Was geschah im April 1901

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Wetterstationen April 1901

1.4.1901, Montag

In Spanien kommt es zu zahlreichen Demonstrationen. Die Proteste – vor allem in Barcelona, Bilbao und Valladolid – richten sich sowohl gegen die Regierung als auch gegen die katholischen Jesuitenorden. In vielen Aufrufen wird die Trennung von Staat und Kirche gefordert. In Sevilla führt das Eingreifen der Polizei zu Zusammenstößen mit den Demonstranten.

Im deutschen Exil erscheint erstmals die u.a. von Wladimir I. Lenin herausgegebene sozialistische Zeitung “Sarja” (“Morgenröte”) – eines von mehreren Anzeichen für den wachsenden Widerstand gegen das russische Zarenregime.

Das Jenaer Carl-Zeiss-Unternehmen beschließt die Einführung des Achtstunden-Arbeitstages. Ein im Vorjahr begonnener einjähriger Versuch mit der verkürzten Arbeitszeit hat sich bewahrt. Im Jahr 1900 plädierten über zwei Drittel der Beschäftigten für die Einführung des Achtstunden-Arbeitstages.

Der preußische Handelsminister Ludwig Brefeld teilt dem Berliner Ältestenkollegium (Interessenvertretung des Handels) mit, dass er die Errichtung einer Handelskammer in der Reichshauptstadt angeordnet habe.

In London wird eine Volkszählung veröffentlicht, danach hat Großbritannien (England, Wales, Schottland und Irland) derzeit rund 41,5 Mio. Einwohner. Das bedeutet gegenüber 1891 eine Zunahme von rund 3,72 Mio. Einwohnern.

In Preußen tritt ein neues Fürsorgegesetz in Kraft.

2.4.1901, Dienstag

Der deutsche Reichskanzler Bernhard von Bülow kommt in Verona zu einer Unterredung mit dem neuen italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Zanardelli zusammen. In der italienischen Presse wird in diesem Zusammenhang eine Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Italien und Frankreich konstatiert, die auch in der russischen Presse begrüßt wird. Italien bildet zusammen mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn den sog. Dreibund, Frankreich und Russland dagegen schlossen den sog. Zweibund.

In Serbien tritt Ministerpräsident Alexis Jovanovic zurück. Sein Nachfolger wird Michael Vujic.

In Stuttgart endet der neunte Kongress der Deutschen Metereologischen Gesellschaft. Der Vorsitzende der Vereinigung, der deutsche Metereologe Wilhelm von Bezold, gibt im Eröffnungsvortrag einen Überblick zur Entwicklung der Metereologie um die Jahrhundertwende. Bezold ist seit 1885 Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Metereologie. Die im Rahmen des zweitägigen Kongresses vorgenommenen “Wetterschießversuche” bleiben ohne praktischen Erfolg.

Mit einer feierlichen Zeremonie läuft in Kiel das für die Drygalski-Südpolexpedition vorgesehene Schiff “Gauß” vom Stapel. An der Feier nimmt auch der deutsche Hydrograph und Direktor der Seewarte Hamburg, Georg von Neumayer, teil. Die Südpolexpedition beginnt am 11. August.

3.4.1901, Mittwoch

Die liberale Venstre-Partei gewinnt die Parlamentswahlen in Dänemark und wird daraufhin erstmals an der Regierung beteiligt.

Die Botschafter der europäischen Großmächte in Konstantinopel (heute Istanbul) fällen einen Schiedsspruch im griechisch-osmanischen Streit um die sog. Konsularkonvention. Danach bleiben die Privilegien Griechenlands im Osmanischen Reich erhalten, sollen aber künftig gegen Missbrauch geschützt werden.

Unter Vorsitz des deutschen Internisten Ernst von Leyden findet in Berlin eine Sitzung des Komitees für Krebsforschung statt. Ein Thema des Treffens ist der Vergleich von Krebserkrankungen.

4.4.1901, Donnerstag

Die württembergische Abgeordnetenkammer billigt mit 43 gegen 31 Stimmen einen Antrag auf Einrichtung eines Lehrstuhls für Homöopathie an der Universität Tübingen. In der Schulmedizin wird das 1796 von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründete Heilverfahren weitgehend abgelehnt.

