Was geschah im November 1914

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Wetterstationen November 1914

1.11.1914, Sonntag

Der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn konkretisiert in einem Schreiben an den deutschen Außenminister Gottlieb von Jagow Vorschläge für Sabotageakte gegen Ölquellen und -anlagen der britischen Anglo-Persian-Oil-Company in Abadan (Persien). Diese sollen mit Unterstützung osmanischer Truppen vom benachbarten Osmanischen Reich ausgeführt werden. Das Vorhaben scheitert, als deutsch-osmanische Truppen in Mesopotamien von britisch-indischen Verbänden beim Angriff auf Bagdad zurückgeschlagen werden.

Innerhalb der deutschen Heeresführung wird die neue Kommandostelle Oberbefehlshaber Ost (sog. Oberost) gebildet. Sie ist für einen Teil der Ostfront zuständig. Unter Leitung von Generaloberst Paul von Beneckendorff und von Hindenburg sowie dessen Generalstabschef Erich Ludendorff entwickelt sie sich zu einem wichtigen militärischen Machtzentrum.

Zwischen dem Osmanischen Reich und Russland werden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Beide Länder beschuldigen sich gegenseitig, für die am 29. Oktober eröffneten kriegerischen Auseinandersetzungen verantwortlich zu sein. Gleichzeitig reisen der britische und der französische Botschafter aus der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) ab. Sie hatten zuvor vergeblich versucht, das Osmanische Reich zur Abberufung der in der osmanischen Armee tätigen deutschen Offiziere zu bewegen.

Das deutsche Kreuzergeschwader unter Kommando von Admiral Maximilian Reichsgraf von Spee versenkt südlich von Coronel vor der chilenischen Küste zwei britische, von Konteradmiral Christopher George Cradock kommandierte Panzerkreuzer.

In einer amtlichen Statistik wird die Zahl der in deutschen Lagern internierten Kriegsgefangenen bekanntgegeben. Danach befinden sich derzeit rund 192 000 Franzosen, 190 000 Russen, 34 000 Belgier und 16 000 Briten in deutscher Kriegsgefangenschaft.

2.11.1914, Montag

Die britische Regierung erklärt den gesamten Nordseeraum zum Kriegsgebiet. Gleichzeitig verhängt sie eine Wirtschaftsblockade gegen das Deutsche Reich.

Serbien beruft sein Botschaftspersonal aus der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel aufgrund des osmanischen Angriffs auf russische Schwarzmeerhäfen am 29. Oktober ab.

Der bekannte deutsche Nationalökonom und Soziologe Werner Sombart diskriminiert in einem Artikel, der im “Berliner Tageblatt” veröffentlicht wird, die Bevölkerung von Serbien – Kriegsgegner des Deutschen Reiches – als “Mausefallenhändler”; Japaner sind nach Sombarts Worten “außerordentlich gelehrige Halbaffen”. Seine Haltung ist ein charakteristisches Beispiel für den im deutschen Bildungsbürgertum grassierenden Rassismus.

Die vereinigten preußisch-hessischen Eisenbahnen nehmen erstmals seit Kriegsausbruch wieder den fahrplanmäßigen Eisenbahnverkehr auf.

3.11.1914, Dienstag

Nachdem der seit 1892 amtierende ägyptische Vizekönig (Khedive) Abbas II. Hilmi unter Einfluss der osmanischen Regierung den Rückzug britischer Truppen gefordert hat, ernennt die britische Regierung dessen Onkel Hussein Kamal zu seinem Nachfolger. Großbritannien beherrscht seit 1883 faktisch Ägypten, das formell jedoch zum Osmanischen Reich gehört.

Der österreichische Dichter Georg Trakl begeht in einem Krakauer Militärhospital Selbstmord. Während des Krieges war er im Sanitätsdienst tätig.

4.11.1914, Mittwoch

Bei den 64. US-amerikanischen Kongresswahlen muss die Demokratische Partei von Präsident Woodrow Wilson einschneidende Mandatsverluste im Repräsentantenhaus hinnehmen. Im Senat dagegen kann sie ihre bestehende Mehrheit festigen.

In einem auf Vermittlung Spaniens zustandegekommenen Abkommen zwischen der österreichisch-ungarischen und der russischen Regierung wird den Staatsangehörigen beider Länder, die sich im jeweils anderen Land aufhalten, die Rückkehr in die Heimat zugesichert. Ausgenommen von dieser Regelung bleiben Offiziere sowie Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren.

