Was geschah im Mai 1948

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1.5.1948, Samstag

Der griechische Justizminister Christos Ladas kommt bei einem Sprengstoffanschlag der kommunistischen Aufstandsbewegung (EAM) ums Leben, worauf von der Regierung über die Hauptstadt Athen das Kriegsrecht verhängt wird.

Die britische und die US-amerikanische Militärregierung in Deutschland genehmigen eine allgemeine Lohnerhöhung von 15% in ihren Besatzungszonen.

2.5.1948, Sonntag

Durch einen 2:1-Erfolg über den FC St. Pauli wird der Hamburger Sportverein (HSV) Norddeutscher Fußballmeister.

Beim Automobil-Langstreckenrennen Mille Miglia durch Italien siegt Clemente Biondetti auf Ferrari.

3.5.1948, Montag

Während der bürgerkriegsähnlichen Zustände in Griechenland lässt die Regierung 213 Kommunisten und Partisanen hinrichten.

In Austin im US-Bundesstaat Texas verursacht ein Wirbelsturm den Einsturz einer Schule. Dabei kommen 15 Kinder ums Leben, 300 Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

Der US-amerikanische Dramatiker Tennessee Williams erhält für sein Theaterstück “A Streetcar named Desire” (Endstation Sehnsucht) den Pulitzer-Preis.

4.5.1948, Dienstag

In der Ostzone wird ein Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht veröffentlicht, in dem das von der nationalsozialistischen deutschen Regierung nach 1933 beschlagnahmte Eigentum deutscher Parteien, Gewerkschaften und anderer Organisationen wieder zurückgegeben wird.

Der britische Außenminister Ernest Bevin schlägt eine Erweiterung der Westunion zu einem nordatlantischen Verteidigungsbündnis vor.

In Frankreich treten die kommunistischen Mitglieder des Obersten Gerichtshofes aus Protest gegen die Ernennung des Radikalsozialisten Edgar Faure zum Vizepräsidenten des Gerichts von ihren Ämtern zurück.

Die deutsche Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen der Ostzone gibt neue, verschärfte Bestimmungen für den Post- und Paketverkehr zwischen Berlin und den Westzonen bekannt.

In Hannover protestieren rund 66 000 Arbeiter und Angestellte gegen die unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln.

In Northfield/USA wird Bertolt Brechts Theaterstück “Der kaukasische Kreidekreis” in englischer Sprache uraufgeführt.

5.5.1948, Mittwoch

Die US-amerikanische Militärregierung in Deutschland bezeichnet die von der deutschen Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen der Ostzone erlassenen Bestimmungen über den Paketverkehr zwischen Berlin und den Westzonen für die Westsektoren Berlins als unzulässig.

In München wird die bis zum 14. Juni dauernde deutsche Presseausstellung eröffnet.

6.5.1948, Donnerstag

Infolge der Massenhinrichtungen in Griechenland, die am 3. Mai auf Anordnung der Regierung begonnen haben, kommt es von seiten Großbritanniens und der UdSSR zu Protesten.

In Pilsen in der Tschechoslowakei, das im Mai 1945 durch US-amerikanische Truppen von deutscher Besetzung befreit worden war, finden pro-amerikanische Demonstrationen statt.

In Großbritanniens Hauptstadt London werden die Viermächteverhandlungen über einen Friedensvertrag mit dem Land Österreich auf unbestimmte Zeit vertagt.

Der belgische Ministerpräsident, Paul Henri Spaak, tritt wegen des Streites um die Sprachregelung an den Schulen des Landes von seinem Amt zurück.

Der US-amerikanische Senator Glenn Taylor wird zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er als Weißer auf dem Wege zu einer politischen Versammlung im Bundesstaat Alabama demonstrativ einen für die farbige Bevölkerung vorgeschriebenen Eingang benutzte.

Das Aufnahmelager Gronenfelde bei Frankfurt an der Oder gibt die Ankunft des 500 000. in diesem Jahr aus sowjetischem Gewahrsam in die Heimat entlassenen deutschen Kriegsgefangenen bekannt.

In London wird der britische Film “Hamlet” nach dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare uraufgeführt; Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller ist Laurence Olivier.

7.5.1948, Freitag

In der niederländischen Hauptstadt Den Haag beginnt ein zweitägiger Europakongress, der die Voraussetzungen für die Errichtung eines europäischen Parlaments schaffen soll.