In Belfast läuft die “Celtic”, das größte Schiff der Welt, vom Stapel.

5.4.1901, Freitag

Die russische Regierung gibt den ausländischen Regierungen über ihre diplomatischen Vertreter ihren Standpunkt in der Mandschurei-Frage bekannt. Danach besteht Russland nicht auf der Unterzeichnung des Mandschurei-Vertrages, will aber die Mandschurei bis zur “völligen Wiederherstellung der Ordnung” in China besetzt halten.

Nach der Auslieferung eines italienischen Anarchisten wird in der Schweiz gegen die Asylpolitik der Regierung protestiert.

6.4.1901, Samstag

In der bulgarischen Hauptstadt Sofia werden sämtliche führenden Mitglieder des sog. Makedonischen Komitees verhaftet.

7.4.1901, Sonntag

Der Jahreskongress der belgischen Sozialdemokraten (bis 8. 4.) beschäftigt sich mit dem Kampf um das allgemeine und gleiche Stimmrecht. Die Delegierten sprechen sich für den Einsatz radikaler Mittel aus.

Eine außerordentliche britische Gesandtschaft unter Führung von Oberkammerherrn Herzog James von Abercorn trifft in Berlin ein. Sie soll dem deutschen Hof offiziell die Thronbesteigung Edwards VII. mitteilen und wird am 9. April von Kaiser Wilhelm II. in feierlicher Audienz empfangen.

8.4.1901, Montag

Auf dem ersten Deutschen Zeichnertag in Leipzig wird ein besserer gesetzlicher Schutz für das “geistige und materielle Eigentum” der Zeichner gefordert. Außerdem strebt der Deutsche Zeichnerverband als Veranstalter eine Regelung der Vertrags- und Kündigungsrechte an.

Eine österreichische Fußball-Auswahl besiegt in einem internationalen Vergleich in Wien eine Mannschaft aus der Schweiz 4:0.

Radsprinter Major Taylor (USA) verliert zum Auftakt seiner Europa-Tournee in Berlin-Friedenau gegen den Deutschen Willy Arend und den Dänen Thorwald Ellegaard. Drei Tage später gewinnt Taylor den Revanchelauf klar.

Im französischen Kriegshafen Toulon beginnt der fünftägige Besuch eines italienischen Flottengeschwaders. Am 10. und 11. April stattet der französische Präsident Emile Loubet den italienischen Gästen einen Besuch ab. Beide Staaten gehören unterschiedlichen europäischen Bündnissystemen an.

9.4.1901, Dienstag

In Mecklenburg-Schwerin tritt Großherzog Friedrich Franz IV. nach Erreichen der Volljährigkeit seine Herrschaft an. Am 8. April hatte der Herzogregent Albrecht von Mecklenburg-Schwerin seinen Abschiedsgruß an die Bevölkerung gerichtet.

10.4.1901, Mittwoch

Der 30. Deutsche Chirurgenkongress beginnt in Berlin. Zu den wichtigsten Problemen der Chirurgie zählen die Krebserkrankungen.

In Kassel findet ein Kongress des Allgemeinen Deutschen Realschulmännervereins statt. Zu den Referenten zählt auch der Berliner Pädagoge und Philosoph Friedrich Paulsen. Als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bildungshistoriker und – systematiker engagiert sich Paulsen für die Durchsetzung der Realschulidee.

11.4.1901, Donnerstag

Auf dem Allgemeinen Kongress französischer Bergarbeiter in Lens sprechen sich die Delegierten für die Verstaatlichung der französischen Gruben aus. Außerdem werden die Einführung des Achtstunden-Arbeitstages sowie ein gesetzlicher Stundenlohn gefordert.

In Potsdam wird in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. enthüllt. Die Statue stammt von dem deutschen Bildhauer Ernst Herter, der für seine klassizistischen Figurendenkmäler bekannt ist.