Die in Berlin erscheinende sozialdemokratische Tageszeitung “Vorwärts” kritisiert den zunehmenden Handel mit sog. patriotischen Artikeln.

5.11.1914, Donnerstag

Nach einer Kabinettsumbildung in Italien wird Giorgio Sidney Baron Sonnino italienischer Außenminister. Der Nachfolger des am 16. Oktober verstorbenen Antonino di San Giuliano zählt zu den bedeutendsten rechtsliberalen Politikern Italiens.

In Petrograd (heute Leningrad) werden die bolschewistischen Mitglieder der sozialistischen Reichstags-(Duma-)Fraktion verhaftet und nach einem Prozess (10.- 13.2.1915) nach Sibirien verbannt.

In Madrid billigt das spanische Abgeordnetenhaus die Neutralitätspolitik der Regierung von Ministerpräsident Eduardo Dato Iradier. Der spanische Senat schließt sich dem Votum am 8. November an.

Nach dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches annektiert Großbritannien Zypern. Allerdings verwaltete die britische Regierung bereits seit 1878 die Mittelmeerinsel, die formell osmanischer Oberhoheit untersteht. Gleichzeitig erklärt Großbritannien dem Osmanischen Reich den Krieg; Frankreich folgt am 6. November.

6.11.1914, Freitag

Die deutsche Regierung beschließt die Verhaftung sämtlicher britischer Männer im Alter zwischen 17 und 55 Jahren, die sich im Deutschen Reich aufhalten. Sie werden im Lager Ruhleben bei Berlin unter militärischer Bewachung festgesetzt. Ausgenommen von der Regelung sind lediglich Geistliche und Ärzte.

In Berlin informiert der deutsche Innenminister Clemens Delbrück die Führer der Reichstagsfraktionen von einer bevorstehenden Neuorientierung der deutschen Politik. Nach der vertraulichen Unterredung verzichtet die SPD, aus deren Reihen Hugo Haase und Philipp Scheidemann an dem Treffen teilnehmen, auf weitere öffentliche Forderungen nach Reformen.

An der südosteuropäischen Front beginnt eine österreichisch-ungarische Großoffensive gegen das benachbarte Serbien.

Der Burengeneral Christiaan Rudolph Dewet ruft im sog. Oranjefreistaat die Unabhängigkeit aus. Der Aufstandsversuch – vorläufiger Höhepunkt des Kampfes gegen die britische Herrschaft – wird jedoch von südafrikanischen Regierungstruppen niedergeschlagen; Dewet wird wegen Hochverrates verurteilt, später aber begnadigt.

7.11.1914, Samstag

Japanische Truppen erobern in der chinesischen Provinz Schantung nach achttägiger Belagerung den deutschen Stützpunkt Tsingtau. Japan baut damit seine politische und militärische Machtbasis in Ostasien aus.

Die in Berlin erscheinende “Metallarbeiter-Zeitung”, offizielles Organ der deutschen Metallarbeitergewerkschaft, veröffentlicht einen Artikel, in dem die Kriegszeit als “Beginn des Sozialismus” gefeiert wird. Der Beitrag ist Ausdruck der weitgehenden Anpassung deutscher Gewerkschaften an die sog. Burgfriedenspolitik der deutschen Reichsregierung.

8.11.1914, Sonntag

In Tokio erklären Vertreter der japanischen Regierung, dass die am 7. November besetzte ehemals deutsche Kolonie Kiautschou (chinesische Provinz Schantung) vorläufig unter japanische Verwaltung gestellt wird.

9.11.1914, Montag

Im Indischen Ozean wird der deutsche Kreuzer “Emden” von dem australischen Kreuzer “Sydney” versenkt. Zuvor hatte die “Emden” im Indischen Ozean u.a. 22 britische Handelsschiffe sowie mehrere wichtige Industrieanlagen zerstört.

10.11.1914, Dienstag

An der deutschen Westfront beginnen die 4. und 6. deutsche Armee mit der sog. zweiten Flandernoffensive. Am 18. November bricht die Oberste Heeresleitung (OHL) die Schlacht erfolglos ab. Sie erlangt u.a. durch den rücksichtslosen Einsatz von unzureichend vorbereiteten Jugendregimentern – z. B. bei Langemark – historische Bedeutung.