In Rumänien wird der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei, Constantin Petrescu, verhaftet.

Ein tschechisches Verkehrsflugzeug wird auf einem Inlandflug von zwei Frauen nach Bayern entführt.

8.5.1948, Samstag

Die Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) fordert die 16 europäischen Staaten, die sich am Marschallplan beteiligen, auf, bis zum 22. Mai ihren Bedarf an Hilfsleistungen für das erste Quartal des laufenden Jahres beim Sitz der OEEC in Paris anzumelden.

Im Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan greift die Armee Pakistans auf der Seite der moslemischen Rebellen in die Kämpfe ein.

In dem mittelamerikanischen Staat Costa Rica wird nach der Proklamation der Zweiten Republik die Armee aufgelöst.

9.5.1948, Sonntag

In der Tschechoslowakei verabschiedet die Nationalversammlung die neue Verfassung, in der das Land als “Volksdemokratie auf dem Wege zum Sozialismus” bezeichnet wird.

In Köln wird die im Krieg zerstörte Hohenzollern-Eisenbahnbrücke über den Rhein nach ihrem Wiederaufbau dem Verkehr übergeben.

10.5.1948, Montag

In der Ostzone wird der Abschluss der Bodenreform bekanntgegeben, die im Herbst 1945 eingeleitet wurde. Alle Güter mit einer Größe von über 100 ha wurden enteignet, aufgeteilt und an landlose Bauern und Landarbeiter vergeben.

Belgien und die Niederlande schließen ein Militärabkommen.

In Südkorea finden Wahlen zur Nationalversammlung statt, die unter Aufsicht der Vereinten Nationen (UN) stehen und aus denen die Rechtspartei von Syngman Rhee als stärkste Partei hervorgeht.

11.5.1948, Dienstag

In Italien wird der frühere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Luigi Einaudi, zum Staatspräsidenten gewählt.

12.5.1948, Mittwoch

Die arabischen Verteidiger Jaffas ergeben sich angreifenden jüdischen Verbänden.

13.5.1948, Donnerstag

Die US-amerikanische Militärregierung in Deutschland hebt das Beschäftigungsverbot für ehemalige Mitglieder der NSDAP auf.

Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin beauftragt den Magistrat, Maßnahmen zur Errichtung einer Freien Universität in den Westsektoren der Stadt zu ergreifen.

Die Deutsche Wirtschaftskommission der Ostzone (DWK) beschließt die Aufstellung eines Zweijahresplans für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Jahren 1949 und 1950.

In Heidelberg findet die achte Interzonenkonferenz der deutschen Gewerkschaften statt.

In München müssen die Kammerspiele und die Bayerische Staatsoper ihren Spielplan vorläufig aussetzen, da zahlreiche Schauspieler und Sänger infolge der schlechten Ernährung entkräftet sind.

Eine schweizerische Firma stellt in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington einen Anrufbeantworter vor.

14.5.1948, Freitag

Der britische und der US-amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Sir Brian Robertson und General Lucius D. Clay, teilen Vertretern der bizonalen Wirtschaftsverwaltung in Frankfurt am Main mit, dass künftig zwei deutsche Vertreter an der Durchführung des Europäischen Wiederaufbauprogramms beteiligt werden.

Der französische Stadtkommandant von Berlin, General Jean Ganeval, verbietet die Durchführung des vom Deutschen Volksrat in der Ostzone beantragten Volksbegehrens über die Einheit Deutschlands.

In Tel Aviv proklamiert David Ben Gurion den Staat Israel.

Der Alliierte Kontrollrat für Österreich legt die Besatzungskosten neu fest; sie betragen künftig 10,5% des Bundeshaushalts.

Die Deutsche-Film AG (DEFA) der Ostzone kündigt für das Produktionsjahr 1948/49 15 neue Spielfilme an.

15.5.1948, Samstag

Truppen der arabischen Nachbarstaaten Israels rücken in den am Vortag proklamierten Staat ein.

Die US-amerikanische Besatzungsmacht in Österreich erhält wieder freie Durchfahrt durch die sowjetisch besetzte Zone des Landes.

In Italien startet das bis zum 6. Juni dauernde Radstraßenrennen Giro d’Italia. Die 4164 km lange Rundfahrt gilt als das nach der Tour de France schwerste Rennen der Welt.

