Italien annektiert Äthiopien – der Völkerbund lässt es geschehen

Italien annektiert Äthiopien – der Völkerbund lässt es geschehen
Italienische Soldaten während des Überfalls auf Abessinien 1935. By United States Library of Congress [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1935:

Ähnlich unentschlossen und zweigleisig verfahren Großbritannien und Frankreich auch angesichts des spektakulärsten Ereignisses des Jahres 1935, Italiens Kolonialkrieg gegen Abessinien (heutiges Äthiopien). Mussolini wagt den Angriff erst, als er nach einem Abkommen mit Frankreich, in dem die Staaten noch einmal ihre kolonialen Interessensphären in Nordafrika abstecken, auf Stillschweigen aus Paris zählen kann. Großbritannien verzichtet auf eine konsequente Haltung gegenüber Italien im Abessinienkrieg, weil man den Partner der »Stresafront« auf seiner Seite behalten und nicht etwa dem Deutschen Reich in die Arme treiben möchte – eine vergebliche Hoffnung, wie sich schon 1936 zeigt.
Der Abessinienkrieg begann mit der italienischen Kriegserklärung am 2. Oktober 1935 und dem Einmarsch italienischer Truppen am folgenden Tag und endete offiziell am 9. Mai 1936 mit der proklamierten Annexion Abessiniens durch das faschistische Italien. Am 1. Juni 1936 erfolgte die Vereinigung des besetzten Abessiniens mit den Kolonien Italienisch-Somaliland und Eritrea zur Kolonie Italienisch-Ostafrika.

Sanktionen des Völkerbundes gegen den Aggressor Italien laufen schon deshalb ins Leere, weil die USA, die nicht Mitglied der Staatengemeinschaft sind, Italien weiter mit Öl versorgen. Da sich auch die Mitgliedsländer nur in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Interessen und Abhängigkeiten an die eigenen Sanktionsbeschlüsse halten, hat Italien wenig Schwierigkeiten, den Krieg 1936 siegreich zu beenden und Abessinien zu annektieren. Mussolinis Kolonialfeldzug geht nicht nur als Resultat faschistischen Expansionsdranges in die Geschichte ein, sondern auch als Symbol für das Versagen der Völkerbundsidee, Konflikte friedlich zu regeln.