Hoffmann verbindet geometrische Formen mit Ornamentreichtum

Wohnen und Design 1915:

Zu den bedeutendsten Architekten und Kunsthandwerkern seiner Zeit zählt Josef Hoffmann. Der am 15. 12. 1870 in Pirnitz (heute: Brtnice) geborene Künstler gehörte 1903 u. a. zu den Mitbegründern der Wiener Werkstätten, die dem österreichischen Jugendstil zum Durchbruch verhalfen. Vom Jugendstil kommend wandte sich Hoffmann später dem Rationalismus mit seinen härteren, geometrischen Formen zu, ohne auf die für die Wiener Schule typische Eleganz, ornamentalen Reichtum und Raffinement zu verzichten. Ausdruck dieses ihm eigenen Stils sind vor allem die zahlreichen zwischen 1902 und 1915 entstandenen prachtvollen monumentalen Villen (u. a. Palais Stoclet, Landhaus Primavesi).

Für die Zeitschrift »Dekorative Kunst« ist Hoffmann typischer Repräsentant der Umbruchphase, in der sich Architektur, Design und Kunsthandwerk befinden und die durch den Krieg eine Zuspitzung erfährt. Hoffmann wird in der Ausgabe vom 8. 5. 1915 für eine patriotisch geprägte Neubestimmung der Aufgaben des Künstlers vereinnahmt: »Den Meister«, so heißt es mit Bezug auf Hoffmann, »trifft … die neue Sendung der Zeit … Mehr noch als draußen im Reiche drängt unser inneres Leben, das wirtschaftliche und geistige, nach Gesundung durch Erneuerung. Es kann – das ist die frohe Gewißheit aller vaterländisch Gesinnten – nicht anders sein, als daß die Zeit auch im Gebiete des bildenden Schaffens strenge Musterung hält.«