In Berlin verteidigt in einem Boxkampf um die deutsche Schwergewichtsmeisterschaft Hein ten Hoff seinen Titel gegen Arno Kölblin durch K. o. in der fünften Runde.

16.5.1948, Sonntag

Neuer Schachweltmeister wird in der sowjetischen Hauptstadt Moskau Michail Botwinnik aus der UdSSR.

Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich noch rund 625 000 Flüchtlinge in Europa, in Mittel- und Fernost in Lagern der UN-Flüchtlingsorganisation.

Der Autorennfahrer Giuseppe Farina aus Italien gewinnt auf Maserati den Großen Preis von Monaco.

17.5.1948, Montag

Die USA beenden ihre zweijährigen Atombombenversuche auf dem Eniwetok-Atoll im Südpazifik.

Bei einem Fußball-Länderspiel in Wien schlägt die Nationalmannschaft Österreichs die Vertretung der Schweiz 3:1.

18.5.1948, Dienstag

In Frankfurt am Main wird des 100. Jahrestages der ersten deutschen Nationalversammlung gedacht; die Gedenkfeiern finden in der wiederaufgebauten Paulskirche statt.

Die US-amerikanische Militärregierung erlässt ein Einfuhrverbot für sowjetisch lizenzierte Presse-Erzeugnisse in ihre Besatzungszone.

Erstmals seit Kriegsende dürfen Deutsche wieder zu kurzen Besuchsreisen nach Großbritannien fahren.

In Chicago (USA) wird eine Kamera vorgestellt, die innerhalb kurzer Zeit ein Negativ entwickelt und fixiert.

In Turin besiegt die englische Fußballauswahl die italienische Nationalmannschaft mit 4:0 Toren.

20.5.1948, Donnerstag

Die sowjetische Zentralkommandantur in Berlin hebt ein von der Stadtverordnetenversammlung ausgesprochenes Verbot auf, öffentliche Einrichtungen zur Einschreibung für die Teilnahme am Volksbegehren des Volksrates der Ostzone zu benutzen.

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) protestiert bei der US-amerikanischen Militärverwaltung gegen ein Verbot der Einfuhr sowjetisch lizenzierter Veröffentlichungen in die US-amerikanische Zone.

In Frankfurt am Main findet eine Konferenz des Deutschen Städtetages statt.

In Saigon wird General Nguyen Van Xuan zum Ministerpräsidenten der provisorischen Zentralregierung Vietnams gewählt.

Der österreichische Bundeskanzler Leopold Figl protestiert gegen die Neufestsetzung der Besatzungskosten durch die Alliierten und erklärt die Besetzung Österreichs für rechtswidrig.

Ägyptische Truppenverbände haben auf ihrem Vormarsch nach Palästina die Negev-Wüste, Gaza und Hebron erobert.

Der Leiter des evangelischen Hilfswerks, Eugen Gerstenmaier, gibt bekannt, dass allein im März rund eine Million Geschenkpakete von US-Amerikanern nach Deutschland geschickt wurden.

Die Fußballnationalmannschaft der Schweiz unterliegt in Zürich der englischen Auswahl mit 0:4 Toren.

21.5.1948, Freitag

In Finnland kommt es nach Abschluss des Beistandspaktes mit der Sowjetunion zu einer Regierungskrise.

Robert Heinlein, der Leiter des Flugforschungsinstituts der US-amerikanischen Marine, gibt in Washington bekannt, dass ein Flug zum Mond in absehbarer Zeit möglich sein wird.

22.5.1948, Samstag

In Hannover wird die bis zum 6. Juni dauernde 2. Exportmesse eröffnet.

23.5.1948, Sonntag

In Berlin beginnt die Auslegung der Listen für das vom Deutschen Volksrat der Ostzone initiierte Volksbegehren für die Einheit Deutschlands.

Israelische Truppen haben in einem Gegenangriff nach tagelangen Kämpfen die syrischen Einheiten der arabischen Armee aus dem Jordan-Tal vertrieben und erhebliche Geländegewinne gemacht.

In Italien wird unter Führung des christdemokratischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi eine neue Regierung gebildet.

Der polnische Primas der katholischen Kirche, Kardinal August Hlond, wendet sich gegen eine marxistische Beeinflussung der Jugend.

In Frankfurt am Main endet der deutsche Schriftstellerkongress, der am 21. Mai begonnen hatte.

Der belgische Boxer Cyrille Belannoit wird durch einen Punktsieg über Titelverteidiger Marcel Cerdan aus Frankreich neuer Weltmeister im Mittelgewicht.

