Was geschah im Juli 1901

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Wetterstationen Juli 1901

1.7.1901, Montag

Im belgischen Abgeordnetenhaus in Brüssel erklärt Edouard Anseele – Mitbegründer der Sozialistischen Partei Belgiens (1885) -, seine Partei sei zur Übernahme von Ämtern in einer antiklerikalen Regierung bereit. Der Sozialist Anseele ist seit 1894 Parlamentsmitglied.

Der britische Kolonialminister Joseph Chamberlain teilt im Unterhaus in London mit, dass das Kap-Parlament vorläufig nicht zusammentreten könne. Daher werde der britische Gouverneur Alfred Milner die Regierungsbefugnisse bis auf weiteres allein ausüben.

Das Herren-Endspiel beim Tennis-Turnier in Wimbledon gewinnt der Brite Arthur Wenworth Gore in vier Sätzen gegen Titelverteidiger Reginald Frank Doherty. Den Damen-Titel holt sich am 3. Juli Charlotte Sterry (geb. Cooper). Sieger im Herren-Doppel werden erneut die Brüder Doherty.

Papst Leo XIII. erlässt Anfang Juli ein Schreiben an die katholischen Orden. Darin versichert er diesen seine Unterstützung gegenüber antiklerikaler Gesetzgebung (u.a. in Frankreich). Zugleich kündigt der Papst weitere Proteste gegen Gesetze an, die gegen die katholische Kirche gerichtet sind.

Nach Informationen aus Parteikreisen gibt es im Deutschen Reich im Juli bereits 50 sozialdemokratische Tageszeitungen.

In den USA beginnt ein großer Stahlarbeiterstreik.

Der preußische Kultusminister Konrad Studt erlässt neue Lehrpläne für die sog. Präparandenanstalten und Lehrerseminare. Ihnen zufolge wird die Vorbereitung auf den Volksschuldienst in den Seminaren stärker spezialisiert; außerdem soll die Ausbildung praxisnaher werden. Die Lehrpläne für den Religionsunterricht sind mit den kirchlichen Institutionen abgestimmt.

2.7.1901, Dienstag

Bei einer Nachwahl im Wiener Stadtbezirk Favoriten wird der sozialdemokratische Kandidat Victor Adler in den niederösterreichischen Landtag gewählt. Der 49-Jährige Adler ist Führer der österreichischen Sozialdemokratie.

In Paris verwirft die französische Abgeordnetenkammer mit 428 gegen 107 Stimmen einen Antrag auf Untersuchung etwaiger Greueltaten der Besatzungstruppen in China. Zugleich billigt sie mit 474 gegen 71 Stimmen einen Nachtragsetat in Höhe von 80 Mio. Francs (64,8 Mio. Mark). Er dient zur Deckung der Kosten für die Interventionstruppen.

3.7.1901, Mittwoch

Aus New York und weiteren US-amerikanischen Städten wird eine Hitzewelle bisher unbekannten Ausmaßes gemeldet. Mehrere hundert Personen sterben infolge Hitzschlages.

4.7.1901, Donnerstag

Erster Zivilgouverneur auf den Philippinen wird der US-amerikanische Politiker und spätere Präsident William Howard Taft.

Die Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel muss Konkurs anmelden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hermann Sumpf wird verhaftet. Bei dem ins Zwielicht geratenen Unternehmen mit seinen zahlreichen Tochtergesellschaften war die am 25. Juni zusammengebrochene Leipziger Bank maßgeblich beteiligt.

Die Kommunalvertretung der württembergischen Hauptstadt Stuttgart beschließt die Einrichtung eines städtischen Wohnungsamtes und einer besonderen Abteilung für Wohnungswesen.

Alle Rückfahrkarten der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen haben künftig eine Geltungsdauer von 45 Tagen. Die Regelung wird von anderen Bundesstaaten wie Baden und Sachsen übernommen. In Bayern gilt sie im Verkehr mit den preußisch-hessischen Staatsbahnen. Auch im Ausland wird diese Vereinfachung der Tarife z.T. eingeführt.

5.7.1901, Freitag

Im Oberhaus in London wird dem britischen Marineministerium eine ungenügende Stärke der Mittelmeerflotte vorgeworfen. Von Regierungsseite heißt es daraufhin, dass in Zeiten politischer Stabilität die Mittelmeerflotte nicht in ständiger Kriegsbereitschaft gehalten werden müsse.