12.4.1901, Freitag

In Genua (Italien) startet eine von der Wiener Akademie ausgerüstete österreichische Expedition zur Erforschung Südbrasiliens. Im Mittelpunkt stehen botanische Ziele. Die Expedition wird von dem österreichischen Botaniker Richard Wettstein, Ritter von Westersheim, geleitet, der zu den bedeutendsten Forschern seines Fachs zählt.

13.4.1901, Samstag

In Den Haag wird das Internationale Büro des Ständigen Schiedshofes begründet.

Franz Josef I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, verfügt die Errichtung einer Galerie für moderne Kunst, Plastik und Architektur in Prag.

Der fünfte Internationale Kongress gegen den Alkoholismus geht in Wien nach fünftägiger Dauer zuende.

14.4.1901, Sonntag

Auf dem Kongress der deutschen Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter in Nürnberg beschließen die Delegierten den Beitritt zur Internationalen Gewerkschaftsföderation.

In der Reichshauptstadt beginnt eine Ausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin. Sie umfasst 335 Arbeiten von 208 Künstlerinnen aus dem In- und Ausland.

15.4.1901, Montag

Die Hamburger Reederei Deutsch-Ostafrika-Linie gibt die Aufnahme einer direkten Schiffsverbindung nach Westafrika und dem südafrikanischen Kapstadt bekannt.

Im Rahmen eines geheimen Konsistoriums ernennt Papst Leo XIII. in Vatikanstadt zwölf neue Kardinäle, darunter zehn Italiener und zwei Slawen. Giacomo della Chiesa (ab 1914 Papst Benedikt XV.) wird zum Stellvertreter von Kardinal und Staatssekretär Mariano Rampolla del Tindaro bestellt, einem der einflussreichsten katholischen Kardinäle.

Der württembergische Ministerpräsident und Kriegsminister Max Freiherr Schott von Schottenstein tritt von seinen Ämtern zurück.

Gustav Adolf Graf von Götzen wird zum neuen Gouverneur des deutschen Kolonialgebietes in Ostafrika ernannt.

16.4.1901, Dienstag

Der deutsche Reichstag in Berlin verweist den Gesetzentwurf über die Versorgung der Kriegsinvaliden und – hinterbliebenen an die Budgetkommission. Nach Ansicht mehrerer Abgeordneter ist die bereits am 11. Januar behandelte Vorlage, die am 4. Mai in dritter Lesung verabschiedet wird und eine Erhöhung der Unterstützungsmittel vorsieht, noch unzureichend.

Aufgrund eines Schiffsarbeiterstreiks in Genua ist der Handels- und Passagierverkehr in den italienischen Häfen massiv beeinträchtigt. Die Regierung setzt Militärboote der italienischen Marine für den Postdienst und zur Beförderung von Passagieren ein.

In Schweden wird die Verabschiedung eines Gesetzes zum Schutz von Arbeitern vor den Folgen von Betriebsunfällen durch den Reichstag in Stockholm bekannt.

Unter Vorsitz des 66-Jährigen deutschen Mediziners Hermann Senator wird in Berlin der 19. Kongress für Innere Medizin eröffnet. An dem viertägigen Treffen nehmen rund 350 in- und ausländische Ärzte teil. Mit dem Kongress ist eine Ausstellung diagnostischer Instrumente verbunden.

In Paris findet die erste Generalversammlung der Internationalen Assoziation der Akademien der Wissenschaft statt. Das Treffen geht auf eine Initiative der Londoner Royal Society zurück.

17.4.1901, Mittwoch

Mit der Übernahme des Protektorats über den Katholischen Schulverein in Österreich demonstriert der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand seine Gegnerschaft zu der alldeutschen “Los-von-Rom”-Bewegung.

18.4.1901, Donnerstag

Einem Beschluss des Schweizer Bundesrats in Bern zufolge wird eine Anzahl von Teilnehmern an den Demonstrationen gegen die Schweizer Asylpolitik ausgewiesen. Davon betroffen sind vor allem russische Studenten.

Ein Brandunglück zerstört einen Teil des Pekinger Kaiserpalastes, der als Hauptquartier für die deutschen Besatzungstruppen in China dient.