In Schaffhausen unterliegt die schweizerische Fußballauswahl England 0:6.

24.5.1948, Montag

Die US-amerikanische Regierung gibt bekannt, dass sie die Verhandlungen über einen Staatsvertrag für Österreich nicht wieder aufnimmt, solange die UdSSR ihren Standpunkt in der Reparationsfrage nicht ändert.

In Jugoslawien werden auf Anordnung der Regierung über 1000 Kleinunternehmen in staatliches oder in Genossenschaftseigentum überführt.

In London wird Benjamin Brittens Oper “The Beggars Opera” (Die Bettleroper) uraufgeführt.

25.5.1948, Dienstag

In der Ostzone treten die Gründungsausschüsse zur Bildung der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zusammen.

Arabische Truppen erobern die Altstadt von Jerusalem.

In Leipzig wird die Aufführung von Eugene O’Neills “Trauer muss Elektra tragen” nach fünf Vorstellungen aus politischen Gründen verboten.

26.5.1948, Mittwoch

Der Wirtschaftsrat der deutschen Bizone bittet die alliierten Militärregierungen, die geforderten Demontageleistungen nochmals zu überprüfen.

In der Ostzone wird die Einrichtung einer zentralen Notenbank mit Sitz in Potsdam beschlossen.

Bei den Parlamentswahlen in Südafrika erleiden die Unionisten von Ministerpräsident Feldmarschall Jan Christiaan Smuts eine Niederlage gegen die Nationalisten von Daniel Malan.

27.5.1948, Donnerstag

Die bulgarische Regierung beschließt die Verstaatlichung sämtlicher Bodenschätze des Landes.

28.5.1948, Freitag

Die britische Regierung wirft der Schweiz vor, sie habe ihre vertragliche Verpflichtung zur Liquidierung der deutschen Guthaben auf Schweizer Konten in Höhe von 500 Millionen Schweizer Franken nicht erfüllt, die Regierung in Bern weist diese Vorwürfe zurück.

Der Chef der Nachrichtenkontrolle der US-amerikanischen Militärregierung in Deutschland, Oberst Gordon E. Textor gibt in Berlin die Aufhebung des Verbotes der Einfuhr sowjetisch lizenzierter Veröffentlichungen in die US-amerikanische Zone bekannt.

Der stellvertretende Oberste Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), Generalleutnant Michail J. Dratwin erklärt auf einer Pressekonferenz in Berlin, die Sowjetische Militäradministration halte die Durchführung einer Währungsreform nur in allen Besatzungszonen Deutschlands für sinnvoll.

Das Schloss Schönbrunn bei Wien, das der britischen Besatzungsmacht in Österreich als Hauptquartier diente, wird an Österreichs Regierung zurückgegeben.

In München treffen 54 der 202 Gemälde aus dem ehemaligen Besitz des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums aus New York kommend wieder in Deutschland ein, die Bilder waren im Jahre 1945 von den Vereinigten Staaten beschlagnahmt worden.

29.5.1948, Samstag

Durch den Einsatz von aus der Tschechoslowakei gelieferten Jagdflugzeugen vom Typ “Messerschmitt 109” der ehemaligen deutschen Luftwaffe gelingt es der israelischen Armee, den Vormarsch der ägyptischen Einheiten nach Palästina zu stoppen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verkündet einen Waffenstillstandsbefehl für Palästina. Zum Leiter der UNO-Vermittlungskommission wird der Vorsitzende des schwedischen Roten Kreuzes, Graf Folke Bernadotte, ernannt.

Polen und Bulgarien schließen in Warschau einen Freundschafts- und Beistandspakt ab.

30.5.1948, Sonntag

Bei den Kommunalwahlen in Bayern erleidet die CSU eine schwere Niederlage.

Das Innenministerium der Tschechoslowakei gibt das Ergebnis der Parlamentswahlen bekannt, bei denen die in der Nationalen Front vereinigten Parteien rund 90% der abgegebenen Stimmen erhielten.

In Paris enden die französischen Tennismeisterschaften. Im Herrenfinale schlägt Frank Parker aus den Vereinigten Staaten Jaroslaw Drobny aus der Tschechoslowakei in vier Sätzen. Bei den Damen kann sich die Französin Nelly Laundry gegen die US-Amerikanerin Shirley Fry durchsetzen.