Der österreichisch-ungarische Außenminister Leopold Graf Berchtold informiert die deutsche Reichsregierung von einem Vermittlungsvorschlag des US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zur Beendigung des Krieges. Während Berchtold aus propagandistischen Gründen für ein scheinbares Eingehen auf den Vorschlag plädiert, lehnt der deutsche Außenminister Gottlieb von Jagow am 26. November jede Friedensvermittlung ab.

11.11.1914, Mittwoch

In Konstantinopel (heute Istanbul) erklärt der osmanische Sultan Muhammad V. den Staaten der Tripelentente (Frankreich, Russland, Großbritannien) offiziell den Krieg. Allerdings hatte die unter deutschem Einfluss stehende Flotte des Osmanischen Reichs bereits am 29. Oktober russische Schwarzmeerhäfen angegriffen.

12.11.1914, Donnerstag

Der Führer der britischen Labour Party und Gewerkschafter Arthur Henderson erklärt sich im britischen Unterhaus in London zur Unterstützung der Regierungspolitik für die Zeit des Krieges bereit. Henderson war erst kürzlich zum Labour-Vorsitzenden gewählt worden, nachdem der bisherige Führer James Ramsey MacDonald aus Protest gegen die kriegsfreundliche Haltung der Labour-Mehrheit von seinem Amt zurückgetreten war.

13.11.1914, Freitag

Die Regierung des Deutschen Reiches fordert die Bevölkerung auf, bei den Banken Goldmünzen gegen Papiergeld einzutauschen. Im Juli hatte ein Run auf das wertbeständige Edelmetall eingesetzt, obwohl die Regierung Gerüchte über eine vor dem Hintergrund der wachsenden Kriegsgefahr drohende Geldentwertung zurückgewiesen hatte.

14.11.1914, Samstag

In Konstantinopel (heute Istanbul) wird der “Heilige Islamische Krieg” an der Seite des Deutschen Reiches proklamiert. Die auf Druck der deutschen Regierung durchgeführte Ausrufung des Glaubenskrieges soll islamische Aufstände u.a. gegen die britische und französische Kolonialherrschaft in Nordafrika auslösen. Allerdings bleibt die Proklamation in diesen Gebieten weitgehend wirkungslos.

15.11.1914, Sonntag

Der italienische Ministerrat bewilligt in Rom außerordentliche Rüstungsausgaben in Höhe von 400 Millionen Lire (320 Millionen Mark). Damit soll die Armee kriegstauglich gemacht werden.

16.11.1914, Montag

Im britischen Unterhaus in London beantragt der liberale Premierminister Herbert Henry Asquith Kriegskredite in Höhe von 225 Millionen britischer Pfund (4,6 Milliarden Mark) sowie die Anwerbung von rund einer Million Soldaten (Großbritannien kennt keine Wehrpflicht). Beide Forderungen werden am 17. November von den Parlamentsabgeordneten bewilligt.

Der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson erklärt in Washington die von den USA kontrollierte Panamakanalzone im Weltkrieg für neutral. Gleichzeitig untersagt er Schiffen der kriegführenden Staaten für vorläufig drei Monate die Fahrt durch den am 15. August eröffneten Schifffahrtsweg zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean.

In Mailand erscheint erstmals die sozialistische Zeitschrift “Popolo d’Italia”. Das von dem Mitglied der Sozialistischen Partei (PSI) und späteren Faschistenführer Benito Mussolini herausgegebene Blatt setzt sich für einen Kriegseintritt Italiens an der Seite Frankreichs ein. Mussolini war am 20. Oktober als Chefredakteur der Parteizeitung “Avanti!” zurückgetreten, nachdem sich die Sozialisten für die Neutralität Italiens im Weltkrieg ausgesprochen hatten. Er wird u.a. deshalb am 24. November aus der PSI ausgeschlossen.

17.11.1914, Dienstag

Zusammen mit der Übersendung von statistischem Material über die Rohstoffvorkommen im lothringischen Erzbecken von Longwy und Briey übersendet der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg Innenminister Clemens Delbrück den Auftrag zur vorläufigen Ausarbeitung von Friedensbedingungen für Frankreich.