6.7.1901, Samstag

In Russland werden regierungsoffizielle Pläne zur Reorganisation des Mittelschulsystems bekannt. Danach soll Unterricht in Naturwissenschaften und modernen Fremdsprachen sowie “Vaterlandskunde” eingeführt werden. Zugleich ist eine Ausweitung des Turnunterrichts vorgesehen.

Die Leipziger Sicherheitsbehörden verbieten einen für das Jahresfest der örtlichen Gewerkschaften geplanten Festzug von Arbeitern.

Im oberschlesischen Beuthen (heute Bytom) kommt es bei einem Zirkustransport zu einem folgenschweren Unfall. Ein Sonderzug des derzeit im Deutschen Reich gastierenden US-amerikanischen Zirkus Barnum & Bailey fährt mit hoher Geschwindigkeit auf einen zweiten Zug auf. Dabei kommen zwei Menschen ums Leben, weitere werden schwer verletzt. Auch zahlreiche Tiere werden getötet.

7.7.1901, Sonntag

Der Deutsche Radmeister Thaddeus Robl wird in Berlin Steher-Weltmeister. Bei den Amateuren gewinnt (am 11. 7.) der Berliner Heinrich Sievers. Den Titel im Profi-Sprint holt sich am WM-Schlusstag (13. 7) der Däne Thorwald Ellegaard.

In Nürnberg beginnt der zweitägige fünfte Kongress für Volks- und Jugendspiele. Der Vorsitzende des Zentralausschusses zur Förderung von Volks- und Jugendspielen der preußische Reformpädagoge Emil von Schenckendorff, gibt einen Bericht über die zehnjährige Arbeit des 1891 gegründeten Verbands. Weitere Themen auf dem Treffen sind Volkssport und Krankheit sowie die Spielplatzfrage.

8.7.1901, Montag

Die Reederei Hamburg-Amerika-Linie ersucht das deutsche Auswärtige Amt um Unterstützung gegen ein geschäftsschädigendes Gesetz, das in der britischen Kolonie Straits Settlement droht. Danach soll die Einreise chinesischer Deckpassagiere auf nicht-britischen Schiffen untersagt werden.

Kaiser Wilhelm II. beginnt seine traditionelle Nordland-Reise. Die Fahrt wird wegen der schweren Erkrankung seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, am 3. August jedoch vorzeitig beendet.

9.7.1901, Dienstag

Zur Klärung der noch umstrittenen Punkte bei der Grenzfestsetzung zwischen Togo und Dahomey (Westafrika) tritt eine deutsch-französische Kommission in Paris zusammen.

Rumänien und Bulgarien ordnen strenge Quarantänemaßregeln gegen die in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) um sich greifende Pest an. Auch im südfranzösischen Marseille werden auf einem Schiff, das aus Ostasien kommt, Pestfälle festgestellt.

Die britischen Liberalen sprechen ihrem Fraktionsvorsitzenden Henry Campbell-Bannerman auf einer Versammlung in London einstimmig ihr Vertrauen aus. Im Gegensatz zu großen Teilen der Fraktion ist der spätere Premierminister Campbell-Bannerman Gegner des britischen Engagements im Burenkrieg.

10.7.1901, Mittwoch

Die spanische Regierung verhängt über die Stadt Sevilla den Belagerungszustand.

Einem Beschluss der französischen Bergarbeiter-Gewerkschaft zufolge soll ein Mindestlohn für Arbeiter in allen Staaten gefordert werden. Zur Durchsetzung dieser Forderung schlägt die Gewerkschaft die Einberufung einer internationalen Konferenz vor.

11.7.1901, Donnerstag

In Posen (Poznan) beginnt vor einem deutschen Gericht ein Prozess gegen eine Gruppe polnischer Akademiker wegen angeblicher “Geheimbündelei”.

Die Wahl des freisinnigen Stadtrats Gustav Kauffmann zum Bürgermeister von Berlin wird vom preußischen König (und deutschen Kaiser) Wilhelm II. nicht bestätigt. Diese Entscheidung, die in liberalen Kreisen für heftige Kritik sorgt, führt zu einer anhaltenden Auseinandersetzung zwischen dem Staatsoberhaupt und der Berliner Stadtverordnetenversammlung.

