Was geschah im März 1919

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Wetterstationen März 1919

1.3.1919, Samstag

Die Weimarer Nationalversammlung fordert in einer von allen Parteien mit Ausnahme der USPD unterstützten Resolution “die Wiedereinsetzung Deutschlands in seine kolonialen Rechte”.

In Korea beginnen die Proteste der Unabhängigkeits-“Bewegung des 1. März” gegen die japanische Vorherrschaft.

In Frankreich wird die Sommerzeit eingeführt (bis 5. Oktober).

Auf dem Rätekongress in München bilden MSPD, USPD und Bauernbund eine Koalitionsregierung. Die meisten auf dem Rätekongress gewählten Minister lehnen es allerdings ab, ohne Zustimmung der rechtmäßigen Volksvertretung ihr Amt zu übernehmen.

Die deutsche Reichsregierung unterstreicht in einem Aufruf ihre Entschlossenheit, “um des Lebens des Volkes willen” jede Art von Gewalttätigkeit rücksichtslos zu bekämpfen.

Der Vorstand der MSPD erlässt in Berlin einen Aufruf, in dem er den Massenstreik als politisches Kampfmittel ablehnt.

2.3.1919, Sonntag

Bei den Parlamentswahlen in Finnland erhalten die Sozialisten 80 (1917: 92), die Agrarier 42 (26), die Jungfinnen 26 (28), die Altfinnen 28 (33) und die schwedische Volkspartei 22 (21) Mandate.

In Berlin beginnt ein außerordentlicher Parteitag der USPD.

General Paul von Lettow-Vorbeck zieht mit seiner Truppe nach der Rückkehr aus Ostafrika in Berlin ein.

In Moskau findet der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale, Komintern, statt.

3.3.1919, Montag

Die provisorische Regierung von Deutschösterreich unter Karl Renner (SPÖ) erklärt ihren Rücktritt. Sie wird vom Staatsrat mit der vorläufigen Weiterführung der Amtsgeschäfte betraut.

Der Groß-Berliner Arbeiterrat beschließt und proklamiert den Generalstreik.

Nach Abschluss der Verhandlungen über den Zusammenschluss von Deutschösterreich mit dem Deutschen Reich reist der deutschösterreichische Staatssekretär des Äußeren, Otto Bauer (SPÖ), aus Berlin nach Wien zurück. Der Zusammenschluss soll durch einen Staatsvertrag vollzogen werden, über den beide Nationalversammlungen abstimmen.

4.3.1919, Dienstag

Der russische Admiral Alexandr W. Koltschak, der 1917 in Sibirien eine antibolschewistische Armee gebildet und sich 1918 zum Reichsverweser ernannt hat, beginnt eine Offensive an der Ostfront. Am 14. März erobert er Ufa und stößt in der Folgezeit bis zur Wolga vor.

Die provisorische Landesregierung von Sachsen-Weimar erlässt eine Bekanntmachung über die vorläufige Beschlagnahmung des Vermögens des früheren Großherzoglichen Hauses.

Vertreter der bayerischen MSPD, der USPD und des Bauernbunds vereinbaren in Nürnberg ein Aktionsprogramm, in dem u.a. die sofortige Einberufung des Landtags, die Bildung einer sozialistischen Regierung, die Schaffung einer Notverfassung und die Übertragung weitgehender Vollmachten auf die Regierung gefordert werden.

Nach zweitägiger Debatte verweist die Weimarer Nationalversammlung den Entwurf der Reichsverfassung an einen 28köpfigen Ausschuss. Am 5. März hält der Verfassungsausschuss seine erste Sitzung ab.

In Deutschböhmen, im Sudetenland und in Südmähren finden tschechenfeindliche Kundgebungen der deutschen Bevölkerung statt.

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung tritt in Wien zu ihrer Eröffnungssitzung zusammen.

5.3.1919, Mittwoch

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien wählt den sozialdemokratischen Abgeordneten Karl Seitz zum Ersten Präsidenten und (vorläufigen) Staatsoberhaupt Deutschösterreichs.

