Der Vollzugsrat des Groß-Berliner Arbeiter- und Soldatenrats und die Volksbeauftragten treffen eine Vereinbarung über die vorläufige Ausübung der Regierungsgewalt.


Neue Karten der deutschen Kolonien erscheinen im Dietrich-Reimer-Verlag, Berlin.


23

Samstag, 23.11.1918

Die hessischen Räte bestehen auf einer möglichst umgehenden Einberufung eines Nationalrates, da sie jede Form von Diktatur ausdrücklich ablehnen.


Unter maßgeblicher Beteiligung des Reichstagsabgeordneten und Industriellen Gustav Stresemann wird die konservative Deutsche Volkspartei (DVP) gegründet.


In der Neuinszenierung von Friedrich von Schillers "Wilhelm Tell" durch den Direktor der Berliner Volksbühne, Friedrich Kayssler, spielen u.a. Jürgen Fehling, Adele Sandrock und Mary Dietrich (später Marlene Dietrich, eigentlich Maria Magdalena von der Losch).


24

Sonntag, 24.11.1918

Kroaten, Slowenen und Serben erklären in Agram (Zagreb) ihre Unabhängigkeit.


Zweifel an der organisatorischen Durchführbarkeit einer Nationalversammlung im Februar 1919 werden in der deutschen Presse laut. Auch befürchten die Zeitungen, die radikalen Sozialisten würden alles tun, um Wahlen so lange wie möglich hinauszuzögern.


25

Montag, 25.11.1918

Die deutschen Truppen in Ostafrika kapitulieren endgültig.


Die Reichskonferenz der deutschen Republiken in Berlin beschließt, in jedem Fall an der Reichseinheit festzuhalten und möglichst bald eine Nationalversammlung einzuberufen.


26

Dienstag, 26.11.1918

Der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner (USPD) wirft dem Auswärtigen Amt vor, da es von Vertretern des alten Systems geleitet werde, betrüge es mit seiner Politik das deutsche Volk. Diese Auffassung teilt der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat in München. Er fordert den Arbeiter- und Soldatenrat in Berlin vergeblich auf, die Regierung zu stürzen.


Lettland: Anerkennung der der lettischen Regierung durch die deutsche Besatzungsmacht mit Übergabe der Zivilverwaltung.


27

Mittwoch, 27.11.1918

In Deutsch-Österreich wird das Gesetz über die neue Wahlordnung verabschiedet. Sie gewährt Männern und Frauen Wahlrecht ab dem 20. Lebensjahr.


In Preußen werden statt der bisherigen geistlichen Schulaufsicht staatliche Schulinspektoren eingesetzt.


Lettland: Deutschland wird aufgrund § 12 des Waffenstillstands von Compiègne zur Verteidigung des lettischen Staatsgebiets gegen Sowjetrussland verpflichtet.


In einer neuen Prosa- und Lyrik-Reihe des Roland-Verlages, München, erscheinen u.a. Werke von Hermann Kasack und Arnold Zweig.


28

Donnerstag, 28.11.1918

Kaiser Wilhelm II. dankt formell ab. Die ehemalige Kaiserin Auguste Viktoria begibt sich ebenso wie Wilhelm II. ins niederländische Exil nach Doorn.


Im Frankfurter und im Düsseldorfer Schauspielhaus wird Georg Kaisers neues Drama "Gas" uraufgeführt.


Das Auktionshaus Paul Cassirer, Berlin, präsentiert 70 bisher unveröffentlichte Werke des Malers und Zeichners Max Liebermann, die zu einem Stückpreis von rund 1000 Mark verkauft werden.


29

Freitag, 29.11.1918

Die Rote Armee erobert die estnische Stadt Narwa. Daraufhin findet die Proklamation der Estnischen Sowjetrepublik unter dem Titel "Estnische Arbeitskommune" statt.


Die Volksbeauftragten der provisorischen deutschen Regierung beschließen in Berlin das Reichswahlgesetz für die zukünftige Nationalversammlung.


Die deutsche Regierung schlägt den Siegermächten die Bildung einer neutralen Kommission zur Klärung der Kriegsschuldfrage vor.


Laut Erlass des neuen deutschen Kultusministers Adolf Hoffmann (USPD) soll die Teilnahme am Religionsunterricht in den Schulen von nun an freiwillig sein.


Beim Verlag S. Fischer in Berlin erscheint Arthur Schnitzlers Novelle "Casanovas Heimkehr".


30

Samstag, 30.11.1918

Island wird durch die Unionsakte in Personalunion mit Dänemark als selbständiger Staat anerkannt.


Wilhelm II., König von Württemberg, dankt ab.


Der erste Band "Der Untertan" von Heinrich Manns gesellschaftskritischer Romantrilogie "Das Kaiserreich" erscheint infolge der Zensur im Wilhelminischen Reich erst jetzt beim Verlag Kurt Wolff in Darmstadt. Bereits 1916 war die erste Ausgabe in russischer Sprache in Russland verlegt worden.


Im Kölner Schauspielhaus wird das Stück "Die Nachtseite" von Herbert Eulenberg uraufgeführt.


Diesjährige Preisträger der Kleist-Stiftung sind die Schriftsteller Leonhard Frank und Paul Zech. Der Preis ist mit 1000 Mark dotiert.