12.7.1901, Freitag

Als Nachfolger von Federico Errázuriz Echaurren wird in Chile Germán Riesco neuer Staatspräsident.

Die für das Deutsche Reich bestimmte chinesische “Sühnegesandtschaft” reist von Peking ab.

13.7.1901, Samstag

Kaiser Wilhelm II. erlässt eine sog. Order für die Marineeinheiten der deutschen Interventionstruppen in China. Diese werden mit ihrer Heimreise wieder dem Befehlsbereich der örtlichen Marineinspektion unterstellt.

Die Berliner Illustrierte “Die Woche”” berichtet von ersten Ergebnissen der 1900 von dem britischen Archäologen Arthur J. Evans begonnenen Ausgrabungsarbeiten am Palast von Knossos (Kreta). Evans legt in 25-Jähriger Arbeit einen aus der Zeit um 1700 v. Chr. stammenden Komplex als Zeugnis der sog. minoischen Kultur frei.

Das Pferd Extra Dry unter dem französischen Reiter Henri Leclerc überwindet in Rouen ein 2-m-Hindernis, das bedeutet Hochsprung-Weltrekord für Pferde.

14.7.1901, Sonntag

In Berlin springt der Deutsche Rudolf Schindler mit 6,35 m deutschen Rekord im Weitsprung.

15.7.1901, Montag

In der russischen Presse häufen sich deutschfeindliche Artikel. Die Zeitungen kritisieren u.a. das Vordringen der Deutschen in Polen. Im Hintergrund steht vor allem der Streit um die neuen deutschen Zolltarife.

In Russland droht Presseberichten zufolge in sechs Gouvernements, in den baltischen Provinzen und an der mittleren Wolga eine Missernte und Futtermangel.

In Tirol scheitern Versuche, einen Ausgleich zwischen den Interessen der deutsch- und der italienischsprachigen Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Das gesamte Land gehört seit 1814 zu Österreich. Nach Niederschlagung des sog. Tiroler Freiheitskampfes (1809) war Südtirol zeitweise italienisch.

16.7.1901, Dienstag

Im Harzer Kurort St. Andreasberg wird die erste Heilstätte für weibliche Lungenkranke eröffnet.

17.7.1901, Mittwoch

Der Kongostaat verbleibt weiter in Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. Zugleich stundet das belgische Parlament dem Freistaat ein Darlehen in Höhe von 25 Mio. belgischen Francs (20,25 Mio. Mark).

Im München kommen Vertreter von Landwirtschaft, Industrie und Handel mit dem bayerischen Innenminister Max Freiherr von Feilitzsch und Finanzminister Emil Freiherr von Riedel zusammen. Ziel der Unterredung ist die Erörterung des wirtschaftspolitischen Kurses des Freistaats Bayern angesichts bevorstehender handelspolitischer Beschlüsse (u.a. Zolltarifentwurf).

Der Dampfer “Deutschland” verbessert seinen eigenen, 1900 aufgestellten Geschwindigkeitsrekord auf der Nordatlantikroute (“Blaues Band”).

18.7.1901, Donnerstag

Einer Bestimmung des deutschen Kaisers Wilhelm II. zufolge wird der 36-Jährige Geograph und Geophysiker Erich von Drygalski offiziell zum Leiter der deutschen Südpolarexpedition ernannt. Zugleich werden die Aufgaben der großen Expedition umrissen.

19.7.1901, Freitag

Bei Unruhen im spanischen Saragossa werden über 50 Personen verwundet, als es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen antiklerikalen Demonstranten und Vertretern des katholischen Klerus kommt.

Die belgische Regierung legt in Brüssel einen Entwurf zur Heeresreform vor. Er sieht eine bedeutende Herabsetzung der Dienstzeit, eine Verringerung der Präsenzstärke sowie die Anwerbung von Freiwilligen vor. Die Möglichkeit zum “Freikauf” vom Militärdienst bleibt jedoch bestehen. Der belgische König Leopold II. dagegen strebt die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht an.

