Wachsende Not in der vom Krieg durchdrungenen Gesellschaft

Politik und Gesellschaft 1915:

Der Alltag im Deutschen Reich ist von den Auswirkungen des Krieges geprägt. Die soziale Not verschärft sich: Nahrungsmittel beginnen knapp zu werden, die starken Preissteigerungen zwingen viele zu erheblichen Einschränkungen. Immer mehr Familien, bei denen der Vater gefallen ist oder im Feld steht, sind auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Die Gesellschaft wird mehr und mehr militarisiert: Frauenverbände stellen sich in den Dienst des Krieges, Jugendliche werden in einer vormilitärischen Ausbildung auf den Krieg vorbereitet, eine patriotisch-nationalistische Ideologie durchdringt alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

Noch immer übt der Krieg auch eine starke Faszination aus. Viele Intellektuelle sehen darin eine »Reinigung« und »Befreiung« (Thomas Mann). »Wir haben kein Recht, diese Zeitherrlich zu nennen… Ich kann nicht eine reinere Lebensluft lobpreisen, die ich dem Blut und den Schmerzen von tausend Unschuldigen verdanke«, hält Hermann Hesse diesen Stimmen entgegen.