18.11.1914, Mittwoch

Nach erfolglosem Verlauf wird die sog. zweite Flandernoffensive auf Befehl des deutschen Generalstabschefs Erich von Falkenhayn abgebrochen. Nach ihrem Scheitern kommt es innerhalb der deutschen Generalität zu heftiger Kritik an der Kriegsführung Falkenhayns.

Der einflussreiche italienische Landarbeiterverband spricht sich für eine Beibehaltung der Neutralität Italiens im Weltkrieg aus. Er setzt damit die in der Öffentlichkeit des Landes entstandenen Diskussionen über eine Kriegsteilnahme Italiens fort.

19.11.1914, Donnerstag

Nach Berichten der norwegischen Gesandtschaft in London hat die britische Regierung die Kontrolle des Briefverkehrs mit Italien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden und der Schweiz angeordnet. Sie will damit möglichen antibritischen Spionageaktivitäten entgegenwirken.

20.11.1914, Freitag

Zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn wird der Postgiroverkehr wieder aufgenommen. Er war nach Beginn des Krieges unterbrochen worden.

21.11.1914, Samstag

Die in Berlin erscheinende sozialdemokratische Tageszeitung “Vorwärts” kritisiert die mangelnde Unterstützung für Arbeitslose im Deutschen Reich. Nach ihren Untersuchungen erhalten Arbeitslose staatlicherseits im Rahmen des Armenrechts lediglich einen Betrag von einer Mark pro Woche ausgezahlt. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Butter kostet 2,84 Mark, ein Kilogramm Kartoffeln 0,36 Mark.

In einer vom britischen Premierminister Herbert Henry Asquith sowie den früheren Regierungschefs Arthur James Balfour (Konservative) und Archibald Earl of Rosebery (Liberale) unterzeichneten Erklärung wird die britische Öffentlichkeit zu einmütigen Stellungnahmen gegen den deutschen Angriffskrieg aufgefordert. Zugleich weisen die Spitzenpolitiker auf die diplomatische Notwendigkeit hin, neutrale Staaten über die Ursachen des Weltkrieges aufzuklären.

22.11.1914, Sonntag

Der deutsche Großadmiral und Leiter des Reichsmarineamtes, Alfred von Tirpitz, fordert in Berlin, deutsche Unterseeboote zur Zerstörung ausländischer Handelsschiffe einzusetzen. Nach überraschenden deutschen Erfolgen im Unterseebootkrieg hatte sich zuvor bereits der Chef des deutschen Admiralstabes, Hugo von Pohl, trotz völkerrechtlichen Verbots für Angriffe gegen Handelsschiffe eingesetzt.

In Rom beschließt der italienische Ministerrat die Bereitstellung von 200 Millionen Lire (160 Millionen Mark) zum beschleunigten Ausbau der Marine. Italien fürchtet angesichts der flottentechnischen Überlegenheit anderer Staaten um seine maritime Vormachtstellung im Mittelmeer.

In einem in Petrograd (früher Petersburg, heute Leningrad) veröffentlichten amtlichen Bericht werden zahlreiche subversive Aktionen russischer Sozialdemokraten seit Beginn des Krieges von der Regierung zugegeben. Die revolutionären Aktivitäten russischer Sozialdemokraten führten bereits am 5. November zur Verhaftung von Abgeordneten des Parlaments (Duma).

23.11.1914, Montag

In einem umstrittenen Prozess verurteilt ein Pariser Kriegsgericht neun deutsche Militärärzte und Krankenpfleger zu langen Gefängnisstrafen wegen Plünderungen. Nach heftigen Protesten der französischen Öffentlichkeit und von diplomatischen Vertretern neutraler Staaten wird das Urteil am 10. Dezember jedoch wieder aufgehoben.

Die US-amerikanischen Besatzungstruppen ziehen sich aus der mexikanischen Stadt Veracruz Llave zurück. Sie waren dort nach der Verhaftung von US-Matrosen durch mexikanische Behörden am 21. April gelandet. Die Affäre hatte zu einem Konflikt zwischen beiden Ländern geführt.

24.11.1914, Dienstag

In der Schlacht um Lodz (seit 11.11.) misslingt der 9. deutschen Armee die Einkreisung russischer Truppen. Das deutsche Oberkommando an der Ostfront (Oberost) hatte die Offensive als Reaktion auf den Vormarsch russischer Truppen gegen Posen angeordnet.