Im russisch beherrschten Finnland wird das Wehrpflichtgesetz geändert. Danach werden die finnischen Bataillone teilweise aufgelöst. Für die Ernennung zum Offizier oder Unteroffizier ist die Kenntnis der russischen Sprache Vorbedingung. Das Gesetz stößt in der finnischen Bevölkerung auf einhelligen Widerstand. Viele Geistliche weigern sich, die neuen Vorschriften von der Kanzel zu verlesen. Finnland ist seit dem Jahr 1809 ein sog. russisches Großfürstentum.

20.7.1901, Samstag

Nach Meldungen aus Straßburg hat der elsass-lothringische Staatssekretär Maximilian von Puttkamer seinen Rücktritt eingereicht. Zu seinem Nachfolger wird der bisherige Oberpräsident von Schleswig-Holstein, Ernst Matthias von Köller, ernannt. Der Deutschkonservative Köller war zwischen 1889 und 1894 Leiter des Innenressorts in Elsass-Lothringen sowie 1889/95 preußischer Innenminister. Er gilt als autoritärer Gegner jeder liberalen Politik und engagierte sich auch im Kampf der Konservativen gegen die Sozialdemokratie.

In einem Wahlaufruf der badischen Sozialdemokraten wird die “volle Weltlichkeit der Schule und die völlige Trennung der Kirche vom Staat” gefordert. Außerdem treten sie für die “völlige gesetzliche Gleichberechtigung aller Staatsbürger in politischer und religiöser Beziehung” sowie für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ein. In Baden finden am 15. Oktober Landtagswahlen statt.

Ein in Petersburg (heute Leningrad) veröffentlichtes russisches Gesetz regelt Verkauf und Verpachtung von Staatsländereien in Sibirien zu landwirtschaftlichen Zwecken.

21.7.1901, Sonntag

Bei den französischen Generalratswahlen verzeichnen die regierenden republikanischen Radikalen deutliche Gewinne. Die Nationalisten verlieren Stimmenanteile. Beim Generalrat (Conseil général) handelt es sich um eine dem Präfekten der Départements zugeordnete Einrichtung. Die Abgeordnetenzahl richtet sich nach der Größe des Départements. Ein Drittel aller Mandatsträger wird alle drei Jahre nach dem allgemeinen Wahlrecht neu gewählt.

22.7.1901, Montag

Zu den Teilnehmern eines internationalen Tuberkulose-Kongresses, der in London eröffnet wird, zählt u.a. Robert Koch. Der deutsche Bakteriologe stellt auf dem Treffen neue Forschungsergebnisse vor.

Das britische Oberhaus trifft im sog. Taff Vale Case eine heftig umstrittene Entscheidung. Eine Eisenbahnergewerkschaft wird zur Leistung von Schadensersatz für Vergehen einzelner Streikposten verurteilt.

23.7.1901, Dienstag

In Bayreuth begehen die Richard-Wagner-Festspiele ihr 25-Jähriges Jubiläum. In diesem Rahmen wird erstmals im Bayreuther Festspielhaus Wagners Frühwerk “Der fliegende Holländer” aufgeführt.

Bei einer Explosion auf dem mit 5000 t Petroleum beladenen US-Dreimaster “Luise Adelaide” in Stockholm kommen 15 Menschen ums Leben. Die Explosion erfolgt, als schwedische Zollbeamte mit einer Zollrevision auf dem Schiff beginnen wollen.

Der Hengst und Derby-Sieger Tuki gewinnt den Großen Preis von Berlin. Damit vergrößert sich die Gewinnsumme des Pferdes in der laufenden Saison auf 165 000 Mark.

24.7.1901, Mittwoch

In Dänemark wird erstmals ein Kabinett unter Beteiligung der Reformpartei (Venstre) gebildet. Neuer Ministerpräsident und Außenminister wird der Jurist Johann Heinrich Deuntzer. Bei den Parlamentswahlen vom 3. April hatte die Venstre einen deutlichen Sieg über die politische Rechte errungen. Daraufhin hatten breite Kreise von König Christian IX. eine Mitwirkung der Reformpartei an der Regierung gefordert.

25.7.1901, Donnerstag

Bei einem schweren Zugunglück in Basel kommen vier Personen ums Leben, und zahlreiche Fahrgäste werden schwer verletzt. Ursache ist ein zwischen Basel und dem Elsass verkehrender Güterzug, der entgleist. Infolge der Verkehrsstörung stoßen zwei weitere Züge zusammen, zwei Personen werden dabei leicht verletzt.