19.4.1901, Freitag

Das britische Parlament in London begründet die Notwendigkeit von Steuererhöhungen u.a. mit den enormen Ausgaben im Rahmen des Burenkrieges. Demnach hat der Einsatz britischer Truppen in Südafrika bisher 153 Mio. Pfund Sterling (3,12 Mrd. Mark) gekostet.

Die württembergische Abgeordnetenkammer billigt mit 45 zu 25 Stimmen die Zulassung der umstrittenen Feuerbestattung in dem südwestdeutschen Bundesstaat.

In Serbien wird eine neue Verfassung verkündet.

20.4.1901, Samstag

Der französische Außenminister Théophile Delcassé reist zu einem sechstägigen Besuch in die russische Hauptstadt Petersburg (heute Leningrad). Zu den Themen der Gespräche zählt die europäische Bündnispolitik.

In Portugal wird ein Dekret über religiöse Vereinigungen veröffentlicht. Es schreibt die Säkularisierung derartiger Organisationen innerhalb von sechs Monaten vor. Außerdem müssen die Leiter religiöser Vereinigungen künftig portugiesische Staatsangehörige sein. Infolge des vom katholischen Klerus heftig angegriffenen Dekrets werden mehrere Klöster der Franziskaner, Jesuiten und Benediktiner geschlossen.

21.4.1901, Sonntag

In Österreich werden Meldungen über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Mexiko bekannt. Sie wurden 1867 nach dem kriegsgerichtlichen Todesurteil für den mexikanischen Kaiser Maximilian (eigtl. Ferdinand Maximilian, Erzherzog von Österreich) abgebrochen. Maximilian hatte den Thron 1863 auf Betreiben von konservativen Exilmexikanern und mit militärischer Unterstützung von Napoleon III. bestiegen.

Im Wiener Hofburgtheater (heute Burgtheater) wird erstmals ein Stück des häufig als “Vorstadtdichter” apostrophierten Johann Nepomuk Nestroy aufgeführt.

22.4.1901, Montag

In Petersburg (heute Leningrad) wird die Wiedereröffnung der Hochschulen bekanntgegeben. Sie wurden aufgrund anhaltender Studentenunruhen vorübergehend geschlossen.

Die Deutsche Reichsbank senkt den Diskontsatz um 0,5%.

23.4.1901, Dienstag

Der deutsche Reichstag in Berlin berät in erster Lesung die Branntweinsteuer-Novelle. Reichsschatzminister Max Freiherr von Thielmann begründet den Entwurf mit der Notwendigkeit, die Produktion zu beschränken. Nach Ansicht des sozialdemokratischen Abgeordneten Emanuel Wurm stellt der Entwurf, der an einen Ausschuss überwiesen wird, mit seinem Schutz von Brennereien “eine Liebesgabe für eine kleine Schicht auf Kosten der Massen dar”.

24.4.1901, Mittwoch

Der prominente Sozialdemokrat Franz Mehring veröffentlicht in der “Neuen Zeit” eine Analyse der weltweit herrschenden Wirtschaftskrise.

In Berlin endet die zweitägige Hauptversammlung des “Vereins Deutscher Irrenärzte”. Zu den Themen des Treffens zählen zum Beispiel die Probleme der familiären Pflege von psychisch Kranken.

Einem im Reichstag eingebrachten Gesetzentwurf zufolge übernimmt die Reichsregierung finanzielle Garantien für den Bau einer Eisenbahn von Daressalam nach Morogoro (Ostafrika, heute zu Tansania). Im Zuge der kolonialen Unterwerfung Ostafrikas wurde Daressalam 1889 Garnisonsstadt für deutsche Kolonialtruppen; 1896 hatte die deutsche Kolonialverwaltung ihren Sitz an die Stadt am Indischen Ozean verlegt.

25.4.1901, Donnerstag

Der Freisinnige Gustav Kauffmann wird von den Berliner Stadtverordneten zum neuen Bürgermeister von Berlin gewählt. Der preußische König und deutsche Kaiser Wilhelm II. akzeptiert das später bestätigte Votum jedoch nicht.