Teile der Republikanischen Soldatenwehr und der Volksmarinedivision gehen in Berlin zu den aufständischen Streikenden über, denen die Erstürmung des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz jedoch nicht gelingt.

6.3.1919, Donnerstag

Der Verfassungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung nimmt den Antrag der Deutsche Demokratische Partei (DDP) an, den Artikel 1 der Reichsverfassung mit den Worten “Das Deutsche Reich ist eine Republik” zu beginnen.

Die USPD verabschiedet auf ihrem außerordentlichen Parteitag in Berlin ein neues Programm.

In Bern beginnt eine internationale Vorbereitungskonferenz zur Gründung des Völkerbunds, die bis zum 14. März dauert.

7.3.1919, Freitag

Die Verfassunggebende Landesversammlung von Württemberg in Stuttgart wählt Ministerpräsident Wilhelm Blos (MSPD) zum Staatspräsidenten. Der 70-Jährige Journalist und Schriftsteller ist ein “Veteran” der Sozialdemokratie.

In Posen beginnen die Verhandlungen der deutschen und der interalliierten Kommission über den Verlauf der Demarkationslinie zwischen dem Deutschen Reich und Polen. Die Verhandlungen werden am 19. März ergebnislos abgebrochen.

8.3.1919, Samstag

Der ungarische Ministerrat unter Desiderius Berinkey genehmigt das Volksgesetz über die Autonomie der Slowakei. Aus dem von Slowaken bewohnten Teil Oberungarns soll ein autonomes Rechtsgebiet mit dem Namen Slowenska Krajina geschaffen werden.

Der Groß-Berliner Arbeiterrat beschließt, den am 3. März ausgerufenen Generalstreik für beendet zu erklären und die Arbeiter aufzufordern, ihre Arbeit am 10. März wieder aufzunehmen.

9.3.1919, Sonntag

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Weimar erhalten die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) 18, DNVP und DVP zusammen elf, DDP und Christliche Volkspartei (Zentrum) zusammen zehn und die USPD drei Sitze.

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Meiningen erhalten die MSPD 14, der Bauernbund fünf, die DDP drei Sitze; DNVP und USPD erringen je ein Mandat im Landtag.

Die Wahlen zur Landesversammlung von Waldeck-Pyrmont bringen folgende Mandatsverteilung: MSPD 7, DNVP 6, DDP 4, Waldeckischer Volksbund 3, DVP 1.

Die Wahlen zur bremischen Nationalversammlung einschließlich Landgebiet, Bremerhaven und Vegesack ergeben folgende Sitzverteilung: MSPD 66, DDP 40, USPD 39, Landeswahlverband (DNVP und DVP) 27, KPD 14, Kleinhändler 9, Christliche Volkspartei 3, Angestelltenvertreter 2.

10.3.1919, Montag

Papst Benedikt XV. gibt in einem Geheimen Konsistorium, einer Kardinalsversammlung im Vatikan, dem Wunsch Ausdruck, die Pariser Friedenskonferenz möge die heiligen Stätten Palästinas den Christen übergeben.

11.3.1919, Dienstag

Die gesetzgebende Gewalt im deutschen Freistaat Koburg geht vom Vollzugsausschuss der Arbeiter- und Soldatenräte auf die Landesversammlung über.

12.3.1919, Mittwoch

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien erklärt noch einmal: Deutschösterreich ist eine demokratische Republik. Deutschösterreich ist ein Bestandteil des Deutschen Reiches.

In London wird amtlich mitgeteilt, dass alle Rohstoffe wieder ungehindert nach Großbritannien eingeführt werden dürfen.

13.3.1919, Donnerstag

Die letzte größere Militäraktion während des Aufstands in Berlin, der mehr als 1200 Tote gefordert hat, ist die Besetzung von Lichtenberg durch Regierungstruppen.

