Friedensnobelpreis für KZ-Häftling Ossietzky – Thomas Mann ausgebürgert

Friedensnobelpreis für KZ-Häftling Ossietzky – Thomas Mann ausgebürgert
Carl von Ossietzky als Häftling im Konzentrationslager Esterwegen. Bundesarchiv, Bild 183-93516-0010 / Unknown / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1936:

Ein anderes berühmt gewordenes Bild zeigt den Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky im Konzentrationslager. Ossietzky erhält am 23. November 1936 nachträglich den Friedensnobelpreis für 1935 zugesprochen und nimmt trotz der Drangsalierungen seiner Peiniger die Ehrung an, die in Abwesenheit des Preisträgers stattfindet. Die Aufnahme vom Appell des misshandelten Intellektuellen vor dem KZ-Wachmann wirkt wie eine Inszenierung des Titels von Ossietzkys Vortrag »Kultur und Barbarei«, der ihm 1933 Festnahme und KZ-Haft einbrachte. Ossietzky stirbt 1938.

Das Vorrücken der Barbarei über die Kultur manifestiert sich 1936 auch in der Ausbürgerung eines besonders prominenten Schriftstellers: Dem im Schweizer Exil lebenden Thomas Mann wird die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, nachdem er folgende Worte für das nationalsozialistische Regime gefunden hat: »Die tiefe Überzeugung, dass aus der gegenwärtigen deutschen Herrschaft nichts Gutes kommen kann, für Deutschland nicht und für die Welt nicht – diese Überzeugung hat mich das Land meiden lassen, in dessen geistiger Überlieferung ich tiefer wurzele als diejenigen, die seit drei Jahren schwanken, ob sie es wagen sollen, mir vor aller Welt mein Deutschtum abzusprechen.«