Bei einem schweren Explosionsunglück in der chemischen Fabrik Elektron in Griesheim bei Frankfurt am Main werden 22 Personen getötet und über hundert schwer verletzt. Nach der Katastrophe muss der gesamte Ort evakuiert werden. Die Fabrik stellt u.a. Munition und Sprengstoff her.

26.4.1901, Freitag

Ein von den Konservativen und der Zentrumspartei im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin eingebrachter Antrag zielt auf die “Germanisierung” der deutschen Ostprovinzen. Danach sollen 12 Mio. Mark besonders für Ankauf und Besiedelung von Grundstücken und “Regelung der Gemeinde-, Schul- und Kirchenverhältnisse” durch die preußische Regierung zur Verfügung gestellt werden.

Dem österreichischen Abgeordnetenhaus in Wien geht eine sog. Kanalvorlage zu. Danach sollen in Österreich Wasserstraßen im Umfang von insgesamt 17 000 Kilometern bei Kosten von 750 Mio. österreichische Kronen (645 Mio. Mark) gebaut werden.

27.4.1901, Samstag

In der Berliner Illustrierten “Die Woche” beginnt der Abdruck eines mehrteiligen Aufsatzes der schwedischen Reformpädagogin Ellen Key über “Die Schule der Zukunft”. Ellen Key veröffentlichte im Vorjahr ihr wegweisendes Werk “Das Jahrhundert des Kindes”, das 1902 auch in deutscher Übersetzung erscheint.

Die Regierung der südamerikanischen Republik Uruguay unter Präsident Juan Lindolfo Cuestas untersagt die Einwanderung von Ordensgeistlichen.

Der Deutsch-Russische Verein zur Pflege und Förderung der gegenseitigen Handelsbeziehungen spricht sich auf seiner dritten ordentlichen Mitgliederversammlung in Berlin gegen Zollerhöhungen für russische Agrarprodukte aus. Dem Verein gehören u.a. 33 Handelskammern an.

28.4.1901, Sonntag

In Paris wird das Ergebnis einer Abstimmung unter französischen Bergarbeitern über einen Generalstreik veröffentlicht. Danach votieren rund 28 800 Arbeiter für, 17 600 gegen einen Generalstreik. Die französische Arbeiterbewegung ist stark von syndikalistischen Ideen beeinflusst.

29.4.1901, Montag

Gegen die Stimmen der Freisinnigen Volkspartei und der Nationalliberalen Partei wird im preußischen Abgeordnetenhaus ein Antrag auf Überarbeitung der Einteilung von Wahlbezirken abgelehnt. Begründet wurde der Antrag mit den Bevölkerungsverschiebungen in den letzten 40 Jahren.

An der Universität von Budapest kommt es zu Zusammenstößen zwischen jüdischen Gruppen und antisemitischen Korporationen.

Im Streit um die Karl-May-Rechte veröffentlicht der deutsche Verleger Adalbert Fischer eine Erklärung im “Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel”.

30.4.1901, Dienstag

Die belgische Regierung unter Ministerpräsident Paul Graf de Smet de Nayer legt beiden Kammern des Parlaments in Brüssel einen Gesetzentwurf zur Unfallversicherung vor. Dieser sieht Entschädigungen für Arbeiter bei unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit von mehr als zwei Wochen vor.

Im russisch beherrschten Teil von Polen werden zahlreiche Oppositionelle verhaftet. Die zaristische russische Regierung lässt in mehreren Ortschaften Kosakeneinheiten einmarschieren.

In der deutschen Presse kursieren Meldungen über eine bevorstehende Regierungsumbildung in Preußen. Angesichts der Diskussionen über die Kanalvorlage und den Zolltarif thematisiert die Presse vor allem die Auseinandersetzungen zwischen Ministerpräsident Bernhard von Bülow und dessen Gegenspieler Finanzminister Johannes von Miquel.

Bei einem Brand stürzt in Quedlinburg (nordöstliches Harzvorland) der Turm der Marktkirche Sankt Benedikti ein, einer spätgotischen Hallenkirche des 15. Jahrhunderts.

Chroniknet