In Berlin wird die Verfassunggebende Landesversammlung Preußens eröffnet.

Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) gibt vor der Weimarer Nationalversammlung einen Bericht über die Kämpfe gegen die “Hyänen der Revolution” in Berlin und Lichtenberg ab.

Die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar nimmt das Sozialisierungsgesetz und das Gesetz über die Kohlenwirtschaft an.

Das italienische Telegrafen- und Nachrichtenbüro “Agenzia Stefani” veröffentlicht das der Pariser Friedenskonferenz übergebene Memorandum über die territorialen Forderungen Italiens: Alpengrenze im Norden (auch Bozen und Brixen sollen italienisch werden), Ostgrenze an den Julischen Alpen, Einverleibung des gesamten cisalpinischen Gebiets und eines Teils von Dalmatien.

14.3.1919, Freitag

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien verabschiedet das Gesetz über die Volksvertretung. Danach übernimmt sie als höchstes Organ des Volkes die Gewalt in der Republik.

Die sächsische Volkskammer in Dresden wählt Georg Gradnauer (MSPD) zum Ministerpräsidenten des Freistaats Sachsen. Die USPD hat bereits am 10. März eine Beteiligung an der Regierung abgelehnt, da die Mehrheitssozialdemokraten sich gegen die Einführung des Rätesystems ausgesprochen haben.

Die Landesversammlung von Schaumburg-Lippe in Bückeburg verabschiedet die Verfassung des Freistaats.

In Brüssel wird zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten ein Abkommen über die Lebensmittelversorgung und die Schifffahrt unterzeichnet. Danach kann die deutsche Handelsschifffahrt wieder aufgenommen werden.

15.3.1919, Samstag

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien wählt die Staatsregierung.

16.3.1919, Sonntag

Bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung (Bürgerschaft) in Hamburg erringt die MSPD mit 81 Mandaten die absolute Mehrheit. Die übrigen Mandate fallen an DDP (33), DVP (14), USPD (13), Wirtschaftsbund (13), DNVP (4), Christliche Volkspartei (2).

Die Landtagswahlen in Schwarzburg-Rudolfstadt enden mit der absoluten Mehrheit der MSPD (10 Mandate). Die übrigen Sitze fallen an DDP (3), Bauernbund (2), DVP (1) und USPD (1).

17.3.1919, Montag

Die deutsche Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) in Berlin meldet, dass die deutsche Reichsregierung beschlossen habe, astronomische Instrumente, die 1901 nach dem Boxeraufstand aus China ins Deutsche Reich gebracht wurden, wieder zurückzugeben.

Im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) eröffnet Prinzregent Alexander (Alexander I.) die Nationalversammlung. Der Sohn von König Peter I. bringt dabei “die unbegrenzte Freude über die … Vereinigung der Brudervölker der Serben, der Kroaten und der Slowenen” zum Ausdruck.

Der bayerische Landtag in München wählt Johannes Hoffmann (MSPD) zum Ministerpräsidenten.

Deutsche und britische Regierungs- und Wirtschaftsvertreter schließen in Rotterdam ein Abkommen über die Lieferung von 30 000 t Kalisalz aus dem Deutschen Reich nach Großbritannien; Verträge dieser Art sollen dem Deutschen Reich die dringend benötigten Devisen zum Wiederaufbau der deutschen Industrie bringen.

18.3.1919, Dienstag

In Moskau beginnt der dritte Kongress der Kommunistischen Partei Russlands. Parteichef Wladimir I. Lenin wendet sich gegen die Formel von der “Selbstbestimmung der arbeitenden Klassen”.

Der bayerische Landtag in München nimmt das Gesetz über die Aufhebung des Adels an. Der bayerische Adel wird aufgehoben, bayerischen Staatsangehörigen wird verboten, die Verleihung eines Adelstitels eines anderen Staats anzunehmen.

Aus Darmstadt wird gemeldet, dass der hessische Großherzog Ernst Ludwig offiziell auf den Thron verzichtet hat.