Gegenüber dem Auswärtigen Amt in Berlin lehnt der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg jede deutsche Friedensinitiative ab. Nach seiner Ansicht würde sie innen- wie außenpolitisch als Zeichen der Schwäche gedeutet. Er reagiert damit auf ein Angebot des dänischen Königs Christian X. zur Vermittlung zwischen den kriegführenden Staaten.

Die deutsche Regierung gibt in Berlin die Ausdehnung des Zahlungsverbotes auf Russland bekannt. Danach ist Deutschen die Begleichung ausstehender Schulden bei russischen Gläubigern untersagt.

Im deutschen Reichstag in Berlin beantragt Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg in einer Ergänzung zum Staatshaushalt 1914 zur Bestreitung außerordentlicher Kriegsausgaben die Bereitstellung von fünf Milliarden Mark.

Nach einer von der britischen Admiralität in London veröffentlichten Verlustliste sind seit Ausbruch des Krieges 4107 britische Matrosen gefallen, während 2492 als vermisst gelten. Innerhalb des Offizierskorps kamen 220 Personen ums Leben, 51 werden vermisst.

25.11.1914, Mittwoch

In Warschau gründet der polnische Politiker Roman Dmowski das sog. Polnische Nationalkomitee (Komitet Narodowy Polski, KNP). Dmowski plädiert für die Vereinigung Polens mit dem russischen Zarenreich.

Die britische Regierung sperrt die am Firth of Forth (Schottland) gelegenen Häfen Grangemouth, Boness und Alloa für den allgemeinen Schiffsverkehr. Mit dieser Maßnahme will sie sich gegen verdeckte Kriegsaktionen durch Handelsschiffe verteidigen.

Im Deutschen Reich wird die sog. Kriegsgetreidegesellschaft gegründet. Ihr Leiter wird der stellvertretende Staatssekretär im preußischen Finanzministerium und spätere Reichskanzler Georg Michaelis.

Die Berliner “Vossische Zeitung” berichtet über die Einrichtung einer zentralen Büchersammelstelle für Soldaten in der Reichshauptstadt.

26.11.1914, Donnerstag

In Westgalizien und in den Karpaten scheitert eine russische Offensive gegen Österreich-Ungarn. Czernowitz wird von österreichisch-ungarischen Truppen besetzt.

27.11.1914, Freitag

Der deutsche Heerführer Paul von Beneckendorff und von Hindenburg wird vom deutschen Kaiser Wilhelm II. zum Generalfeldmarschall ernannt. Der 67-Jährige Generaloberst gewann nach seiner Reaktivierung enorme Popularität und wurde am 1. November Oberbefehlshaber an der Ostfront.

28.11.1914, Samstag

Der bayerische König Ludwig III. beauftragt den bayerischen Ministerpräsidenten Georg Graf von Hertling, sich bei der deutschen Reichsregierung in Berlin trotz der ungünstigen militärischen Lage für maximale Kriegsziele einzusetzen. u.a. fordert er die Eingliederung Belgiens.

Als Nachfolger von Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz ernennt der deutsche Kaiser Wilhelm II. den 70-Jährigen preußischen General Moritz Ferdinand Freiherr von Bissing zum Generalgouverneur von Belgien. Während von der Goltz als kaiserlicher Gesandter ins Osmanische Reich geht, soll Bissing u.a. deutschfreundliche Propaganda unter der flämischen Minderheit in Belgien betreiben.

29.11.1914, Sonntag

Mitglieder der SPD-Kreisorganisation Niederbarnim (Gros-Berlin) vereinbaren in Berlin mit dem zur innerparteilichen Minderheit der Kriegsgegner zählenden Franz Mehring die Verbreitung von Agitationsmaterial gegen die offizielle Burgfriedenspolitik der SPD-Führung. Die ersten Schriften dieses sog. Niederbarnimer Bildungsausschusses, einem künftigen Zentrum der innerparteilichen Opposition, erscheinen im Dezember 1914.

30.11.1914, Montag

Der britische König Georg V. reist zu einem fünftägigen Besuch der britischen Truppen auf den europäischen Kontinent. u.a. sucht er die Kriegsschauplätze in Westflandern und Nordfrankreich auf.

Chroniknet