Neue Unis gegen Bildungskatastrophe

Bildung 1978:

Nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit wird im Oktober die Universität Passau im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (CSU) feierlich eröffnet. Es ist die neunte Hochschule bzw. Fachhochschule in Bayern. Insgesamt gibt es im Bundesgebiet und in Berlin (West) nunmehr 54 Universitäten bzw. Fachhochschulen mit rund 950 000 Studenten. An den zehn Gesamthochschulen Westdeutschlands studieren rund 65 000 Personen.

Die Uni Passau wurde als »überschaubare Hochschule« konzipiert und soll später 4000 Studienplätze bieten. Der Studienbetrieb wird zunächst mit rund 500 Studierenden in den Fachbereichen Theologie, Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaft und Pharmazie aufgenommen.

Die Uni Passau steht als jüngste Hochschule in einer Reihe mit den rund zehn Universitäten, die seit Anfang der 60er Jahre und verstärkt nach 1970 im Zuge einer Neuorientierung der Bildungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland gegründet wurden. Durch Ausbau des Hochschulwesens sollte zum einen die 1964 beschworene »Bildungskatastrophe« (Georg Picht) abgewendet und zum anderen höhere Bildung verstärkt auch für Kinder aus sozial benachteiligten Schichten zugänglich gemacht werden. Eine Öffnung der Universitäten und ihre inhaltliche wie organisatorische Modernisierung wurden in beachtlichem Maße erreicht, doch werfen die sprunghaft gestiegenen Studentenzahlen schwerwiegende neue Probleme auf. Niveauverlust, »linke Kaderschmieden«, allzu lange Studiendauer, anonyme Massenuniversität, Numerus clausus: Das sind die Stichworte, die seit Mitte der 70er Jahre die hochschulpolitische Debatte bestimmen.