19.3.1919, Mittwoch

Die Vollversammlung der Seeleute in Hamburg beschließt, die von den Alliierten geforderte Auslieferung der deutschen Handelsflotte zu verhindern. Zwei Tage später, am 21. März, beschließt jedoch eine neue Vollversammlung mit 1770 zu 804 Stimmen, die Schiffe nicht am Auslaufen zu hindern.

Die italienische Sozialistische Partei beschließt auf einer Tagung in Mailand den Austritt aus der (Genfer) Zweiten Internationalen und den Anschluss an die (Moskauer) Dritte Internationale.

20.3.1919, Donnerstag

Der Vorschlag von US-Präsident Woodrow Wilson zur Entsendung einer alliierten Kommission nach Syrien stößt auf massive Kritik der Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien.

Die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung in Berlin verabschiedet das Gesetz zur vorläufigen Ordnung der Staatsgewalt in Preußen. Anders als die anderen deutschen Länder sieht die Verfassung keinen Staats-, sondern nur einen Ministerpräsidenten vor.

Die deutsche Reichsregierung protestiert bei den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs gegen die Landung polnischer Truppen in Danzig.

Das Drama “Der arme Vetter” von Ernst Barlach wird an den Kammerspielen in Hamburg uraufgeführt.

21.3.1919, Freitag

Der provisorische ungarische Staatspräsident Mihály Graf Károlyi von Nagykárolyi tritt zurück; der Budapester Arbeiterrat übernimmt die Regierungsgewalt in Ungarn.

In Weimar wird das von Walter Gropius gegründete Bauhaus, eine Hochschule für Gestaltung, eröffnet.

Die Auslieferung der deutschen Handelsflotte an die Alliierten beginnt. “Bürgermeister Schröder” und “Bürgermeister von Melle” verlassen als erste Schiffe den Hamburger Hafen Richtung Liverpool.

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré ernennt Alexandre Millerand zum Generalkommissar von Elsass-Lothringen mit Sitz in Straßburg.

Die badische Nationalversammlung in Karlsruhe verabschiedet die Verfassung des Freistaats Baden. Damit erhält Baden als erster deutscher Staat der Weimarer Republik eine Verfassung.

23.3.1919, Sonntag

Der ehemalige österreichische Kaiser und ungarische König Karl I. verlässt Österreich.

Mehrere tausend Menschen demonstrieren in Berlin “gegen Deutschlands Zerstückelung” und gegen einen “Vergewaltigungsfrieden”.

Der frühere sozialistische Politiker Benito Mussolini gründet in Mailand die faschistische Organisation “Fasci di combattimento”.

Als erste Autonome Sozialistische Sowjetrepublik innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik wird die Baschkirische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik gegründet.

24.3.1919, Montag

Käthe Kollwitz, Lovis Corinth, Theodor Fischer u.a. werden an die Berliner Akademie der Künste berufen.

In Barcelona beginnt der Generalstreik, mit dem die Arbeiterschaft u.a. den Achtstundentag durchsetzen will.

Die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung in Berlin nimmt bei Stimmenthaltung des Zentrums eine Entschließung an, in der sie sich “mit Entschiedenheit gegen alle Bestrebungen einzelner Gebietsteile, sich von Preußen abzutrennen, insbesondere gegen die Errichtung einer westdeutschen Republik” wendet.

Auf Initiative von Sachsen-Altenburg treten in Weimar Vertreter aller thüringischen Staatsregierungen zusammen, um über die staatliche Neuordnung Thüringens zu beraten.

Paul Hirsch (MSPD) wird zum zweiten Mal zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt. In seiner Regierungserklärung entwickelt er das Programm “dieser ersten verfassungsmäßigen Regierung der Republik Preußen”.

Die badische Nationalversammlung in Karlsruhe nimmt das Fürstenabfindungsgesetz an.

Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des bayerischen Landtags in München nimmt einstimmig eine Entschliesung an, in der er seine schwere Sorge über die bisher gefasten Beschlüsse des Verfassungsausschusses der Weimarer Nationalversammlung zum Ausdruck bringt.

Im Hamburger Hafen trifft der erste ausländische Lebensmitteldampfer ein, die “West Carnifax” aus den USA.

Der deutsche Bildhauer und Grafiker Wilhelm Lehmbruck scheidet in Berlin im Alter von 38 Jahren durch Freitod aus dem Leben.

26.3.1919, Mittwoch

In den USA wird das größte Schlachtschiff der Welt, die “Idaho” mit 1407 Mann Besatzung, in Dienst gestellt.

Die Kriegsflotte der ehemaligen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn läuft in den Hafen von Venedig ein.

Die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) veröffentlicht die Vorschläge der deutschen Reichsregierung über die Einsetzung einer internationalen Kommission zur Feststellung der Kriegsschuldfrage. Großbritannien hatte den deutschen Vorschlag unbeantwortet gelassen, “da nach der Meinung der verbündeten Regierungen die Verantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg längst unzweifelhaft festgestellt ist”.

In Hamburg und Lübeck treffen die zuständigen Gremien wichtige Entscheidungen über die zukünftigen Verfassungen der beiden Hansestädte.

27.3.1919, Donnerstag

Sowjetrussland erkennt als erster Staat die im Februar proklamierte Unabhängigkeit Afghanistans an.

28.3.1919, Freitag

Gegen die Stimmen der USPD nimmt die Weimarer Nationalversammlung das Gesetz über die Schaffung einer vorläufigen Reichsmarine an. Die Marine soll Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) unterstellt werden.

Die Hamburger Bürgerschaft nimmt die Vorlage über die sofortige Errichtung einer Universität und einer Volkshochschule an.

Die sowjetische Rote Armee erleidet eine schwere Niederlage bei Wladikawkas (Ordschonikidse) und ist gezwungen, fast den ganzen nördlichen Kaukasus zu räumen.

29.3.1919, Samstag

Das Schwurgericht des Seine-Departments in Paris spricht den Mörder des französischen Sozialistenführer Jean Jaurès, Villain, frei. Am 6. April findet in Paris eine große Demonstration der Sozialisten und Gewerkschaften gegen das Urteil statt.

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt den Nachtragshaushalt an. Der Reichspräsident erhält nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 100 000 Mark monatlich, sondern ein persönliches Gehalt von 100 000 Mark jährlich und einen Betrag von 500 000 Mark jährlich für die mit seinem Amt verbundenen Ausgaben.

30.3.1919, Sonntag

Michail I. Kalinin wird als Nachfolger des verstorbenen Jakow M. Swerdlow zum Vorsitzenden des Zentralexekutivkomitees der Sowjets gewählt (Staatsoberhaupt).

Bei den Wahlen zum ersten ordentlichen Landtag des Freistaats Mecklenburg-Strelitz erhält die MSPD 18 Mandate, eines mehr als die anderen bürgerlichen Parteien zusammen.

Die italienische Regierung in Rom hebt die Blockade des Adriatischen Meeres auf, die sie zum Schutz des eigenen Hoheitsgebietes errichtet hatte.

31.3.1919, Montag

Wegen des für den 1. April ausgerufenen Generalstreiks verhängt die deutsche Reichsregierung den Belagerungszustand über das Ruhrrevier.

In Württemberg beginnt ein Generalstreik, nachdem die Spartakisten in Stuttgart den “allgemeinen Ausstand des Proletariats” proklamiert haben.

Die sächsische Volkskammer in Dresden bestimmt den 1. Mai und den 9. November zu gesetzlichen Feiertagen.

Im Verfassungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung beginnt die fünftägige Generaldebatte über die Grundrechte des deutschen Volkes über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche und über das Verhältnis zwischen Staat und Schule.

Die MSPD zählt nach neuesten Angaben etwas über eine Million Mitglieder.