Wieder Zeit für Ferienreisen

Urlaub und Freizeit 1950:

Der Sommer 1950 gilt in der Bundesrepublik Deutschland als der erste wirkliche Reisesommer seit Kriegsende. Die grundlegenden materiellen Bedürfnisse der Bundesbürger sind nach der Not der ersten Nachkriegsjahre hinreichend erfüllt, so dass nun mehr Menschen wieder Geld und Zeit für eine Urlaubsreise aufbringen können.

Anders als vor dem Zweiten Weltkrieg ist Erholung der Hauptzweck des Urlaubs, Bildungsreisen u.ä. sind kaum gefragt. Ebenso gibt es kein Interesse an sog. Luxusreisen; vielmehr können die meisten nur wenig Geld ausgeben. Urlaub mit Fahrrad und Zelt ist nichts Ungewöhnliches; es werden aber auch vor allem von der Bundesbahn billige Pauschalreisen angeboten.

So kostet ein siebentägiger Aufenthalt mit Vollpension in Ruhpolding einschließlich der Anreise von Hamburg aus 89 DM. Für die Fahrt steht einer der sog. Clubsesselwagen der Bahn zur Verfügung, die in den Sommermonaten in den Ferien-Expresszügen von Nord- und Westdeutschland nach Bayern eingesetzt werden. Sie sind mit komfortablen Sitzen und einer Musikanlage ausgestattet und mit Fahrkarten 3. Klasse zu benutzen.

In Hotels und Pensionen der Bundesrepublik Deutschland übernachten im Sommerhalbjahr 1950 über sieben Mio. Gäste. Dies sind fast drei Mio. mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der ausländischen Besucher hat sich gegenüber 1949 sogar vervierfacht und liegt jetzt bei 712 000 . Um den Fremdenverkehr aus dem Ausland zu intensivieren, werden deutsche Tourismusbüros in den Städten New York, Zürich und Stockholm eingerichtet; weitere sollen folgen.

Obwohl die Bundesbürger hauptsächlich im eigenen Lande bleiben und dort die »klassischen« Urlaubsgebiete Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und die Badeorte an Nord- und Ostsee bevorzugen, ermöglichen gelockerte Bestimmungen erstmals wieder ohne besonderen Anlass und mit nur noch geringem Aufwand an Formalitäten Reisen ins Ausland.

Vom 1. Juli an brauchen die Westdeutschen nur noch einen Reisepass, um die Grenzen zu überschreiten; zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich. Sie erhalten Devisen (von Juli 1950 an bis zu 600 DM jährlich), die in den Nachkriegsjahren nur für Kuraufenthalte und Pilgerreisen zu haben waren.