26.7.1901, Freitag

Nach einer Verordnung des sächsischen Kultusministers Paul von Seydewitz können Abiturienten der deutschen Realgymnasien ab 1. Oktober ein Medizinstudium an der Universität Leipzig aufnehmen.

Zahlreiche Anleger beginnen mit einem Sturm auf die hannoversche Renten- und Kapitalversicherungsanstalt. Gerüchten zufolge ist die Sparkasse in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Hintergrund der verbreiteten Unsicherheit steht der Zusammenbruch der Leipziger Bank und weiterer kleinerer Banken.

Im deutschen Reichsanzeiger wird der Entwurf des neuen Zolltarifgesetzes veröffentlicht. Danach beträgt der Weizenzoll 6,50 Mark, der Roggenzoll 6 Mark. Beim Abschluss von Handelsverträgen darf er um nicht mehr als 1 Mark ermäßigt werden. Linke und liberale Zeitungen (“Vorwärts”, “Vossische Zeitung”) sehen in den Bestimmungen, vor allem in der gesetzlichen Bindung der Mindestzölle, ein unvertretbares Zugeständnis an die Großagrarier. Der Bund der Landwirte. erklärt demgegenüber die neuen Sätze für zu niedrig.

27.7.1901, Samstag

In Den Haag tritt das niederländische Kabinett unter Ministerpräsident Nicolaas Gerhard Pierson nach der Niederlage der Liberalen bei den Parlamentswahlen zurück. Am 1. August bildet der Theologe Abraham Kuyper ein neues Kabinett.

28.7.1901, Sonntag

In Visby auf der schwedischen Insel Gotland beginnen die sog. Ruinen-Festspiele. In der alten Kirchenruine von St. Nikolaus wird ein mittelalterliches Schauspiel aufgeführt, das die Zeit der ersten schwedischen Kreuzzüge nach Finnland behandelt. In dem von Ossian Hamrin inszenierten, aus dem Nachlass des am 12. März 1898 verstorbenen finnischen Schriftstellers Zacharias Topelius stammenden Stück spielen die Einwohner Visbys als Laiendarsteller.

29.7.1901, Montag

Im militärischen Konflikt zwischen den südamerikanischen Staaten Kolumbien und Venezuela scheitert der Einmarsch kolumbianischer Truppen in das Nachbarland.

Die Führung der deutschen Besatzungstruppen in China übergibt den von ihnen benutzten Teil des Pekinger Kaiserpalastes wieder an die chinesische Führung. In dem Palast, der am 18. April teilweise niederbrannte, befand sich das deutsche Hauptquartier. Im Juli wird zwischen den Grosmächten über die Deckung der chinesischen Reparationszahlungen nach Ende des Boxeraufstandes verhandelt. Dabei widersetzt sich Großbritannien einer von Russland gewünschten Erhöhung der Zölle.

In Rom, Monza und anderen italienischen Städten finden Gedächtnisfeiern zur Erinnerung an den vor einem Jahr ermordeten König Humbert I. statt. Dieser wurde am 29. Juli 1900 von dem Anarchisten Gaetano Bresci getötet.

30.7.1901, Dienstag

Nach Mitteilung des Präsidenten des britischen Handelsamtes, Gerald Balfour, ist der beratende Ausschuss dieser Behörde zu einer Sitzung über die Zolltarifvorlage zusammenberufen worden. Auch in anderen europäischen Ländern wächst die Besorgnis über eine Schutzzollpolitik des Deutschen Reiches. In Belgien wird bereits eine Erhöhung der Zölle auf deutsche Produkte gefordert. Die russische Presse erachtet den Abschluss eines neuen Handelsvertrages angesichts der am 26. Juli veröffentlichten Zollsätze für unwahrscheinlich.

Zar Nikolaus II. verfügt die Erschließung der ostsibirischen Küste für die Erdölindustrie.

31.7.1901, Mittwoch

Mit Beatrice Edgall erwirbt erstmals eine Frau an der Universität Würzburg einen Doktortitel. Sowohl im höheren Schulwesen als auch im Hochschulbereich werden Frauen nach wie vor entscheidend benachteiligt.

Chroniknet