Jan Ullrich löst Radsporteuphorie aus – Ruhrgebietsclubs gewinnen Fußballeuropapokale

Politik und Gesellschaft 1997:

Auch im Sport stehen die Zeichen auf Ablösung: Während Steffi Graf verletzungsbedingt pausieren muss, gewinnt die 16-jährige Schweizerin Martina Hingis im Januar in Australien ihr erstes Grand-Slam-Turnier und verdrängt im März die Brühlerin von der Spitzenposition der Tennis-Weltrangliste. Einen doppelten deutschen Abschied im Herrentennis gibt es im Juli in Wimbledon: Für Michael Stich sind die All England Championships das letzte Turnier seiner Profikarriere, Boris Becker, mittlerweile 29, will sich die Strapazen von Grand-Slam-Turnieren nicht mehr zumuten und sich auf die Förderung des Tennisnachwuchses konzentrieren. Zum neuen Sportidol steigt im selben Monat der Rostocker Jan Ullrich auf, der als erster Deutscher die Tour de France gewinnt. Im Zentrum des Interesses der Fußballfans steht 1997 das Ruhrgebiet: Borussia Dortmund gewinnt das Finale der Champions League gegen Juventus Turin, Schalke 04 bezwingt Inter Mailand und holt sich den UEFA-Pokal.

Die Kulturszene des Jahres 1997 bietet für jeden etwas: Während der Katastrophenfilm »Titanic« mit stupenden Spezialeffekten und raffiniert inszeniertem Liebesdrama die Zuschauerscharen in die Kinos lockt und die Kunstschau »documenta X« ungeachtet kritischer Stimmen einen Besucherrekord meldet, erreicht der Komponist Helmut Lachenmann mit seiner in Hamburg uraufgeführten Oper »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern«, einer Komposition, die eher aus Geräuschen als aus Klängen besteht, nur ein schmales Publikum.